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Haben Polizei und Justiz versagt?

Gewalttat in Hameln Haben Polizei und Justiz versagt?

War Nurettin B. (38) aus Bad Münder, der am Sonntag in der Hamelner Südstadt versucht haben soll, seine Ex-Frau Kader K. (28) mit dem Auto zu Tode zu schleifen, bereits vor dem Verbrechen ein Gewalttäter? Die Polizei hatte auf Anfrage dieser Zeitung mitgeteilt, er sei ein „unbeschriebenes Blatt“.

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Mahnwache am Tatort in Hameln: 300 bis 400 Menschen sind gekommen, Oberbürgermeister Griese spricht von einer Gräueltat.

Quelle: ube

Hameln. Rainer Wendt, Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft, behauptet etwas anderes: In einem Gespräch mit der „Passauer Neuen Presse“ kritisiert der Gewerkschaftschef, dass Nurettin B. immer noch auf freiem Fuß war. Der 38-Jährige habe nämlich eine lange Gewaltkarriere hinter sich und sei immer wieder durch Straftaten aufgefallen, aber dennoch nicht in Haft gewesen, wird Wendt zitiert.

Auch die Schwiegermutter habe er geschlagen

Oberstaatsanwalt Thomas Klinge sagte dieser Zeitung, Nurettin B.s aktueller Bundeszentralregister-Auszug weise keinen Eintrag auf. Es habe zwar in der Vergangenheit Ermittlungsverfahren gegen ihn gegeben, die aber alle nicht zu einer Verurteilung geführt hätten. Doch nach Angaben von Kaders Bruder Maruf K. hat der Münderaner nicht nur häufig seine Frau, sondern vor etwa einem Jahr auch seine Schwiegermutter (58) geschlagen.

Wendt übt – auch mit Blick auf das Verbrechen in Hameln – scharfe Kritik an der Justiz. Er wirft ihr ein zu lasches Vorgehen gegen Straftäter vor. Nach der Festnahme des Mannes zeigt sich Wendt wenig optimistisch: „Es wird sich ein Richter finden, der ihm auch jetzt wieder eine positive Sozialprognose geben wird.“

Ein energisches Vorgehen gegen Gewalttäter fordert auch die Kurdische Gemeinde in Deutschland. Deren stellvertretender Bundesvorsitzender Mehmet Tanriverdi sagte, „diese und andere abscheuliche Straftaten, die häufig die schwächsten Glieder einer Gesellschaft treffen und sich vor allem an Frauen und Kinder richten, müssen mit der entschiedenen Härte unseres Rechtsstaats geahndet werden“.

Eine "menschenverachtende Tat"

Er bezeichnete die Tat in Hameln als „menschenverachtend“. Sie sei „an Widerwärtigkeit kaum zu übertreffen“. Die Gesellschaft dürfe so etwas nicht tolerieren – und die Behörden müssen energischer gegen Personen, die bereits wiederholt durch solche Taten aufgefallen sind, vorgehen. Für Tanriverdi steht fest: „Wer keine Achtung vor seinen Mitmenschen und dem Grundgesetz hat, hat auch keinen Platz in der Mitte der Gesellschaft. Ganz gleich, welcher Herkunft der Täter war, diese Tat ist verbrecherisch, hochkriminell und gehört mit äußerster Härte des Rechtsstaates bestraft.“

Am Abend fand am Tatort eine Mahnwache statt, an der zwischen 300 und 400 Menschen, darunter Oberbürgermeister Claudio Griese und Landrat Tjark Bartels, teilnahmen. Die Menschen seien friedlich an dem Ort zusammengekommen, an dem sich die Tat ereignet habe, sagte ein Polizeisprecher dem Nachrichtendienst epd. Gewaltverbrechen gehörten in Deutschland und auch in Hameln leider zur Gesellschaft dazu, aber dieses Vergehen habe die Vorstellungskraft überstiegen, sagte Griese.

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