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Endgültig Schluss

Stromproduktion Endgültig Schluss

Noch steigt Rauch aus dem Schornstein, Block drei ist in Betrieb. Dort wird Kohle verfeuert und ein kleiner Anteil Klärschlamm. Ende Februar kommt nur noch Kohle zum Einsatz, vier Wochen später ist endgültig Schluss und die Stromproduktion in Veltheim Geschichte.

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Veltheim. Der genaue Tag steht noch nicht fest. „Vermutlich zwischen dem 25. und 31. März“, sagt Jörg Röthemeier, kaufmännischer Geschäftsführer des Gemeinschaftskraftwerks Weser (GKV). Der Termin hängt von den Brennstoffvorräten ab. Das Kraftwerk soll in den letzten Tagen keine großen Kohlevorräte lagern. Der exakte Verbrauch lässt sich aber im Vorfeld nur schwer einschätzen.

„Wir haben kürzlich eine Woche gestanden, weil so viel Wind im Netz war“, sagt Uwe Knorr, der technische Geschäftsführer.

Die Mitarbeiter haben damit begonnen, die Ölsysteme in den Blöcken eins und zwei zu reinigen. Auch der 8600 Kubikmeter Heizöl fassende Tank von Block vier wurde bereits entleert. Drei der vier Blöcke sind längst außer Betrieb. Ende Dezember wurde die Verfeuerung sogenannter „heizwertreicher Fraktionen“ eingestellt. Jahrelang hatte eine Bürgerinitiative gegen die Mitverbrennung von Abfall protestiert, Sternmärsche zum Kraftwerk organisiert und gerichtliche Verfahren angestrengt. Neun Jahre nach Beginn der umstrittenen „Fluff“-Mitverbrennung ist dieses Kapitel abgehakt.

 77 Männer und Frauen arbeiten noch im Kraftwerk. Seit 2012 hat sich ihre Zahl nahezu halbiert. Bis Ende März werden sie die Stromproduktion aufrechterhalten sowie reparieren und ausbessern, wo nötig. Anschließend beseitigen sie sämtliche Gefahrstoffe. Diese Phase dauert bis zum 30. Juni. „Wir werden die gesamte Anlage so hinterlassen, wie es vom Gesetzgeber vorgesehen ist“, sagt Röthemeier, der bis Jahresende Geschäftsführer der GmbH bleibt, dann in Ruhestand geht.

 Die Schließung des Kraftwerks wurde vor über einem Jahr beschlossen, sämtliche Mitarbeiter haben Auflösungsverträge unterschrieben. Obwohl das Ende feststeht, werde es vom 1. April an richtig hart, sagt Röthemeier. „Von da an kann man fast täglich Leute verabschieden.“ Wer einen neuen Job hat, darf ab April gehen, Ende Juni verlassen die letzten Kraftwerker das GKV. Manche wissen noch nicht, wie ihre berufliche Zukunft aussieht. Die Stimmung ist trübe. Einige sähen sich in der Opferrolle, so Röthemeier. „Es gibt hier das gesamte Kaleidoskop an Emotionen.“

Von Juli an beginnt die Nachbetriebsphase. Etwaige nächtliche „Kraftwerksbesichtigungen“ ungebetener Gäste werden nicht unbeobachtet bleiben, kündigt Uwe Knorr an. „Ein Dienstleister kümmert sich um den Objektschutz.“

In welchem Umfang und ab wann der Rückbau erfolgt, ist Sache der Kraftwerks-Gesellschafter. Eon und die Stadtwerke Bielefeld werden sich mit der Zukunft des annähernd 20 Hektar großen Betriebsgeländes befassen. Die Gesamtfläche, die der Kraftwerks GmbH gehört, misst sogar fast 40 Hektar.

Bereits im vorigen Herbst machten Meldungen über das Angebot von Veltheimer Kraftwerkskomponenten über eine Maklerfirma die Runde. Die Nachfrage hielt sich jedoch in Grenzen. Es sei bislang nichts verkauft worden, teilen die Verantwortlichen mit.

Unberührt von den Gesellschafter-Entscheidungen bleiben Strommasten und Leitungen. Sie sind Sache der Netz Veltheim GmbH. Einzige Änderung: Ohne das Kraftwerk gibt es künftig einen Einspeiser ins Leitungsnetz weniger.

Trotz der Umbrüche auf dem Energiesektor werden konventionelle Kraftwerke nicht überflüssig, ist Uwe Knorr überzeugt. „Wir brauchen solche Kraftwerke, die man rasch hoch- und runterfahren kann, um die Netzstabilität zu gewährleisten.“ Das GKV indes zählt auf dem hart umkämpften Strommarkt nicht zu den Unverzichtbaren. MT

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