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Minden Täter zu zehn Jahren Haft verurteilt
Aus der Region Minden Täter zu zehn Jahren Haft verurteilt
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19:21 12.07.2018
Der 57-Jährige hat gestanden, jemanden gesucht zu haben, den er mit dem Auto töten konnte. Quelle: dpa
Minden

Es sah zunächst wie ein Verkehrsunfall mit Unfallflucht aus. Später stellte sich heraus: Die Fußgängerin wurde Opfer eines Mannes, der aus Rache töten wollte. Egal wen. Die Richter gingen jetzt beim Strafmaß noch über die Forderung der Staatsanwaltschaft hinaus.

Die Aussage des Gutachters war eindeutig: Der 57-jährige Mindener hat krankhafte Wahnvorstellungen. Eindeutig war auch das Geständnis des Angeklagten. Ja, er hatte sich im Dezember 2017 nach einem Opfer umgeschaut. Stundenlang war er mit seinem Auto durch den Kreis Minden-Lübbecke gefahren. Der frühpensionierte Lehrer suchte jemanden, den er aus Rache für seine jahrelange Pein und seine unheilbare Krebserkrankung mit seinem Auto töten konnte. Es sollte genau ein Mensch sein, ungefähr in seinem Alter, aber keine Mutter mit einem Kinderwagen. Diese Vorgaben hatte er sich gegeben.

Für die Umsetzung dieses Plans ist der 57-jährige Täter am Donnerstag vom Landgericht Bielefeld wegen heimtückischen Mordes zu einer zehnjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Die Strafe wird er aber nicht im Gefängnis absitzen, denn das Gericht ordnete die Unterbringung in einer Psychiatrie an. Ein Gutachter hatte bei dem Deutschen krankhafte Wahnvorstellungen festgestellt. Über Jahre fühlte sich der Angeklagte von einer angeblichen Strahlenmafia verfolgt. Durch diese Bestrahlung sei er so krank geworden.

Wiederholungsgefahr nicht gebannt

„Die Kammer hat noch eine höhere Strafe diskutiert. Die weit fortgeschrittene Krebserkrankung spricht aber dagegen“, sagte der Vorsitzende Richter Georg Zimmermann in seiner mündlichen Urteilsbegründung. Bei den Fragen nach der Einweisung in die Psychiatrie und der Wiederholungsgefahr, die der Anwalt in seinem Plädoyer noch verneint hatte, widerspricht Richter Zimmermann. „Wir glauben, dass der Deckel noch nicht vom Topf geflogen ist. Der Dampf ist kurz raus, aber der Deckel könnte nochmals hochfliegen.“

Das Opfer der heimtückischen Auto-Attacke, eine 53-jährige Fußgängerin, wurde bei dem Aufprall mit dem Kopf gegen die Windschutzscheibe des heranpreschenden Wagens und dann über das Auto hinweg auf einen Acker geschleudert. Die Mindenerin erlitt dabei schwerste Verletzungen. Bis zu ihrem Tod Monate später im März 2018 erwachte die Frau trotz mehrerer Operationen nicht mehr aus dem Koma.

Täter und Opfer

Die Richter gingen mit dem Urteil über die Forderung der Staatsanwaltschaft hinaus, die sich für acht Jahre und sechs Monate Haft wegen Mordes ausgesprochen hatte. Der Verteidiger hatte auf eine Verurteilung wegen Totschlags plädiert, ohne ein Strafmaß zu nennen. Ob sein Klient das Urteil annimmt, sei noch offen, sagte der Anwalt.

Der Anwalt des jetzt Verurteilten bittet in seinem Plädoyer mehrmals die Öffentlichkeit und die Angehörigen um Verständnis für seinen Mandanten. Er wolle die Tat nicht relativieren und sein Mandant sei eindeutig zum Täter geworden, „aber er ist auch ein Opfer“, sagte der Verteidiger mit Blick auf dessen Kindheit zum Abschluss.  dpa