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„Angst, Angst, Angst...“

Bad Rehburg „Angst, Angst, Angst...“

Eindrücke aus Konzentrationslagern haben Jugendliche aus den Landkreisen Nienburg und Schaumburg auf die Bühne der Romantik Bad Rehburg gebracht.

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Erinnerungen an ein biblisches Bild: die Jugendlichen während der Lesung in der „Romantik Bad Rehburg“.

Quelle: ade

Bad Rehburg. Innerhalb des Veranstaltungsprogramms zur ersten Stolperstein-Verlegung in Rehburg-Loccum haben sie die Lesung in Kooperation mit der Evangelischen Heimvolkshochschule Loccum konzipiert.

 „Wie ist es den Rehburger Juden wohl ergangen?“ Als Henrike diese Frage stellt, sitzen die Jugendlichen bereits in langer Reihe am schwarz abgehängten Tisch. „Sieht ein bisschen aus wie das Abendmahl“, hat jemand kurz zuvor gesagt – auch wenn es lediglich neun sind, die dort sitzen. Jeder von ihnen trägt etwas, das gelb ist. Mütze, Schal, Ohrringe oder ein Armband. „Judensterngelb“ haben sie es zuvor genannt – nicht auf abwertende Art und Weise, sondern lediglich, damit jedem von ihnen klar war, worauf sie bei der Auswahl ihrer Accessoires achten sollten. Bei dem, was nach dem Setzen in langer Reihe folgte, stand ohnehin fest, dass ihre Sympathien denjenigen gelten, die in Konzentrationslagern und Ghettos verhungerten, geschlagen und ermordet wurden.

 Wie es den Rehburger Juden ergangen ist, war die Frage, mit der die Jugendlichen aus der Rehburger Wilhelm-Busch-Schule, aus der Loccumer Oberschule, dem Gymnasium Stolzenau und aus der IGS Stadthagen sich auseinander gesetzt haben. Die Recherchen des Arbeitskreises „Stolpersteine Rehburg-Loccum“ haben sie als erste Grundlage genommen – und erfahren, dass von allen aus dieser Stadt, die deportiert und ermordet wurden, nichts aus deren Zeit nach Rehburg bekannt ist. Wie es ihnen ergangen sein könnte – wie es ihnen vermutlich ergangen ist – haben die Schüler versucht, mit Texten zu rekonstruieren, die von Menschen in Konzentrationslagern geschrieben wurden. Hier ein Gedicht, dort ein Auszug aus den Erinnerungen eines Überlebenden, da ein Brief, den eine Mutter ihrem Kind zum Abschied schrieb, weil sie wusste, dass sie nicht lange genug leben würde, um noch einmal schreiben zu können.

 Leid, Trauer, Angst, manchmal auch verzagte Hoffnung, dazu Schilderungen von alltäglichen Torturen in den Lagern – was die Jugendlichen recherchiert haben, ist über 45 Minuten keineswegs leichte Kost. Die schwer wiegenden Texte haben sie aber umso eindringlicher vorgetragen. Das reichte vom Einstieg, bei dem sie in den Saal stürmten und die Namen der ermordeten Rehburg-Loccumer Juden in die Menge riefen, über das Skandieren von „Auschwitz, Warschau, Theresienstadt, Minsk“ bis zu den letzten Zeilen, wenn alle gemeinsam „Ich habe Angst, Angst, Angst…“ in den Saal hinein flüstern.

 Rund 60 Besucher waren beeindruckt, hatten Fragen an die Jugendlichen und ließen sich im zweiten Teil des Abends auf ein weiteres Gespräch ein. Zu jüdischem Leben in Deutschland nach 1945 erzählte dort die Vorsitzende der Liberalen Jüdischen Gemeinde Hannover, Ingrid Wettberg, anhand ihrer eigenen Lebensgeschichte. „Nehmen Sie uns bitte wahr!“, ist ihr abschließendes Plädoyer gewesen – verbunden mit der Einladung, gerne auch die Gottesdienste zum Shabbat in ihrer Synagoge zu besuchen. ade

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