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Der Co-Therapeut ist eine Dogge

Loccum / Seniorenheim Der Co-Therapeut ist eine Dogge

Hunde können als Co-Therapeuten in vielerlei Hinsicht eingesetzt werden. Die Loccumerin Martina Leptihn hat ihre Dogge Luna bei ihren Einsätzen in einem Seniorenheim immer dabei.

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Vorsichtig zieht und zerrt Luna an Martina Leptihns Socke, bis diese vom Fuß gleitet. © ade

Loccum (ade). „Luna! Socken ausziehen!“ Der Ruf von Martina Leptihn gilt nicht etwa einem Kind, sondern ihrem Hund. Brav trottet Dogge Luna herbei, greift vorsichtig mit der Schnauze die Spitze der Socke, die Leptihn sich über den Fuß gestreift hat, zieht und zerrt kurz – und hat ihr Ziel erreicht. Socken kann Luna ausziehen, Handschuhe ebenso. Türen kann sie öffnen und schließen, das Schieben von Einkaufswagen lernt sie gerade.

Was Luna aber in erster Linie macht, ist die fürsorgliche Begleitung alter Menschen. Martina Leptihn, die als Altenpflegerin mit einer Zusatzausbildung in Gerontopsychiatrie arbeitet, hat ihren Hund zum Co-Therapeuten ausbilden lassen. Seitdem arbeiten die beiden im Team.

Wenn eine gemeinsame Runde Kegeln auf dem Therapieplan in dem Hannoverschen Seniorenheim steht, in dem Leptihn arbeitet, dann ist Luna eine der Keglerinnen. Reihum darf jeder der Senioren versuchen, die Kegel umzuwerfen. Ist die Reihe an Luna, steigt die Aufmerksamkeit der älteren Menschen.

Es sei einer der Vorzüge von Therapie-Begleithunden, sagt Leptihn, dass sie die Kommunikation förderten. So manchem Bewohner mit Depressionen helfe der Kontakt zu Luna. Und mancher Bewohner überwinde seine Sprachlosigkeit dann, wenn die Hündin in sein Zimmer komme. Sie habe schon Menschen mit Demenz erlebt, die die Namen ihrer Kinder nicht mehr wüssten, erzählt Leptihn. Wenn Luna aber in deren Zimmer komme, redeten sie den Hund mit Namen an.

Liebe auf den ersten Blick sei es zu Luna gewesen, sagt die Altenpflegerin. Auf der Suche nach einem Hund kam sie zu einer Züchterin für Antik-Doggen. Ihren ursprünglichen Plan, Luna für die Menschen-Rettung auszubilden, ließ sie aber schnell fallen. „Das entspricht überhaupt nicht Lunas Charakter“, sagt sie. So ruhig, wie das 50 Kilogramm schwere Tier ist, so freundlich, aber auch verspielt, bot es sich einfach an, sie für die Begleitung in ihrem Beruf auszubilden.

In Nienburg wurde Martina Leptihn auf der Suche nach einer Ausbildungsstelle für sich und ihren Hund fündig, sechs Monate drückten die beiden die Schulbank. „Luna hat ihre Prüfung schließlich besser gemeistert als ich“, erzählt die Loccumerin lächelnd und krault die Dogge, die sich das genüsslich gefallen und ihren Kopf auf den Schoß von Leptihn sinken lässt.

In dem Seniorenheim hat Luna ihre eigene Ecke, in die sie sich zurückziehen kann, wenn sie müde von ihrer Arbeit ist. „20 Minuten Arbeit mit den Patienten sind für Luna so anstrengend wie drei Stunden Laufen neben dem Fahrrad“, erzählt Martina Leptihn. In dieser Arbeitszeit schafft der Hund es aber,, ein inniges Verhältnis zu vielen Patienten aufzubauen. Geduldig lässt Luna sich kraulen – das trainiert die Feinmotorik der Patienten. Bei Spaziergängen an der Leine wird die Grobmotorik unterstützt. Und Schlaganfall-Patienten wissen, dass sie Luna klare Befehle geben müssen – ihr eigenes Sprachvermögen wird damit geschult.

Dass ein freundlicher Hund darüber hinaus für Gesprächsstoff sorgt, bei ehemaligen Hundebesitzern Erinnerungen weckt und der Kontakt zu dem Tier Menschen aus der Lethargie reißen kann, sind andere Begleiterscheinungen, die das Projekt ‚Co-Therapeut Hund‘ zu einem Erfolg machen.

Martina Leptihn möchte Luna nicht mehr missen – weder bei der Arbeit noch zu Hause. Und den Patienten, mit denen die beiden arbeiten, ergeht es ebenso.

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