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Der Gekreuzigte wird geröntgt

Loccum / Loccumer Tafelkreuz Der Gekreuzigte wird geröntgt

„Es steht das Kreuz, während die Welt sich dreht“ ist ein altes Ziesterzienser-Wort. Im Loccumer Zisterzienser-Kloster wird nun geprüft, inwieweit das in 20 Meter Höhe zwischen Kirchenschiff und Altarraum stehende hölzerne Tafelkreuz seinen statischen Anforderungen noch genügt.

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Ein alter Bruch, der immer noch Probleme macht: am Kreuzungspunkt der hölzernen Tafel verläuft ein Riss.

Quelle: ade

Loccum (ade). „Das Kreuz ist ein Problem für sich“, sagt Constantin Anastasiou und blickt auf die Christus-Darstellung, die von den Gerüstaufbauten in der Kirche fast verdeckt wird. Renoviert und statisch gesichert wird die Kirche seit Monaten, über sieben, acht Stockwerke recken sich viele Gerüstreihen bis unter das Gewölbe. Die Arbeiten an dem Tafelkreuz gehörten aber eigentlich nicht zu den Maßnahmen, die der Tragwerksplaner Anastasiou vorgesehen hatte. Nun jedoch hat er dem Gekreuzigten Röntgenaufnahmen verschrieben, denn die alte Konstruktion zeigt Risse, die alle Beteiligten nervös machen. Vor einigen Monaten löste sich eine der hölzernen Platten im Kreuzungsbereich, inwieweit eingeschritten werden muss, sollen ein Spezialist für Röntgenaufnahmen, der Restaurator Peter Furmanek und Statiker Anastasiou klären.

Die Geschichte des Tafelkreuzes ist lang und bewegt – im wahrsten Sinne des Wortes. Zunächst krönte es nach der Fertigstellung der Kirche um 1270 den Lettner, der die Kirche in einen Bereich für die Priestermönche und einen weiteren für die Laienmönche teilte. Als der Lettner entfernt wurde und das Kreuz einen neuen Standort bekommen sollte, sei es heruntergefallen und in sieben Teile zerborsten, erzählt Furmanek – dieser erste Schaden wirke immer noch nach. Nach etlichen Stationen in der Kirche, bei denen es teilweise an Wänden hing, wurde es schließlich über den Altarraum gestellt.

„Wie groß das Kreuz ist, lässt sich von unten kaum abschätzen“, sagt Anastasiou. Auf Zeichnungen zeigt er, dass es fünf Meter in die Höhe ragt, drei Meter breit ist – und nur fünf Zentimeter dick. Die ersten Röntgenaufnahmen zeigen alte Restaurierungsversuche: Metallplatten im Inneren der Konstruktion sind zu sehen, auch Verschraubungen. Das ganze Kreuz sei ein großes Flickwerk, sagt Anastasiou.

Wenn irgend möglich, soll das Kreuz während aller Arbeiten an seinem luftigen Standort bleiben – obwohl ihm noch der Boden unter den Füßen entzogen werden soll. Denn der Plan sieht auch vor, dass der wuchtige Balken, auf dem das Kreuz steht und der rechts und links des Kirchenschiffes in den Mauern verankert ist, einer schlankeren Konstruktion weichen soll. Dann werden wohl auch die Spanndrähte, die das Kreuz momentan am Verdrehen hindern, einer eleganteren Lösung weichen – ein Draht läuft direkt vor dem Blickfeld des auf der Rückseite dargestellten Christus entlang.

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