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Die Bibliothek in Priors Garten

Loccum / Predigerseminar im Kloster Die Bibliothek in Priors Garten

Groß feiert das Kloster Loccum sein 850-jähriges Bestehen – währenddessen wird im Hintergrund aber schon für die Zukunft geplant. Etliche Baumaßnahmen wird es geben, um das Predigerseminar im Kloster für noch mehr angehende Pastoren zu rüsten.

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Der Prior als Gästeführer: Arend de Vries erklärt einer Gruppe in der Klosterkirche die „kleinen Barmherzigkeiten“, die die Mönche früher mit einem Notsitz im Chorgestühl geboten bekamen.

Quelle: ade

Von Beate Ney-Janssen

Loccum. Arend de Vries ist geistlicher Vizepräsident der Landeskirche Hannovers. Als solcher hat er eine Menge Aufgaben zu erfüllen. Prior des Klosters Loccum zu sein, gehört eigentlich nicht dazu. Dennoch hat er sich vor einigen Jahren bereit erklärt, dieses Ehrenamt anzunehmen und sich damit die Beteiligung an so mancher weiteren Entscheidungsfindung aufgebürdet. Gerade jetzt, in diesem Sommer, vertieft er seine Beziehung zu dem Kloster noch.

Zwei Wochen seines Jahresurlaubs verbringt er in Loccum. Entspannend sind die Tage kaum für ihn, denn täglich führt er drei Gruppen durch Kirche und Kreuzgang, erklärt die Geschichte des Klosters von den Anfängen vor 850 Jahren auf moorigem Grund bis zu dem Predigerseminar, das heute dort beheimatet ist. Dieses Predigerseminar ist es auch, mit dem er sich sowohl im Kloster wie auch im Landeskirchenamt derzeit sehr auseinander setzt. Denn während das Jubiläum noch gefeiert wird, wappnet sich das Kloster schon für die nächsten Jahre.
Investitionen von bis zu 17 Millionen Euro
Dann – das hat die Landessynode vor wenigen Wochen beschlossen – wird sich vieles hinter der Klostermauer verändern. Gebaut werden soll – und das nicht zu knapp. 17 Millionen Euro sind die Höchstgrenze der Investition. Elf Millionen Euro dieser Summe, erzählt de Vries, wolle die Landeskirche aufbringen, 1,5 Millionen Euro sollen vom Kloster kommen und 4,5 Millionen Euro an Drittmitteln eingeworben werden.

Notwendig sind die Investitionen, da sich die Landeskirchen Braunschweig, Oldenburg, Schaumburg-Lippe und Bremen verpflichtet haben, ihre Vikare künftig zur Ausbildung nach Loccum zu schicken. Die Position Loccums als geistliches Bildungszentrum wird damit noch stärker, die Konsequenz ist jedoch auch, dass die vielen Vikare für ihre Wochen in Loccum gute Unterkünfte und Arbeitsplätze benötigen.

60 Betten auf dem Klostergelände seien das Ziel – und zwar in Zimmern nach heutigem Standard, sagt de Vries. Momentan würden manche Vikare noch in den sehr schönen und individuellen Zimmern im Konventsgebäude übernachten. Die hätten jedoch den Nachteil des Waschbeckens im Zimmer und der Toilette auf dem Flur. Ein Übernachtungshaus mit 30 Betten soll nun in der Nähe des Brauteiches am früheren Standort des Brauhauses gebaut werden. Das Konventsgebäude wird hingegen Seminarräume bekommen und muss ohnehin einer großen Sanierung unterzogen werden – das Dach ist marode. Und energetisch ist das Haus, das 1778 gebaut wurde, ebenfalls verbesserungswürdig.

Ähnliches gilt für das so genannte Slaphus, in dem vor Jahrhunderten die Mönche ihren Schlafsaal hatten. Dort steht zudem die statische Sicherung auf dem Programm – ähnlich, wie sie bereits bei der Klosterkirche durchgeführt wurde. Eine neue Bibliothek soll zudem in Priors Garten gebaut werden. Nahe an den jetzigen Bibliotheksräumen würden die Bücher in drei Etagen auf 600 Quadratmeter verteilt, erzählt de Vries. Und als letzte Maßnahme solle die Verbindung zwischen dem Kloster und der Evangelischen Akademie deutlicher betont werden. Der schmale holprige Pfad, der die beiden Institutionen bisher verbinde, werde einer großzügigeren Lösung weichen und die beiden Bildungseinrichtungen sowohl optisch als auch räumlich einander annähern.
2018 soll alles fertig sein
Architektenwettbewerb und Ausschreibung sind für 2014 geplant. 2015 sollen die Baumaschinen auf dem Gelände anrollen. „Und 2018 wird alles fertig sein – so hoffen wir“, sagt de Vries. Das Kloster wird dann aber nicht nur sein Aussehen verändert haben, denn ein weiterer Beschluss der Landessynode bezieht sich auch auf die Zuständigkeit für die Ausbildung hinter Klostermauern. Lag diese bisher bei dem Kloster, so wird künftig die Landeskirche sagen, wo es lang gehen soll. Vor Jahren habe es in der Landeskirche noch vier Predigerseminare gegeben, erklärt der Prior. Drei von ihnen seien der Landeskirche unterstellt gewesen, Loccum habe eine Sonderstellung gehabt. Das werde nun geändert. Sowohl für den Prior wie auch für den Geistlichen Vizepräsidenten des Landeskirchenamtes dürfte dieses bedeuten, dass er in den kommenden Jahren noch häufiger als bisher Loccum besuchen wird.

Predigerseminar

Als das 1163 vom Zisterzienserorden gegründete Kloster Loccum im Jahr 1593 evangelisch wurde, stand es vor einer Crux, denn nun konnten keine Mönche mehr aufgenommen werden. Das Kloster behalf sich damit, ausgebildete Pastoren, die noch auf eine Pfarrstelle warteten, als „Mönche auf Zeit“ aufzunehmen. Daraus entwickelte sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts das Predigerseminar. Heutzutage werden Theologen nach ihrem Universitätsabschluss dort auf ihre praktischen Aufgaben im Pfarramt vorbereitet.

Mittlerweile ist das Kloster Loccum die letzte Ausbildungsstätte dieser Art innerhalb der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. Das Kloster, die benachbarte Evangelische Akademie, das Religionspädagogischen Institut und das Pastoralkolleg bilden einen Campus in Loccum, der das größte Bildungszentrum innerhalb der Landeskirche ist. 

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