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„Wenn Gott keinen Spaß verstünde, …“

Loccum / Lesung „Wenn Gott keinen Spaß verstünde, …“

Im Hinblick auf das Luther-Jahr 2017 sollte bei den Feiern zum 850-jährigen Bestehen des – evangelischen - Klosters Loccum auch dieser Luther nicht fehlen.
Loccums Abt Horst Hirschler und der Germanistik-Professor Jürgen Stenzel haben deshalb einen Abend im Kloster unter dem Motto ‚Luther der Possenreißer’
gestaltet.

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Luthers Possen haben Horst Hirschler (rechts) und Jürgen Stenzel bei ihrer Lesung im Kloster Loccum im Visier.

Quelle: ade

„Das Skript habe ich geschrieben“, erzählt Horst Hirschler noch schnell im Vorbeigehen, bevor er an das Pult tritt, „Professor Stenzel hat es überarbeitet und mir die Hälfte des Textes
gestrichen.“ Es sei ja viel zu lang gewesen und so, in dieser kurzen Form, erst richtig gut. Dass der ehemalige Landesbischof Hirschler, der als exzellenter Luther-Kenner gilt, der Vielfalt seines Wissens über den Reformator nur schwer Einhalt gebieten konnte, mag auch angesichts der Vielzahl der Schriften, die dieser hinterließ, verständlich sein. Ein Programm über mehr als drei Stunden hätte aber vermutlich auch den aufmerksamsten Zuhörer überfordert – und auch die Kurzform hat viele Seiten Luthers noch einmal deutlich gemacht.

Der Possenreißer – so hat Melanchthon Luther einmal betitelt. Als Luther nämlich seine Katharina ehelichte hoffte der Freund, dass dieser neue Stand ihm die Possenreißerei austreiben werde. Dass das keinesfalls geschehen ist, haben Stenzel und Hirschler mit Erzählungen und Lesungen aus Briefen und von Tischreden Luthers höchst deutlich gemacht. Allein die Anreden, die Luther für seine jeweilige Korrespondenz wählte, lassen schon darauf schließen. Im Disput mit einem Herzog betitelte er diesen etwa wiederholt mit ‚fürstliche Ungnaden’, seine Frau hingegen bekam Post, in der sie als ‚mein freundlicher lieber Herr’ angeredet wurde. Unzufrieden mit der Frömmigkeit seiner Gemeinde trat Luther in einen Predigtstreik und wetterte, dass er lieber tollen Hunden als eben dieser Gemeinde predigen wolle. Aussagen wie diese, sagt Hirschler, hätten manche auch Luthers ‚Grobianismus’ genannt – was nach solchen groben Aussagen aber nahezu immer folge, sei feinste Theologie.

Manches regte zum Schmunzeln an, was die beiden Herren auf dem Podium von und zu Luther vortrugen und das hat das Publikum auch erwartet. Die Intention Luthers zu allen drastischen Vergleichen und Redewendungen und zu manchem, das die Menschen wohl damals schon Lachen machte, lässt sich vielleicht an einem Satz aus einer der Tischreden des Reformators festmachen: „Wenn Gott keinen Spaß verstünde, möchte ich nicht im Himmel sein.“  ade

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