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Zwischen Oma und Enkelin

„Liebe Nora…“ Zwischen Oma und Enkelin

Die Erinnerungen an ihre Kindheit in Pommern und anderswo aus den Jahren 1938 bis 1950 hat die Loccumerin Annchen Heymer als Buch herausgegeben. „Liebe Nora…“ ist der Titel des Buches, das auch mit einigen Lesungen präsentiert wird.

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Weil die Kindheit ihrer Enkelin Nora eine ganz andere war, hat Annchen Heymer ihr geschrieben, wie es damals war, als sie als Kind flüchten musste.

Quelle: ade

Loccum. „Liebe Nora, du wächst in einer Zeit auf, in der Frieden herrscht. Meine Kindheit wurde vom Zweiten Weltkrieg (1939-45) und von der Aufbauzeit sowie Neuorientierung nach einem verlorenen Krieg geprägt. Weil es eine ganz andere Kindheitsgeschichte ist als deine, möchte ich dir davon erzählen.“ So beginnt das Buch von Annchen Heymer. Nora ist ihre Enkelin. Und geschrieben hat die Großmutter ihrer Enkelin, als diese zehn Jahre alt war – ungefähr so alt, wie Annchen Heymer selbst war, als sie Krieg und Flucht erleben musste.

Aus der Sichtweise eines Kindes

„Ich wollte Nora die Geschichte so erzählen, dass sie es verstehen kann“, sagt Annchen Heymer. Entstanden ist daraus eine Erzählung aus der Sichtweise eines Kindes über das, was ihm widerfahren ist an schlimmen Erlebnissen und großen Freuden in den Kriegs- und Nachkriegswirren, aber auch eine Beschreibung des ganz normalen Lebens eines Kindes damals – ob es nun die Verhaltensregeln in der Schule, der große monatliche Waschtag oder die Spiele sind, mit denen Kinder sich vor rund 70 Jahren amüsierten.

Manches kommt ganz leicht daher in diesen Beschreibungen. Da sind die Gute-Nacht-Geschichten von der Mutter, die Abenteuer, die Annchen gemeinsam mit ihrem Bruder Jürgen erlebt, und auch die Beschwerde über die fürchterlich kratzenden Strümpfe, die die Kinder an jedem Sonntag anziehen mussten. Ebenso erzählt die heute 81-Jährige aber auch von einer Bombe, die sie nahe ihrer Heimatstadt Rügenwalde im heutigen Polen fallen hörte.

Manchmal nett, dann furchterregend

Berichtet von dem Hunger, der sie und ihren Bruder quält. Schildert, wie Jürgen ins Gefängnis geworfen wurde, weil er einen Birnbaum fällte. Wie Russen und Polen als siegreiche Mächte sich in ihrem Rügenwalde verhielten – manchmal nett, freundlich und hilfsbereit, dann wieder furchterregend, ihre Siegerstellung demonstrierend und ohne Rücksicht auf die Bevölkerung.

Vertrieben werden aus der Stadt, auf einem Bauernhof irgendwo aufgenommen werden, wieder nach Hause zurückkehren dürfen, aus der Wohnung gejagt werden, mit einem Zug fahren, der zwei Monate mit ungewissem Ziel unterwegs ist, um schließlich im Westen zu landen, wo sie vom Vater erwartet werden und einen Neubeginn starten – all das gehört auch zu der Kindheit von Annchen Heymer. Ohne Wertungen, ohne den belehrenden Zeigefinger erzählt sie ihre Geschichte und gerade dadurch wird es so eindringlich, ist es so gut möglich, sich in diese Kindheit hineinzuversetzen.

Geschrieben hat sie ihre Kindheitserinnerungen bereits 2004. „Als ich einmal angefangen hatte, konnte ich nicht mehr aufhören. Ich habe geschrieben, geschrieben, geschrieben“, sagt sie. Nora bekam das Manuskript damals von ihr – danach standen andere Dinge im Vordergrund.

Teil der Lesung

Dass Annchen Heymer nun, zwölf Jahre später, ihr Manuskript wieder hervorgeholt hat und es veröffentlicht, hängt mit dem Arbeitskreis Stolpersteine Rehburg-Loccum zusammen. Der plante für dieses Jahr eine Lesung mit Jugendlichen zu Flüchtlingsgeschichten seit der NS-Zeit. Irgendwie kamen sie zusammen und schnell stand fest, dass die Flucht von Annchen Heymer ein Teil dieser Lesung sein sollte.

So wurde ihre Geschichte im Juni zweimal auf die Bühne gebracht und sie stand gemeinsam mit den Jugendlichen zum Schluss-Applaus auf der Bühne. Danach reifte ihr Entschluss, diese Erinnerungen auch als Buch herauszugeben. Unterstützung bekam die Loccumerin von ihrem Mann Eike, einigen Freunden und auch von dem Stolperstein-Arbeitskreis. Ihre Kindheit als Teil der deutschen Geschichte und als Flüchtlingsschicksal ist aber auch weiterhin nicht nur zwischen Buchdeckel gepresst zu erleben.

Eine kleine Lese-Tour ist geplant, die am Dienstag, 8. November, 19.30 Uhr, in der „Romantik Bad Rehburg“ beginnt. Dort präsentiert sie ihr Buch in einer szenischen Lesung gemeinsam mit einigen Jugendlichen.

Die Lesung des Arbeitskreises mit Flüchtlingen seit der NS-Zeit wird am Donnerstag, 27. Oktober, 19 Uhr, ein weiteres Mal aufgeführt – dann im Nienburger Kulturwerk und auf Einladung des „Runden Tisches gegen Rassismus und rechte Gewalt“ aus der Kreisstadt. Weitere Termine werden auf der Website www.stolpersteine-rehburg-loccum.de veröffentlicht.

„Liebe Nora… - Eine Kindheit in Pommern und anderswo“, das Buch von Annchen Heymer, kann bei all diesen Gelegenheiten gekauft werden und ist auch in der Loccumer Buchhandlung Schumacher erhältlich. Unter der ISBN 978-3-86460-561-1 und zum Preis von 8,50 Euro kann es in Kürze auch an weiteren Stellen bestellt werden. ade

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