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Loccum Zwischen und hinter die Dinge schauen
Zwischen und hinter die Dinge schauen
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00:17 14.10.2013
„Loccumer Geschichten von der Liebe“ führt der Theaterkursus auf.  ade
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Loccum (ade)

„Meine Ruh ist hin, …“ – unschwer zu erkennen, dass hier Gretchen zitiert wird mit einer der bekanntesten Textpassagen aus Goethes „Faust“. Der Bogen, den die Jugendlichen danach auf ihrer Theaterbühne schlagen, führt sie direkt ins Loccum des 17. Jahrhunderts, als nämlich Abt Stracke ein Mädchen schwängerte – ähnlich, wie es seinerzeit bei Goethe der Faust mit Gretchen tat. Zur Hochzeit kam es in der realen Geschichte ebenso wenig wie in der fiktiven. Dass es der jungen Loccumerin dennoch besser erging und ihr Kind immerhin vom Vater anerkannt und mit weltlichen Gütern versorgt wurde, hat der Theaterkursus fein herausgearbeitet und in Szene gesetzt.
Es sollte nicht die einzige Liebesgeschichte sein, die die Jugendlichen auf die Bühne brachten. „Loccumer Geschichten von der Liebe“ haben sie ihre Szenencollage genannt. Manche Liebschaften endeten glücklich, andere tragisch – mit dem Tod. Kichern mussten aber dennoch manche Gäste im Publikum, als der „Kopf“ der Mörderin aus Liebe über die Bühne rollte.
Zum fünften Mal schon haben die Theaterpädagogen Hans Zimmer und Inga Kolbeinsson einen Kursus der „JuniorAkademie“ in Loccum geleitet und innerhalb einer Woche mit einer Gruppe ein Stück geschrieben, entwickelt und einstudiert. So wie sie fühlen sich auch andere Gruppenleiter mittlerweile fast zu Hause in der Heimvolkshochschule, wenn sie wieder für eine Herbstferienwoche dort ein Zimmer beziehen. Etwa bei den „Philosophen“ unter Arnd Hüneke und Florian Schürmann, die in diesem Jahr einen philosophischen, psychologischen und soziologischen Blick auf Massenphänomene gewagt haben. Ein neues Team bei den Naturwissenschaftlern hat das Moor erneut zu seinem Kernthema gemacht. „LandArt“ am Beispiel der Loccumer Zisterziensermönche und Brückenbauwerke, die aus Nudeln gebaut werden und erstaunliche Belastbarkeiten an den Tag legen, haben weitere Jugendliche in ihren Kursen beschäftigt.
Um was es aber eigentlich ging, unabhängig von den spezifischen Kursthemen, das ist wieder das Fördern und Fordern von jungen Menschen mit besonderen Begabungen und Talenten gewesen. Lange vor 8 Uhr hätten die Tage mit Arbeit begonnen und weit nach 20 Uhr erst mit Arbeit geendet, sagte Berbel Unruh, Direktorin der Heimvolkshochschule, in ihrer Ansprache zur Abschlusspräsentation der Akademie. Ausdauer, Ehrgeiz, Disziplin und Eifer hätten die Jugendlichen gezeigt und in dieser Woche ihren Drang ausgelebt, zwischen und hinter die Dinge zu schauen. Begeistert und beeindruckt sei sie von dem, was die Jugendlichen innerhalb einer Woche geschafft hätten, sagte Unruh – so erging es auch den Gästen nach den Stunden, in denen ihnen die Ergebnisse präsentiert wurden.

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