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Einsatz für Flora und Fauna

ÖSSM-Chef berichtet Einsatz für Flora und Fauna

In der teilweise neu gestalteten Ausstellung der Ökologischen Schutzstation Steinhuder Meer (ÖSSM) können Besucher ab sofort ein ausgestopftes Seeadlerweibchen besichtigen. Ein Jäger hat das Tier in der Nähe einer Windkraftanlage entdeckt.

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Vom Windrad getötet: Dieses Seeadlerweibchen hatte gegen die bis zu 200 Stundenkilometer schnellen Rotoren keine Chance. Der Rintelner Biologe Thomas Brandt hat es ausstopfen lassen. 

Quelle: wm

Rinteln/Rehburg. Der linke Flügel des Vogels war abgerissen, wie ÖSSM-Chef Thomas Brandt berichtet. Auf die Nachfrage, ob Vögel nicht in der Lage seien, die nicht gerade kleinen Rotoren einer Windkraftanlage zu erkennen, antwortet der Rintelner Biologe: „Nein.“ Das Problem liege nach Angaben des Naturschutzexperten woanders. Die Blattspitzen der Rotoren sind bei Windstärke fünf bis sechs bis zu 200 Stundenkilometer schnell. „Da hat kein Vogel eine Chance.“ Im engen Wesertalkorridor bei Westendorf, wo Windräder geplant sind, werde es erst recht gefährlich für die Tiere.

Vögel seien sonst eigentlich durchaus in der Lage, sich in einer Kulturlandschaft zurechtzufinden. Brandt nennt zwei Beispiele: In Hohenrode lassen sie Muscheln aus großer Höhe auf die Steinplatten des Stichweges fallen, damit diese aufplatzen.     Und Rabenvögel sind schon dabei beobachtet worden, wie sie vor einer roten Ampel Nüsse vor die Reifen der Autos gelegt haben, gibt Brandt wieder.

Ein außergewöhnlicher Brutplatz

Dafür ist dem ÖSSM-Chef ein Rätsel, warum sich die Hohenroder Seealder ausgerechnet den Baum im Wald für ein Nest ausgesucht haben: „Das ist schon ein außergewöhnlicher Brutplatz. Da würde man eher einen Schwarzstorch vermuten.“ Der Seeadler müsse für seinen Nachwuchs den Fisch immerhin 200 Meter hoch zum Horst bringen. Das sei schon eine Leistung, betont Brandt, denn Seeadlerjunge sind immer hungrig.

Einrichtungsleiter Brandt ist gebürtiger Rintelner, hat am Gymnasium Ernestinum sein Abitur gemacht, in jungen Jahren dann dem damaligen Stadtdirektor Heinrich Büthe den ersten eigenen Raum für die Nabu-Gruppe in Rinteln abgeschwatzt. Und Biologe, erzählt Brandt, habe er schon als Junge werden wollen: „Meine Mutter machte immer Leibesvisitation, wenn ich nach Hause kam, weil ich die Taschen voller Tiere und Pflanzen hatte.“

Leitung ist ein "Traumjob"

Heute habe er als Biologe, als wissenschaftlicher Leiter der Schutzstation ohne Zweifel schon einen „Traumjob“, denn dieser bietet ihm die Chance, Naturschutz ganz praktisch umzusetzen. Es ist eine stattliche Erfolgsliste, auf die Brandt und seine Mitarbeiter am Steinhuder Meer, in Rinteln, im Auetal, im Nordkreis inzwischen verweisen können: Seeadler, Laubfrosch, Sumpfschildkröte, Nerze, Uhu, Eisvogel, Fischotter, Gelbbauchunke, um nur einige gefährdete Tierarten zu nennen, sind in der Region wieder angesiedelt worden. Brandt ist da Realist: „Ohne Geld geht das nicht. Aber wir zeigen mit diesen Projekten, dass, wenn man Geld in die Hand nimmt, auch etwas gelingen kann.“

Brandt, unter Biologen auch bekannt als Autor zahlreicher Fachbücher, macht wie allen Biologen aktuell der rasante Wandel in der Landwirtschaft Sorgen – konkret die Großtechnik und die Vermaisung der Landschaft. Biogasanlagen seien eigentlich eine gute Idee gewesen. Aber vielleicht, sagt Brandt, hätte man besser noch ein paar Jahre an der Technik forschen und sich die Konsequenzen überlegen sollen. Und dann ist es der Tourismus, sind es die angesagten Freizeitaktivitäten am Steinhuder Meer wie Skysurfen und Drachenfliegen, die Brandt Sorgen machen: „Wir müssen da Regeln entwickeln.“

"Birdwatcher" aus Holland und England

Immerhin habe man begriffen, dass Ökotourismus auch Besucher ans Steinhuder Meer bringt, die die Saison in den März und Oktober verlängern. Sogenannte „Birdwatcher“, die vor allem aus Holland und England kommen: „Die sind ganz verrückt darauf. Naturbeobachtung hat in beiden Ländern einen ganz anderen Stellenwert als bei uns.“ Bei der ÖSSM hat man sich darauf eingestellt. die Vogelbeobachter können sich im Internet anschauen, wo es wann welche Vögel zu beobachten gibt. Für das Fischadlernest gibt es eine Webcam und einen Beobachtungsblog unter www.natur-steinhuder-meer.de, wo Besucher sich austauschen können.

Stichwort Genpool: Ob Brandt sich vorstellen kann, dass demnächst wieder Mammuts durch Sibirien stapfen, woran zurzeit russische Forscher arbeiten? „Wir sind viel näher dran, als wir glauben“, sagt Brandt, aber bei ihm bleibe ein zwiespältiges Gefühl. Das seien schließlich Tiere aus einer ganz anderen Zeit; die Erde, die Luft, alles war damals anders. Beim Naturschutz heute sei es eher wichtig, Artenvielfalt in einer Kulturlandschaft zu erhalten – und das sei schon schwierig genug. wm

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