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Stadt Rehburg-Loccum Erinnerungen an die Familie Freundlich
Erinnerungen an die Familie Freundlich
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00:24 09.10.2014
Verbeugung vor den Steinen für sich und ihre Familie: Paula Calder mit ihrer Tochter nach der Stolperstein-Verlegung. Quelle: ade
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Rehburg-Loccum

„Es hat meiner Mutter so viel bedeutet, die Hand ihrer Mutter wieder halten zu können. Zuletzt hat sie das vor 75 Jahren getan“, sagt Kurt Calder-Freundlich. Die Hand, die seine Mutter – Paula Calder, geborene Freundlich - gehalten hat, ist die der Figur, die in der Ausstellung zu Verfolgten des Nationalsozialismus in der Romantik Bad Rehburg steht – eine Silhouette von Else Freundlich mit dem Judenstern auf der Brust, die eine Episode aus dem Leben dieser Bad Rehburger Jüdin erzählt. Im Park der Romantik steht eine weitere Silhouette – dieses Mal von Paula Freundlich selbst. Sie, als 13-Jährige. Mit dem Koffer in einer Hand winkt sie ihrer Familie noch einmal zu, bevor sie mit einem Kindertransport nach England fährt. Ihre Familie sah sie nie wieder. Ihre Eltern und die fünf Geschwister fielen dem Holocaust zum Opfer.

 Nun ist sie zurückgekommen für einen Besuch, gemeinsam mit dreien ihrer Kinder und drei Enkeln, um bei der Ausstellungseröffnung dabei zu sein, dabei zu sein, wenn für sie und ihre Familie Stolpersteine im Pflaster vor dem Haus verlegt werden, in dem sie ihre Kindheit verbrachte. Und um die Menschen kennen zu lernen, die sich in Rehburg-Loccum dafür einsetzten, dass bleibende Erinnerungen an ihre Familie und andere jüdische Mitbürger in die Stadt kommen.

 13 Stolpersteine hat der Künstler Gunter Demnig in Rehburg und Bad Rehburg verlegt, vor vier Häusern, in denen Juden lebten, die Opfer der Nazis wurden. In dieser Vielzahl an Leid, an das er erinnern machen wolle, seien die acht Steine für die Familie Freundlich etwas Besonderes für ihn gewesen. Besonders auch, weil Paula Freundlich bei der Verlegung des Steins für sich selbst dabei gewesen sei und besonders, wegen der großen Anteilnahme der Bevölkerung und des stimmigen, würdigen Rahmens, in den der Arbeitskreis die Verlegung gebettet habe.

 Zwei Elemente sind in den zahlreichen Reden und Ansprachen immer wieder zum Ausdruck gebracht worden. Das eine bezieht sich auf den Titel der Ausstellung „Sie waren Nachbarn“. Menschen, die heute noch Nachbarn sein könnten, wenn sie nicht verfolgt worden wären, geflüchtet, deportiert oder ermordet. Was darüber hinaus wurde, fasste Kurt Calder-Freundlich in einer kurzen Ansprache treffend zusammen: die Bedeutung solcher Initiativen für Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft: „Menschen, die sich kümmern, helfen uns, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen, helfen uns, das Beste aus unserer Gegenwart zu machen und helfen uns, eine bessere Zukunft für unsere Kinder zu gestalten.“ ade

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