Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 8 ° Regenschauer

Navigation:
„Opfern der Hexenprozesse ist ein großes Unrecht widerfahren“

Rehburg-Loccum / Stiftsbezirk „Opfern der Hexenprozesse ist ein großes Unrecht widerfahren“

Rund 400 Jahre liegen die Hexenverfolgungen im Loccumer Stiftsbezirk zurück. Jetzt hat der Rat der Stadt Rehburg-Loccum einstimmig erklärt, dass den damaligen Opfern großes Unrecht widerfahren ist.

Voriger Artikel
„Schwarze Null“ ist kleine Hoffnung
Nächster Artikel
Tauziehen um Eckgrundstücke

Der Weg im Hintergrund, der zum ehemaligen „Hexenbrennplatz“ führt, soll Gesche-Köllars-Weg genannt werden. Hier wird er von Teilnehmern der Tagung zu den Hexenprozessen – in der Mitte Abt Horst Hirschler – besucht.

Quelle: ade

Von Beate Ney-Janssen

Rehburg-Loccum. Genau genommen seien die Gerichte die Rechtsnachfolger derjenigen, die seinerzeit die sogenannten Hexenprozesse durchgeführt hätten, erklärte Rehburg-Loccums Bürgermeister Martin Franke während der jüngsten Ratssitzung. Das solle aber nur ein Einwand am Rande sein, die Stadt wolle sich dennoch mit diesem Thema beschäftigen und habe deshalb in einem Beschlussvorschlag formuliert, dass „den Opfern der Loccumer Hexenprozesse ein großes Unrecht widerfahren und ihnen unvorstellbares Leid zugefügt worden ist“.

 Einerseits solle dieses der sozialethischen Rehabilitation und Wiederherstellung der Würde der Opfer dienen und andererseits für heutige Generationen Mahnung sein, Menschen nicht durch Feindseligkeiten, Vorurteile, Gerüchte und Verdächtigungen gesellschaftlicher Ächtung und Ausgrenzung oder psychischer und physischer Gewalt auszusetzen.

 Insbesondere Letzteres, also die Ächtung durch Ausgrenzung und Gewalt, sei der Grund gewesen, weshalb die Verwaltung diesen Vorschlag formuliert habe, sagte Franke. Hintergrund der Erklärung sind die Prozesse, die das Kloster Loccum im 17. Jahrhundert gegen „Hexen“ führte – von 33 Prozessen, die mit einer Verurteilung zum Tode führten, sind im Kloster die Prozessakten noch vorhanden. Bei den Veranstaltungen zum Jubiläum des Klosters gab es vor einigen Monaten eine Tagung zu diesem Thema, die zu manchen Irritationen führte. Insbesondere die Frage, ob das Kloster seinerzeit zu Recht und nach gängiger Rechtsprechung als kirchliche und weltliche Instanz die Prozesse führte, stand damals im Mittelpunkt.

 Unterdessen gingen bei der Stadt zwei Anträge auf Rehabilitierung der „Hexen“ ein – einer von der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen, der andere von Hartmut Hegeler, einem Pastor im Ruhestand, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, in vielen kommunalen und kirchlichen Einrichtungen bundesweit für die Belange der Opfer der Hexenverfolgungen einzutreten.

 Dem Ansinnen Hegelers, einen Gedenkstein oder eine Gedenktafel seitens der Stadt aufstellen zu lassen, wollte der Rat nicht folgen, dem Antrag der Grünen gab er aber statt. Auch nahm der Rat in seinen Beschluss auf, dass er die Benennung des Weges zum ehemaligen Hexen-Brennplatz in „Gesche-Köllars-Weg“ ausdrücklich begrüßt. Gesche Köllars ist 1660 das letzte Opfer der Loccumer Verfolgungen gewesen. Diesen Vorschlag hatte Loccums Abt Horst Hirschler unterbreitet und hinzugefügt, dass eine kleine Dokumentation zur Erläuterung dessen, was damals geschah, angefertigt werden solle.

 Mit der Verurteilung der damaligen Prozesse ist das Thema „Hexen“ in Rehburg-Loccum aber noch nicht vom Tisch. Zwischenzeitlich haben einige Interessierte sich zu einem Arbeitskreis zusammengefunden, der gemeinsam mit der Evangelischen Heimvolkshochschule Loccum eine Veranstaltungs- und Informationsreihe für das erste Quartal 2014 vorbereitet. Ziel des Kreises ist es, Geschichtliches aufzuarbeiten und womöglich Handlungsempfehlungen zu erarbeiten – auch im Hinblick auf das, was heutzutage Hexenverfolgungen gleich kommen könne.

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

Tauchen Sie ein in ca. 33° warme Natursole, angereichert mit Inhaltsstoffen aus vielen Gesteinsschichten. Fühlen Sie sich wohl, lassen Sie sich in diesem Energiemeer treiben, entspannen Sie und lassen Sie positiven Gedanken freien Raum. mehr