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Barsinghausen Alltag von Heimkindern hat sich sehr verändert
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13:52 05.11.2018
Waldhof-Leiter Dietmar Bolte führt die Gäste und Autorin Mechtild Borrmann (mitte) durch den Waldhof. Quelle: Lisa Malecha
Barsinghausen

Der Alltag von Heimkindern hat sich im Laufe der vergangenen Jahrzehnte sehr verändert – das konnten nun auch die Besucher des Waldhofs erfahren, die zur Führung durch das Kinder- und Jugendheim kamen.

Mechtild Borrmann liest im Waldhof aus ihrem Roman "Grenzgänger". Quelle: Lisa Malecha

Anlass für die Führung durch den Waldhof war die Lesung von Mechtild Borrmann, die sich an den Gang durch das Gebäude anschloss. Ihr sozialkritischer Roman „Grenzgänger“ erzählt vom Schicksal von Heimkindern in den 1950er- und 1960er-Jahren. „Das Lesen des Romans ist mir nicht leicht gefallen“, sagt Bolte. „Es ist gruselig, wie mit jungen Menschen umgegangen wurde.“ Erschreckend sei für ihn auch, dass auch er sich noch an andere Zeiten erinnert. „Ich kenne auch noch die Zeiten, in denen es in einigen Einrichtungen noch ganz normal war, dass den Betreuern die Hand ausrutschte“, sagt er und ergänzt: „Diese Zeiten sind glücklicherweise vorbei.“ Doch das sei ein weiter Weg gewesen.

„Als das Heim, damals noch als Kreiskinderheim des Landkreises, 1967 den Betrieb aufnahm, waren hier noch 100 Kinder in Vierbettzimmern untergebracht“, sagt Waldhof-Leiter Dietmar Bolte. 24 Kinder und Jugendliche teilten sich ein Haus. So etwas sei heute glücklicherweise nicht mehr vorstellbar. Aktuell leben 40 bis 50 Kinder stationär in der Einrichtung. „Jedes Kind hat ein eigenes Zimmer“, sagt er. Zudem seien nie mehr als zehn Kinder und Jugendliche in einem Haus untergebracht.

In der Außenstelle in Wunstorf wohnen weitere 30 Bewohner. Hinzu kommen viele Jugendliche, die ambulant betreut werden. Insgesamt unterstützen die rund 150 Mitarbeiter knapp 200 Kinder und Jugendliche, deren Familiensituation schwierig ist.

Das Kinder- und Jugendheim hat auch eine eigene, kleine Bücherei. Quelle: Lisa Malecha

Ihm und seinen Mitarbeitern sei eine individuelle Betreuung ungemein wichtig, betonte der Heimleiter. Die Kinder, die im Waldhof leben, sind alle älter als sechs Jahre und haben teilweise schreckliche Erfahrungen in ihren jungen Jahren gemacht. „In Notfällen – beispielsweise um Geschwister nicht zu trennen – nehmen wir auch mal jüngere Kinder auf“, sagt Bolte. Zwei Gruppen mit jeweils zehn Personen leben fest im Waldhof. „Für einige ist der Waldhof ihr zuhause, sie leben seit zehn Jahren hier“, sagt er.

Daher wird sehr viel Wert darauf gelegt, dass sich die jungen Menschen heimisch fühlen. „Die Zimmer sind sehr individuell gestaltet, jeder darf selbstverständlich Besuch mit her bringen und auch Haustiere sind erlaubt.“ Neben den Häusern für feste Gruppen werden zwei Häuser für die sogenannte Inobhutnahme freigehalten. „Also Gruppen für Kinder, die kurzfristig aus ihren Häusern geholt werden müssen, aber meist nur einige Tage bis maximal einige Monate bei uns bleiben, bis sie zurück zu ihren Familien, in eine feste Gruppe oder aber in eine andere Einrichtung kommen.“

Im Waldhof setze man zudem auf zahlreiche Aktivitäten. „Wir bieten alles vom Kanu-Fahren bis hin zu Kunst-Workhops an“, sagt er. Denn viele der Kinder müssten erst lernen, wie man im Team arbeitet und wie man sich friedlich ergänzt. „Die Angebote sind alle freiwillig, aber jedes Kind muss sie zumindest ein Mal ausprobieren.“ Außerdem beschäftigt der Waldhof zwei Lehrkräfte, die Nachhilfe geben oder Jugendliche, die eigentlich schon ausgeschult sind, unterrichten. Auch gutes Benehmen und Leistungen werden belohnt: „Wer immer zur Schule geht, aufräumt und ähnliches, der bekommt auch mehr Freiräume“, sagt er. Zudem werde eng mit den Familien zusammengearbeitet, etwa mit Therapeuten. Auch gibt es Projekte für Schulverweigerer, ein Führerscheinprojekt und es wird ein betreutes Jugendwohnen angeboten.

Auch wenn Bolte auf eine fast durchweg positive Entwicklung bei der Jugendhilfe zurückblickt, so hat er doch einen großen Kritikpunkt: „Es wird heute zu lange gewartet, bis etwas unternommen wird.“ Natürlich sei es wünschenswert, Kinder in ihren Familien zu lassen. „Aber wenn sich Richter scheuen Kinder von ihren Familien zu trennen und diese dann in ein Haus zurückschicken wo sie im schlimmsten Fall misshandelt werden oder sogar sterben, dann läuft etwas gewaltig falsch.“

Von Lisa Malecha

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