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Barsinghausen Gibt es im Deister Wölfe?
Aus der Region Region Hannover Barsinghausen Gibt es im Deister Wölfe?
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20:42 08.02.2019
Kann man auch im Deister einem Wolf begegnen? Ja, sagen die Experten –auch wenn die Wahrscheinlichkeit gering ist. Quelle: dpa (Symbolbild)
Barsinghausen/Wennigsen/Springe

Der Wolf sorgt derzeit wieder für reichlich Diskussionen – auch in der Region Hannover. Unter anderem hat vor einigen Tagen das Landes-Umweltministerium einen Rüden des Rodewalder Rudels bei Neustadt zum Abschuss freigegeben. Der Leitwolf ist nachweislich für 40 getötete Nutztiere verantwortlich. Doch wie sieht es im Calenberger Land aus?

Auch im Deister sehen immer wieder Menschen den grauen Zuwanderer – oder meinen zumindest, ihn gesehen zu haben. Doch lebt der Wolf auch bei uns? Jein, ist die Antwort der Experten. Wie das sein kann?

Kein Rudel am Deister beheimatet

„Prinzipiell kann der Wolf natürlich im Deister auftreten“, sagt Constantin von Waldthausen, Betriebsleiter der Klosterforsten Hannover und dem stimmt auch Werner Burose, Vorsitzender der Jägerschaft Hannover Land zu. Beobachtungen seien allerdings selten, immerhin sei der Wolf ein scheues Tier – aber es gibt sie eben, auch wenn laut Niedersächsischem Umweltministerium derzeit kein Rudel im Deister lebt.

Immer wieder wollen Menschen im Calenberger Land Wölfe gesehen haben. Quelle: dpa (Symbolbild)

Das heißt aber noch lange nicht, dass der Wolf nicht durch den Deister streift. „Denn der Wolf kann weite Strecken zurücklegen“, sagt von Waldthausen. Zudem gibt es durchaus ernst zu nehmende Begegnungen zwischen Deister und Süntel mit dem grauen Zuwanderer aus dem Osten. So war erst im vergangenen Herbst ein Wolf beim Überqueren eines Grenzwegs zwischen Landesforst und Klosterforst, Revierteil Barsinghausen, gesehen und den Forstbeamten gemeldet worden. Bereits aus dem Sommer 2015 stammt die Sichtung eines Wolfes in der Nähe des Waldfriedhofs Wennigser Mark durch einen Jäger.

Und dennoch sagt unter anderem die Pressestelle der Niedersächsischen Landesforsten: „Es gibt aktuelle keine Hinweise, dass sich Wölfe oder ein Wolf im Deister aufhalten.“ Einen Wolf wirklich zu Gesicht zu bekommen, sei aber auch wie ein Sechser im Lotto, sagt die Wolfsberaterin Nina Graupner.

Spaziergänger sind nicht bedroht

Daher warnen die Experten vor Panikmache: Es sei erwiesen, dass Menschen den Wolf eher sehen wollen, als ihn wirklich zu sehen, sagt von Waldthausen. „Es ist nun mal nicht ganz einfach, einen Wolf von einem Haushund zu unterscheiden.“ Bei den Jagden im Deister habe er bisher keinen Wolf gesehen, das heißt aber nicht, dass er nicht da ist.

Der Wolf kommt immer näher an menschliche Behausungen - auch in Niedersachsen. Nicht zuletzt deshalb will das Umweltministerium in Hannover das Füttern von wilden Wölfen verbieten. Quelle: Wiesentgehege (Archiv)

Ist der Deister also Wolfsgebiet? „Ja“, sagt Revierleiter Thomas Seel-Schwarze von der Knigge’schen Forstverwaltung. Zwar sei es richtig, dass die Tiere nicht dauerhaft im Deister leben, aber sie laufen durch. „Der Deister ist dem Wolf an und für sich einfach zu unruhig, weil dort zu viele Menschen unterwegs sind“, sagt er. Daher sehe man hier eher junge Tiere, die sich von ihrem Rudel abtrennen und auf Wanderschaft gehen. „Das heißt aber auch, dass die Tiere bei uns verspielt sind und eine ausgeprägte jugendliche Neugier haben“, sagt Seel-Schwarze. Sie würden also bei einer Begegnung auch stehen bleiben und Menschen beobachten.

Mensch gehört nicht zum Beutespektrum

„Wir gehören aber nicht zum Beutespektrum, man kann also ganz normal im Deister spazieren gehen, ohne Angst zu haben.“ Dem kann auch von Waldthausen nur zustimmen: „Der Wolf hat zwei wesentliche Eigenschaften: Er ist scheu und neugierig.“ Die Scheu bewahre ihm das Leben, sagt er. Denn der Mensch sei dem Wolf schon immer feindlich gesonnen gewesen. „Das sieht man ja schon an den Märchen wie Rotkäppchen und der böse Wolf“, sagt von Waldthausen.

Was tun, wenn man einem Wolf begegnet?

Wenn man einem Wolf begegnen, sollte man Ruhe bewahren, raten die Experten. Sobald der Wolf den Menschen bemerkt, zieht er sich in der Regel zurück –denn Wölfe sind vorsichtige Tiere. Auf keinen Fall sollte man sich einem Wolf annähern, der ein Tier gerissen hat. Wolfswelpen sind allerdings neugierig und agieren oft weniger vorsichtig als erwachsene Tiere, manchmal sogar dreist. Wer sich unwohl fühlt, der sollte such durch Reden, Rufen und Klatschen bemerkbar machen und dem Wolf durch beherztes Auftreten zeigen, dass man die Situation unter Kontrolle hat. Währenddessen sollte man sich langsam und ruhig entfernen, immer mit dem Gesicht zum Wolf. Die Experten raten: „Laufen Sie nicht weg, denn das kann Verfolgung auslösen. Sollte sich Ihnen der Wolf dennoch nähern, gehen Sie mit Bestimmtheit auf ihn zu und werfen Sie mit Steinen oder Stöcken nach ihm.“

Von sich aus würde das Tier den Menschen nicht angreifen. Das passiere nur, wenn sich der Wolf bedroht fühlt. „Etwa wenn ein Jagdhund und der Wolf zum selben erlegten Tier gehen oder wenn die Wölfin Junge hat“, sagt er. Man sollte sich dem Tier dennoch nie aktiv annähern. Außerdem sei der Wolf klug, lerne, die Nähe des Menschen zu akzeptieren, wenn er beispielsweise angefüttert wird. Er bittet zudem darum, dass Spaziergänger ihre Hunde nicht frei im Deister herumlaufen lassen, da der Vierbeiner auch neugierig ist und es so zu unangenehmen Begegnungen kommen könnte.

Wolf hat Auswirkungen auf Forst

Wenn auch für den Spaziergänger alles beim alten bleibt, so ändere sich für die Förster einiges, sagt Seel-Schwarze: „Das Verhalten der Beutetiere, wie etwa Rotwild, ist anders.“ Die Tiere würden heimlicher, vorsichtiger und aufmerksamer. „Das kann man schon jetzt wahrnehmen“, sagt er. Zudem neigen Tiere, die sich bedroht fühlen, dazu, größere Rudel zu bilden. „Das führt allerdings auch dazu, dass dort, wo sie verweilen, mehr Schäden entstehen“, sagt er. Das könne mitunter enorme Auswirkungen auf den Wald haben.

Dass der Deister allerdings ohnehin zu klein für den Wolf sei, ist ein Gerücht, sagt Wolfsberaterin Nina Graupner. „Der Wolf braucht kein festes Waldgebiet sondern einen Schlafplatz und Futter“, sagt die Expertin. „Er könnte also durchaus im Deister und den umliegenden Gebieten leben.“ Allerdings habe sie seit Dezember von keinen aktuellen Sichtungen gehört. Graupner bittet jeden, der meint, einen Wolf gesehen zu haben, das zu melden. „Entweder direkt online oder bei den Wolfsberatern. Nur so können wir reagieren und beispielsweise Kameras aufstellen.“

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Von Lisa Malecha

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