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Barsinghausen Getötete Frauen: Bürger werden aktiv
Aus der Region Region Hannover Barsinghausen Getötete Frauen: Bürger werden aktiv
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00:18 23.06.2018
Die kleine Erinnerungsstätte an die getötete 16-jährige Anna vor der Adolf-Grimme-Schule wächst. Immer wieder bleiben Passanten im Gedenken an die Schülerin stehen. Quelle: Andreas Kannegießer
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Barsinghausen

Drei Tage nach dem gewaltsamen Tod der 16-jährigen Schülerin Anna-Lena sind Trauer, Wut und auch Verunsicherung bei vielen Bürgern weiterhin groß. Barsinghausens Bürgermeister Marc Lahmann betont, dass es sich bei dem verhafteten Tatverdächtigen nicht um einen Flüchtling handelt, obwohl er in einer kombinierten Unterkunft der Stadt für Asylbewerber und Obdachlose gewohnt hat. „Er ist von uns obdachlosenrechtlich untergebracht worden“, sagt Lahmann. Der Mann habe die deutsche und dominikanische Staatsbürgerschaft und lebe bereits seit fast 20 Jahren in Deutschland. Vor allem in den sozialen Medien waren vermehrt Gerüchte und Unwahrheiten über den Tatverdächtigen und dessen Herkunft verbreitet worden. Wie andere Behörden, so sei auch die Stadtverwaltung bemüht, allen gegenteiligen Gerüchten gegenzusteuern. Lahmann lobt den schnellen Ermittlungserfolg der Polizei. „Da ist sehr gute Arbeit geleistet worden.“

Bürger wollen Augen auf halten

Zudem herrscht nach dem Tod der 16-Jährigen und dem von Veronika B. einige Wochen zuvor eine zunehmend Unsicherheit – vor allem Frauen fürchten sich, nachts alleine unterwegs zu sein. Zahlreiche Barsinghäuser und Bewohner benachbarter Kommunen wollen nun für mehr Sicherheit sorgen –unter anderem durch einen privaten Fahrdienst aber auch durch die Facebook-Gruppe „Barsinghausen – Augen auf, wer hilft“. Es gehe darum, „in den Zeiten, wo keine Bahn, wo kein Stadtbus fährt, spazieren zu gehen, die Augen aufzuhalten und bei genau solchen Sachen Erste Hilfe zu leisten und die Polizei anzurufen,“ schreibt der Gründer und betont: „Das soll keine Selbstjustiz werden. Es geht einfach darum, ein Ohr sowie ein Auge zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu haben.“ Dank der zukünftigen Mitgliedern dieser Gruppe könnte einiges Verhindert werden, ist sich der Nutzer sicher. Wenn Bürger die Augen aufhalten, dann sei das in erster Linie immer gut, sagt Polizei-Pressesprecher Mirco Nowak. „Allerdings sollte sich niemand selbst in Gefahr bringen und auch keine Selbstjustiz ausüben.“

Wunstorferin bietet Fahrdienst an

Auch im weiteren Umland wird auf die Morde reagiert. Die Wunstorferin Hanna Fichtelmann bietet sich selbst und ihr Auto für Notfälle an, der Beitrag endet mit ihrer Handynummer. „Es ist für Mädels und junge Frauen gedacht, die kein Taxigeld mehr haben, damit sie sich nicht hilflos fühlen“, sagt die 33-jährige Mutter, die junge Frauen im Umkreis von rund 10 Kilometern um Wunstorf herum abholen will. Fichtelmann wuchs selbst in Barsinghausen auf und lief als Jugendliche oft allein nach Hause. „Die Nachrichten haben mich mitgenommen und ich wollte aktiv helfen“, sagt sie. Die Resonanz auf ihren Facebook-Post sei immens. Im Moment versucht die 33-Jährige, alles zu sortieren. „Ich bekomme seitdem ständig Anrufe“, sagt Fichtelmann. Viele wollen sich ebenfalls als Fahrerinnen engagieren, andere bieten finanzielle Unterstützung an. Mittlerweile besteht das Team aus drei Müttern. Diese sind ab sofort über die (05031) 9 69 93 78 erreichbar. „Ich bin auch in Kontakt mit einigen Müttern aus Barsinghausen, die einen Fahrservice ins Leben rufen wollen“, sagt Fichtelmann. Bürgermeister Lahmann lobt die Idee eines selbst organisierten Fahrdienstes als eine von vielen denkbaren Möglichkeiten, die individuelle Sicherheit der Bürger zu erhöhen. „Das finde ich gut“, sagt er. Allerdings müssten die Anbieter derartiger Dienste überprüft werden. Die Polizei hingegen spricht sich eher für kleinere Fahrgemeinschaften von Bekannten aus. „Wir empfehlen, dass sich Eltern und Bekannte aus Sportvereinen oder der Schule zusammentun und sich absprechen, wer wann die Kinder fährt“, sagt Nowak.

Apps und Hotline geben Gefühl von Sicherheit

Zudem gibt es noch viele weitere Apps und Angebote, die für eine sicheres Gefühl beim Heimweg sorgen sollen. Unter anderem wird bundesweit das „Heimwegtelefon“ angeboten. Unter der Nummer (030) 120 741 82 erreichen Anrufer jeweils sonntags bis donnerstags von 20 bis 24 Uhr sowie freitags und sonnabends von 22 bis 4 Uhr ehrenamtliche Helfer, die sie telefonisch beim Heimweg begleiten. „Durch ein nettes Gespräch hat der Anrufer das Gefühl, nicht alleine nach Hause zu gehen.“ Auch zahlreiche Apps wie „Komm gut Heim“, „EnCourage“, „Wayguard“ und viele mehr wurden extra dafür entwickelt, damit sich Menschen alleine sicherer fühlen. Die meisten dieser Apps bestimmen den Standort der Nutzer und haben Notfall-Knöpfe, die direkt mit der Polizei oder aber mit in der App angegebenen Freunden verbunden sind. Außerdem bietet Regiobus ein Ruftaxi an, das Barsinghäuser von den Haltestellen in den Stadtteilen Barrigsen, Bantorf, Hohenbostel, Holtensen, Wichtringhausen und Winninghausen zu den Haltestellen Volkers Hof und Bahnhof in Barsinghausen und zurück fährt.

Keine neuen Hinweise im Fall Veronika P.

Von Andreas Kannegießer und Lisa Malecha

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