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Burgdorf „Die Zuschauer werden immer dreister“
Aus der Region Region Hannover Burgdorf „Die Zuschauer werden immer dreister“
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13:26 30.12.2018
Im Gespräch: Stadtbrandmeister Dennis Frederik Heuer. Quelle: Dennis Heuer
Burgdorf

Seit zwei Jahren wirkt Dennis Heuer als Stadtbrandmeister. Über das vergangene Jahr und die anstehenden Aufgaben spricht er mit Redaktionsleiterin Antje Bismark.

Im März 2019 legt erstmals eine externe Firma den Feuerwehrbedarfsplan vor. Mit welchen Ergebnissen rechnen Sie?

Noch liegen mir die Ergebnisse nicht vor – ebenso wenig wie den Politikern. Deshalb bin ich auf die Vorschläge der externen Firma gespannt und darauf, ob sie komplett neue Ideen beinhalten oder auf unserem Bedarfsplan aufbauen. Den haben ja bisher Mitarbeiter der Verwaltung geschrieben. In beiden Fällen bilden unsere Daten zu Mitgliedern und Anfahrtszeiten oder Geräten und Fahrzeugen die Basis. Es zeichnet sich aber jetzt schon die Erkenntnis ab, dass einige Gerätehäuser für Einsätze eher ungünstig liegen.

Welche haben Sie im Blick?

Das gilt zum Beispiel für Burgdorf: Die Feuerwache befindet sich im Norden der Stadt, deshalb muss überlegt werden, ob das Gerätehaus für Hülptingsen einmal so gebaut wird, dass die Einsatzkräfte von dort schneller in die Südstadt gelangen und so die Anfahrtszeiten reduzieren – die Feuerwehr Hülptingsen unterstützt schon jetzt bei Einsätzen in der Südstadt.

Gibt es denn schon einen Zeitplan für den Neubau in Hülptingsen?

Nein, obwohl schon vor 18 Monaten nach einer Besichtigung feststand, dass die Räume nicht ausreichen. Noch immer ziehen sich die Kameraden in der Halle um, für die Kameradinnen gibt es inzwischen eine mit einer Leichtbauwand abgetrennte Umkleide. Auch für Schillerslage fehlt der Zeitplan noch, weil wiederum Personal im Rathaus fehlt. Immerhin ist das Geld dafür im Etat eingestellt.

Burgdorf muss in den nächsten Jahren millionenschwere Schulprojekte stemmen. Fürchten Sie, dass die Feuerwehr unter möglichen Einsparungen leiden muss?

Zunächst zählt unsere Arbeit ja zu den Pflichtaufgaben einer Kommune, so dass wir Anspruch auf einen bestimmten Standard bei der Ausstattung haben. Aber natürlich blicke ich mit Sorge auf die hohen Ausgaben, die sicherlich alle gerechtfertigt sind. Denn unsere Aufgaben wachsen und werden immer umfangreicher – wir bringen unsere Freizeit und unser Wissen unentgeltlich ein, die Stadt muss dafür sorgen, dass wir vernünftig arbeiten können.

Wachsende Aufgaben erfordern mehr Einsatzkräfte. Fühlen Sie sich mit der Stadtfeuerwehr gut aufgestellt?

Wir haben in diesem Jahr 18 neue Kameraden aufnehmen können, davon mehr als die Hälfte als Quereinsteiger. Gleichwohl gehe ich davon aus, dass wir in einigen Jahren das Problem bekommen, zu wenige Aktive einsetzen zu können – auch wenn Aktive nach dem neuen Brandschutzgesetz jetzt bis zum 67. Lebensjahr eingesetzt werden können. Das verschiebt aber nur das Problem, dass wir sehr viele Ältere und sehr viele Jüngere haben. Der Mittelstand, also Menschen zwischen 45 und 55 Jahren, hingegen ist in einigen Ortsfeuerwehren unterrepräsentiert. Deshalb richten wir den Fokus neben der Jugendfeuerwehr auf Quereinsteiger, die im Beruf stehen und Familie haben und die wissen, worauf sie sich bei uns einlassen.

Gibt es Einsätze, deren Zahl deutlich zunimmt?

Das sind ganz klar die Türöffnungen bei hilflosen Personen: Zum einen, weil sich Menschen untereinander nicht mehr gut kennen und die Schlüssel nicht mehr beim Nachbarn hinterlegen. Und das zunehmend auch in den Ortschaften. Zum anderen alarmieren uns Mitarbeiter von Pflegediensten, wenn sie ihre Patienten nicht erreichen können. Auch sie haben oftmals keinen Schlüssel, sodass wir eingreifen müssen.

Diese Einsätze liegen ja meist am Tag. Reicht die Zahl der Aktiven dafür aus?

Wir haben bisher immer mindestens ein Fahrzeug mit sechs bis acht Rettern besetzt bekommen – diese Anzahl ist normalerweise ausreichend.

Landauf, landab mehren sich die Berichte von Einsatzkräften, die von Schaulustigen behindert werden. Wie sehen Ihre Erfahrungen für Burgdorf aus?

Ganz klar: Auch hier werden die Zuschauer dreister, das haben wir beim Brand des Försterhauses gesehen. Dort hatten wir den Gefahrenbereich mit Flatterband abgesperrt, und die Gaffer sind trotzdem durchgegangen. Solche Bereiche freizuhalten, bindet zunehmend Personal. Deshalb wünsche ich mir mehr Akzeptanz der Menschen für unsere Arbeit und das Bewusstsein, dass wir keine Berufsfeuerwehr sind. Uns fehlt zunehmend die Wertschätzung, umso wichtiger war aus meiner Sicht der von den Kirchen erstmals organisierte Blaulicht-Gottesdienst.

Beim Blick zurück: Sind Sie zufrieden mit dem Jahr 2018?

Ja, weil wir fast alle Einsätze unfallfrei gefahren haben. Dann macht mich die Truppmann-Ausbildung mit den 18 Absolventen stolz. Und es ist gut, dass die Stadt erstmals seit Jahren wieder ein Fahrsicherheitstraining organisiert hat. Das war eine Investition in die Sicherheit, gerade im Hinblick auf den tödlichen Unfall an der Gartenstraße, weil bei uns vielfach Menschen einen Lastwagen fahren, die sonst im Golf oder Polo unterwegs sind.

Und wie lautet Ihr Wunsch für 2019?

Eine breitere Unterstützung durch die Bevölkerung, zum Beispiel im Mai beim Tag der offenen Tür in Burgdorf und im Juni in Otze sowie bei den Stadtwettbewerben, die wir gemeinsam mit Sehnde austragen.

Die Feuerwehr in Zahlen

Die Feuerwehren gehören nach Aussage von Ordnungsamtschef Christian Enderle zu den originären Aufgaben einer Kommune – sie muss sich deshalb um die Ausstattung mit Fahrzeugen, technischen Geräten und Schutzkleidung der Einsatzkräfte kümmern sowie Investitionen in die Gerätehäuser planen. Eine Übersicht der wichtigsten Kenndaten der Feuerwehren im Stadtgebiet:

Mitglieder

In den vergangenen fünf Jahren stieg die Zahl der aktiven Feuerwehrleute im gesamten Stadtgebiet von 354 auf 388. Davon sind 325 Männer und 63 Frauen. Diesen Anstieg benötigt die Feuerwehr nach Aussage von Stadtbrandmeister Dennis Heuer, um die zunehmenden Aufgaben zu bewältigen. Zugleich aber benötigen mehr Mitglieder mehr Platz in den Gerätehäusern, der aber fehlt wegen veralteter Gebäude, beispielsweise in Hülptingsen. Die Kinderfeuerwehr zählt 75 Mitglieder, vor fünf Jahren waren es noch 27. In der Jugendfeuerwehr engagieren sich 61 Mitglieder, zehn mehr als 2013.

Feuerwehrbudget

Das Budget der Ortsfeuerwehren umfasst unter anderem Kosten für die Ausrüstung wie beispielsweise die Reparatur hydraulischer Geräte, für den laufenden Betrieb und für Investitionen bis 1000 Euro wie zum Beispiel Atemschutzmasken. Der Ansatz für 2018 betrug 222.700 Euro, im nächsten Jahr liegt er bei 250.600 Euro und 2020 bei 318.000 Euro. Für Anschaffungen über 1000 Euro standen in 2018 insgesamt 46.000 Euro zur Verfügung – im Etat 2019 finden sich 89.000 Euro und für 2020 dann 75.000 Euro.

Investitionen

Als größte Investition der nächsten Jahre gilt das Feuerwehrgerätehaus Schillerslage mit insgesamt 1,1 Millionen Euro. Geplant sind zudem der Kauf eines Tanklöschfahrzeug (305.000 Euro) und eines Hilfeleistungslöschfahrzeug (330.000 Euro) für die Ortsfeuerwehr Burgdorf. Die Ortsfeuerwehr Ramlingen-Ehlershausen erhält ebenfalls ein neues Hilfeleistungslöschfahrzeug (290.000 Euro) in 2020/21 und ein Tragkraftspritzenfahrzeug (150.000 Euro). Für die Stadtfeuerwehr sollen zudem ein Einsatzleitwagen (130.000 Euro) und ein Logistik-Gerätewagen (150.000 Euro), für die Ortsfeuerwehr Burgdorf ein Taucher-Gerätewagen (100.000 Euro) angeschafft werden. Die Einrichtung des Digitalfunks für die Einsatzkräfte ist mit 125.000 Euro veranschlagt.

Spenden

Seit Jahren werben die Feuerwehren nicht nur um aktive Mitglieder, sondern auch um Förderer und Spender – mit wachsendem Erfolg. Verbuchte die Stadt im Jahr 2011 noch nicht einmal 10.000 Euro an Spenden, so sind es in diesem Jahr mehr als 32.000 Euro.

Von Antje Bismark

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