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Burgdorf VHS: Behindertenklo ist nur vorgetäuscht
Aus der Region Region Hannover Burgdorf VHS: Behindertenklo ist nur vorgetäuscht
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00:20 19.09.2018
Das Symbol auf der Tür verspricht mehr, als der Raum dahinter zu bieten hat: Rollstuhlfahrer können das Behinderten-WC der Volkshochschule nicht nutzen. Quelle: Thomas Böger
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Burgdorf

Voller Stolz hatte die Volkshochschule Ostkreis Hannover (VHS) den Mitgliedern ihrer Verbandsversammlung kürzlich die neuen Räume im zweiten Obergeschoss des Gebäudes an der Bergstraße präsentiert – inklusive einer Behindertentoilette. Eine bewegungseingeschränkte Kursteilnehmerin hingegen ist enttäuscht von der Ausstattung des Sanitärraums. Für Rollstuhlfahrer ist er in jedem Fall nicht geeignet. VHS-Verwaltungsleiter Burkhard Langehein kündigte an, dass die kommunale Bildungseinrichtung mit dem Vermieter darüber reden werde.

Das WC ist zu niedrig, links und rechts davon ist zu wenig Platz, und Haltegriffe fehlen komplett. Quelle: Thomas Böger

Nach der DIN 18040-1 für WC-Anlagen in öffentlich zugänglichen Gebäuden, zu denen unter anderem Einrichtungen der Kultur und des Bildungswesens gehören, gibt es verschiedene Maßvorgaben von der Sitzhöhe über die Konstruktion der Stützhilfen bis zur Kniefreiheit unter dem Waschbecken. Im Fall der als behindertengerecht ausgeschilderten VHS-Toilette werden davon etliche nicht eingehalten: Der Sitz ist zu niedrig, das Waschbecken zu hoch. Die Seitenräume neben dem WC und vor dem Waschbecken sind zu schmal. Und Stützhilfen fehlen völlig.

Das Waschbecken ist zu hoch und bietet zu wenig Kniefreiheit. Quelle: Thomas Böger

Offensichtlich sollte ein Haltegriff an der Wand hinter dem WC montiert werden. Die oberen drei Dübel stecken bereits in der Mauer. Wo die unteren drei Schrauben hingehören, klafft ein Loch in den Fliesen, und eine freigelegte Wasserleitung ist mit einer Hülse geflickt. Doch der einfache, etwa 40 Zentimeter hohe Griff, der jetzt auf dem Fenstersims liegt, würde ohnehin nicht den DIN-Anforderungen entsprechen. In der vorgesehenen Position seitlich hinter dem WC-Nutzer wäre er für Behinderte auch kaum hilfreich. Rollstuhlfahrer benötigen Stützen ganz anderen Kalibers.

Sigrid Plate ist nach eigener Darstellung seit zehn Jahren in einen Englisch-Kurs der Volkshochschule eingeschrieben, besucht die VHS-Räume regelmäßig. Seit einer Knie-OP, so sagt die 75-jährige Burgdorferin, sei sie eingeschränkt beweglich und also auf ein Behinderten-WC angewiesen. Das aber gebe es gar nicht in den VHS-Räumen an der Bergstraße. Auch nicht nachdem dort im Frühjahr renoviert worden und die Einrichtung danach eine Etage höher gezogen sei. Das Schild am WC spiegle lediglich falsche Tatsachen vor. Und das schon seit Ostern. Bei einem Anruf in der VHS-Zentrale in Lehrte habe ihr ein Mitarbeiter gesagt, das sei Sache des Vermieters.

Auf Nachfrage erklärte Verwaltungsleiter Burkhard Langehein, die VHS-Leitung sei davon ausgegangen, dass das mit einem Rollstuhl-Symbol auf der Tür gekennzeichnete WC in den im Frühjahr sanierten Räumen im zweiten Obergeschoss tatsächlich behindertengerecht sei. Wenn das nicht der Fall sei, müsse man mit dem Vermieter darüber reden.

 

Neben dem Spülkasten sollte vermutlich ein einfacher Haltegriff montiert werden, doch dabei wurde offenbar die Wasserleitung angebohrt. Quelle: Thomas Böger

 

Die DIN-Norm gibt viele Maße vor

Für Behinderten-WCs in öffentlich genutzten Gebäuden werden in der DIN 18040-1 etliche Maße beziehungsweise Mindestanforderungen vorgegeben. So soll der Sitz 48 Zentimeter hoch sein. Neben dem WC muss links und rechts bis zur Wand mindestens 90 Zentimeter Platz sein. Vor dem Klosett- und dem Waschbecken müssen Bewegungsflächen von jeweils 1,50 Meter Breite und Tiefe vorhanden sein. Auf jeder Seite des WCs sind klappbare Haltegriffe zu montieren, die 15 Zentimeter über die Vorderkante des Beckens hinausragen, in waagerechter und senkrechter Position selbstständig arretieren und am vorderen Ende eine Belastung von 100 Kilogramm aushalten. Der Waschtisch darf höchstens 80 Zentimeter hoch sein. In einer Tiefe von 30 Zentimeter muss die Kniefreiheit darunter mindestens in einer Höhe von 67 Zentimeter gewährleistet sein. Außerdem muss ein Flach- oder ein Unterputzsyphon verwendet werden.

 

Von Thomas Böger und Joachim Dege

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