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Burgdorf Kirche zeigt Flagge gegen Populismus
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00:18 10.12.2018
Superintendentin Sabine Preischoff. Quelle: Dethard Hilbig
Burgdorf

Die von Mehrgenerationenhaus-Mitbegründer Dieter Rohles angestoßene InitiativeBurgdorf steht auf“ zieht Kreise. Bürgermeister Alfred Baxmann hat bereits seine Unterstützung zugesagt. Große Vereine sind im Boot. Die Kirchen wollen sich anschließen. Sabine Preuschoff, Superintendentin im evangelisch-lutherische Kirchenkreis Burgdorf, begründet im Interview, warum sich ihre Kirche gegen Rechtspopulismus und für eine offene Gesellschaft engagiert.

Frau Preuschoff, in Ihrer Rede am Ehrenmal im Stadtpark anlässlich des Volkstrauertags haben Sie deutlich gemacht, dass sich Kirche gegen Extremismus verwahren müsse. Was hat Sie dazu bewogen?

Als Christen sprechen wir von der Würde des Menschen. Sie ist den Menschen von Gott verliehen und kann daher auch nicht in Frage gestellt werden. Wo rechts- oder linksextremistische Positionen diese Würde verletzen und mit Füßen treten, sind wir aufgrund unseres Glaubens gefordert, Einspruch zu erheben und für diese Würde einzustehen. Da muss sich Kirche gegen rassistische Gedanken und menschenverachtende Äußerungen stellen.

Kennen Sie denn aus Burgdorf und dem Kirchenkreis Vorfälle, die Ihnen dazu Anlass geben?

Zunächst gilt ganz allgemein, dass bei uns im Land und in der Welt die Populisten erstarken mit ihren vermeintlich einfachen Lösungen, die in Wahrheit keine sind. Auch bei uns in Burgdorf nehme ich wahr, dass Grenzen verschoben werden und heute manches leichter gesagt wird, was früher keiner gewagt hätte auszusprechen. Da hört man Positionen, die vielleicht noch nicht unbedingt rechtsextrem sind, aber doch würdeverletzend und rassistisch. Wenn man dann nicht widerspricht, sondern schweigt, ist es wie eine Zustimmung für den, der es gesagt hat. Deshalb müssen wir da deutlich Position beziehen.

Sie haben die Partei nicht genannt, aber meinen wohl die AfD, die mit ihren Äußerungen auch in den sozialen Medien einer Verrohung der Gesellschaft Vorschub leistet.

Ich will das Parteiprogramm der AfD nicht gleichsetzen mit denen, die sie wählen. Aber in der Tat ist das, was die AfD sagt, oft menschenverachtend. Ich frage mich, warum Menschen das nicht erkennen und die wählen. Denn was die AfD sagt und schreibt, das sind immer wieder Grenzverletzungen. Das letzte Beispiel ist das Denunziationsportal, das auffordert, Lehrer anzuschwärzen, wenn sie politische Haltungen ansprechen und Position beziehen. Das ist eine Gefährdung unserer Demokratie. Wir als Kirche sollten für Demokratie einstehen, weil sie die beste Gesellschaftsform ist, in der Menschen in Freiheit und Würde leben können.

Wenn sie sich, wie angekündigt, der InitiativeBurgdorf steht auf“ anschließen, die bekanntlich eine Kundgebung plant, verkündigen sie christliche Werte nicht länger nur von der Kanzel. Sie wollen also auch Flagge auf der Straße zeigen?

Ja, einmal sichtbar bei einer solchen Kundgebung. Darüber hinaus denken wir auch über andere Aktionen nach, wo wir sichtbar werden in der Gesellschaft. Das sind eher kleine, differenzierte Veranstaltungen: Das können Gesprächsrunden sein in den Gemeinden, wo man gezielt das Thema Populismus anspricht und Behauptungen mit Sachargumenten widerlegt. Das Antikriegshaus in Sievershausen bietet beispielsweise ein Argumentationstraining gegen Rechtsextremismus und Positionen an, denen man bei Geburtstagskaffees und in der Familie begegnet. Oft erlebt man doch, dass plötzlich einer anfängt und sagt: Uns geht es schlecht, es sind viel zu viel Menschen ins Land gekommen, das Land gehört doch uns. Auf solche Positionen angemessen zu reagieren, das kann man trainieren.

Womöglich müssen Sie das eine oder andere Mal in den Streit gehen. Machen da alle Pastoren und Diakone mit?

Im Augenblick kann ich für die Burgdorfer Kollegen sprechen. Die haben alle gesagt, dass sie das gut finden und dabei sind. Wir werden abfragen, wer noch dabei sein will: Der eine sagt vielleicht, er macht etwas in der Konfirmandenarbeit, eine andere schafft lieber Gesprächssituationen. Ich erlebe viele Kollegen so, dass es ihnen ein Herzensanliegen ist und sie sagen: Wir können jetzt nicht mehr schweigen. Das kann auch Streit bedeuten, aber in einem guten Sinne. Es geht darum, andere zu hören, ihre Ängste wahrzunehmen und Sachargumente entgegenzusetzen.

Warum müssen Sie sich dazu der InitiativeBurgdorf steht auf“ anschließen?

Es ist wichtig, dass nicht jeder für sich allein etwas macht, sondern man sich zusammenschließt. Wir sind ein Teil des Gemeinwesens. Deshalb brauchen und suchen wir Bündnispartner, um zu zeigen: Das ist nicht nur die Kirche, nicht nur ein Privatmann, nicht nur die Stadt. Wir zeigen gemeinsam Flagge und stehen gemeinsam für eine offene Gesellschaft ein.

Von Joachim Dege

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