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Burgdorf Politiker verschieben Votum zur IGS-Oberstufe
Aus der Region Region Hannover Burgdorf Politiker verschieben Votum zur IGS-Oberstufe
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00:36 23.04.2018
Vor dem Rathaus skandieren Schüler mit Plakaten "Wir wollen eine Oberstufe". Quelle: Dege
Uetze

 Frust und Wut haben sich am Donnerstagabend Bahn gebrochen in der Schulausschusssitzung des Rates. Zu dem von der Gemeindeverwaltung empfohlenen Verzicht auf eine IGS-Oberstufe kam es in der Folge nicht. Die Schulpolitiker vertagten eine Entscheidung.

Der Ausschussvorsitzende Norbert Vanin (SPD) hatte Mühe, die aufgebrachten Eltern und Schüler im Zuschauerraum des Sitzungssaals während der 40-minütigen Einwohnerfragestunde zu disziplinieren. Erst verbot er das Hochhalten von Plakaten, dann gebot er, keinen Applaus zu spenden. Aufs Geschehen vor dem Rathaus hatte er keinen Einfluss. Dort skandierten Schüler laut „Wir wollen eine Oberstufe“.

Schüler, Eltern und Großeltern sind ins Rathaus gekommen, um die Beratung zur IGS-Oberstufe im Schulausschuss des Rates zu verfolgen. Quelle: Dege

Die Fragestunde geriet zum Anklage-Forum. Elternvertreterin Katrin Bartloff warf der Gemeinde vor, in ihrer kurzfristig vorgelegten Vorlage falsche Zahlen zu verwenden: „Sie haben sich nie unsere Zahlen angeguckt oder mit der Schulleitung gesprochen.“ Eine andere Elternvertreterin kritisierte die Gemeinde ebenfalls: „Was Sie wollen, ist eine Oberschule.“ Eine Frau, deren Enke-lin die Aurelia-Wald-Gesamtschule besucht, argumentierte: „Sie haben sich für eine IGS entschieden. Die Kinder müssen auch die Chance haben, eine Oberstufe zu bekommen, damit sie dort ihr Abitur machen können.“ 

Schülersprecher Linus Degenhardt kritisierte, dass die  IGS von Beginn an in ein schlechtes Licht gerückt worden sei. „Das nimmt uns Schüler mit.“ Schülervertreterin Katharina Krause sagte: „Aufs Gymnasium will von der IGS niemand.“ Dort hetzten Schüler und Lehrer gegen die IGS, lieferte eine Mitschülerin, die selbst zwei Jahre lang das Gymnasium besuchte, die Begründung. 

Die Erste Gemeinderätin Ursula Tesch macht den Schüler- und den Elternvertretern der Aurelia-Wald-Gesamtschule Gesprächsangebote. Quelle: Dege

Andrea Wundram, Direktorin des Gymnasiums, sagte dazu nichts. Erste Gemeinderätin Ursula Tesch machte Gesprächsangebote: Den Schülervertretern sicherte sie zu, ein Treffen mit Schülervertretung und Schulleitung des Gymnasiums zu moderieren. Die IGS-Elternvertreter will sie zeitnah ins Rathaus einladen. Zu einem Oberstufen-Beschluss kam es nicht. SPD-Ratsherr Robert Schubert (SPD) erklärte warum: Wenn der Schulträger keine Oberstufe beantragen wolle, genüge es, die Hände in den Schoß zu legen. Und ob Schulgeld an die Nachbarkommune Burgdorf fällig werde, regle eine Satzung der Region Hannover.

Warum dann die umstrittene Vorlage, die jetzt in der Ratsitzung am 31. Mai erneut beraten werden soll? Viele Eltern seien verunsichert, weil die IGS den Eindruck erwecke, eine Oberstufe werde kommen. Für zwei Oberstufen am Gymnasium und an der Gesamtschule reichten aber die Schülerzahlen nicht aus, sagte Tesch: „Das wollten wir klarstellen.“

Kommentar

Man kann bei der IGS den Eindruck gewinnen, dass das Kind in den Brunnen gefallen ist: Vor vier Jahren mit Riesenhoffnungen an den Start gegangen, inzwischen auf dem harten Boden der Unzulänglichkeiten gelandet. Das Schulzentrum bot von Beginn an zu wenig Platz für eine auslaufende Realschule, die keine Räume abgeben wollte, und eine aufwachsende IGS, die für ihre Pädagogik mehr Räume brauchte, als da sind. Für eine IGS-Oberstufe ist, selbst wenn die Gemeinde sie wollte, erst recht kein Schulraum da. Das Geld, ihn zu schaffen, hat die Gemeinde nicht. Deshalb ist die Kooperation mit der IGS in Burgdorf wohl der einzig gangbare Weg. Zudem zumutbar.

Bliebe der gestörte Schulfriede: Es kann und darf nicht sein, dass es in einem Schulzentrum eine auch nur gefühlte Zweiklassengesellschaft gibt. Wenn das Gymnasium Dünkel gegen Schüler anderer Schulformen pflegt, legt das Zeugnis ab von einer nicht hinnehmbaren sozialen Inkompetenz. In diesem Punkt herrscht Handlungsbedarf. Eltern, Lehrer, Schüler und Behörden sind gefragt, gegen diese Haltung vorzugehen – und das Kind wieder aus dem Brunnen zu ziehen.

Von Joachim Dege

Marion Jakobi ist seit neun Monaten als Koordinatorin im Nachbarschaftstreffs tätig. Bei einem Rundgang durch das Wohnviertel am Ostlandring verrät sie, was genau den Nachbarschaftstreff ausmacht. 

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