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Burgdorf Wolfgang Hornig verlässt das Kirchenschiff
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00:19 28.10.2018
Einer der andere Menschen gern ansteckte mit seinem Ideen und seiner Zuversicht: Diakon Wolfgang Hornig. Quelle: Stefan Heinze
Burgdorf

Wolfgang Hornig hat 39 Jahre lang das Gesicht der evangelischen Kirche in Burgdorf sowie im Kirchenkreis mit geprägt, zuletzt als Verantwortlicher für die Öffentlichkeit. Nun geht der Diakon, der seinen Dienst stets ohne großes Gewese versah, in den Ruhestand. Der Kirchenkreis verabschiedet Hornig am Sonntag, 28. Oktober, 15 Uhr mit einem Gottesdienst in der Iltener Barockkirche. Superintendentin Sabine Preuschoff wird den 61-Jährigen dort von seinen Aufgaben entpflichten.

Wenn Hornig lacht, und das tut er für sein Leben gern, so steckt er damit für gewöhnlich an. Andere anzustecken mit seinem empathischen Wirken, zieht sich denn auch wie ein roter Faden durch vier Jahrzehnte Berufstätigkeit, die Hornig bis zum letzten Tag auskostet, weil er sie als eine erfüllte Zeit erlebte, wie er glaubhaft versichert. So fuhr er in dieser Woche noch mit nach Dresden, wo sich die hauptamtlichen Kirchenkreis-Mitarbeiter mit dem Rechtsextremismus beschäftigten.

Hornig, Jahrgang 1957, stammt aus einem Dorf bei Hameln. Er wuchs dort in einer Familie auf, die nur einen Beruf kannte: Postbeamter. Auch Hornig sollte Postler werden. Der Vater wollte es so. Ergo lernte er nach der Mittleren Reife zunächst den Beruf des Fernmeldehandwerkers. Danach freilich ging er seinen eigenen Weg, den er sich seit seiner Konfirmation und dem folgenden Engagement als evangelischer Jugendleiter ausgemalt hatte. Er begann die Ausbildung zum Diakon, schloss als diplomierter Religionspädagoge für den Dienst in der Kirche ab. Der Zivildienst folgte – 24 Monate in der Sozialpsychiatrie an der Medizinischen Hochschule, wo er danach noch eine Weile als Pflegehelfer arbeitete.

1979 stiegt Hornig als Diakon bei der St.-Pankratius-Kirchengemeinde in Burgdorf ein, übernahm den Konfirmandenunterricht und die Jugendarbeit, eines seiner vielen Standbeine. 700 Konfirmanden begleitete Hornig im Lauf der Jahre. Mit dem damaligen Pastor Rudolf Bembenneck und der Bürgermedaillenträgerin Gertrud Mrowka baute er eine Beratungsstelle für ausländische Mitbürger auf, die heute als Nachbarschaftstreff in der Südstadt fortlebt. Die Arbeit mit behinderten Menschen und deren Teilhabe bildete ein weiteres Arbeitsfeld, in das er sich hineinkniete. Nicht einfach nur so. Er wollte qualifiziert sein. Deshalb sattelte er in den 1980-er Jahren berufsbegleitend ein Sozialpädagogik-Studium drauf.

Weitere Stationen sollten noch folgen. Erst heuerte er beim Kirchenkreis als Jugendwart an, kümmerte sich um die Organisation der Fortbildung ehrenamtlicher Jugendlicher. Als 1996 die halbe Stelle in der Öffentlichkeitsarbeit frei wurde, wechselte er dorthin. Die Jugendarbeit gab er später ab. Auch als Öffentlichkeitsarbeiter mit Affinität zum Gestalten, Fotografieren und zuletzt zum Internet, versuchte Hornig anzustecken. Er wollte, dass die Menschen auf seine Kirche aufmerksam werden, sich für sie interessieren, sich womöglich einbringen und aus ihr Gewinn ziehen für ihr Seelenheil.

„Ich bin stolz, in diesem innovativen Kirchenkreis gearbeitet zu haben. Was wir gewuppt haben, ist schon klasse.“ Als erster Kirchenkreis in der Landeskirche habe sich dieser in fünf Regionen untergliedert, in denen sich Gemeinden einander zugehörig empfinden und gegenseitig unterstützen. Ende der 1980-er Jahre richtete Burgdorf die erster Kirchenkreis eine bezahlte Stelle für die Öffentlichkeitsarbeit ein, nennt Hornig zwei Beispiele aus 39 Jahren als Diakon in Burgdorf, in denen er fünf Superintendenten erlebte.

Hornig hat seinen Job genossen. Ist überhaupt ein Genussmensch, koch gern, schleudert seinen eigenen Honig, weiß einen guten Tropfen zu schätzen. Vor allem aber ist er neugierig. Jetzt, da das Kapitel Diakon endet, will er womöglich noch einmal studieren an der Hochschule Hannover: Fotojournalismus interessiert ihn.

Von Joachim Dege

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