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Burgwedel Marktbesucher bieten AfD-Slogans Paroli
Aus der Region Region Hannover Burgwedel Marktbesucher bieten AfD-Slogans Paroli
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00:35 02.04.2018
„Die passen nicht zu uns in Burgwedel“: Händler Gernot Helberg auf dem Wochenmarkt freut sich nicht über die Nachbarschaft der AfD. Quelle: Martin Lauber
Großburgwedel

 Nein, begeistert ist er von seinen heutigen Nachbarn auf der Von-Alten-Straße nicht – im Gegenteil. „Die passen nicht so gut zu uns in Burgwedel“, findet der 80-jährige Rentner und Holzbastler Gernot Helberg aus Wettmar mit einem Seitenblick auf den Plakataufsteller „Konsequent abschieben!“ der AfD. Der Kreisverband Hannover  Land der Partei hatte am Gründonnerstag auf dem Wochenmarkt einen Stand aufgebaut –  in der „Heimatstadt von Ex-Bundespräsident ,Der Islam gehört zu Deutschland’ Wulff“, wie es in ihrem Flyer heißt. 

Aktuell ist die Wulff-Stadt aber in den Schlagzeilen, weil wenige Tage zuvor eine junge Großburgwedelerin von einem jugendlichen Flüchtling mit einem Messer lebensgefährlich verletzt wurde. „Willkommen in der Messe(r)stadt Hannover“, steht vorne auf einem AfD-Flyer.  „Die instrumentalisieren das!“, ärgert sich Marktbesucher Alexander Veth über derartige Sprüche. „Wir dürfen denen nicht das Feld überlassen.“

Tischsockel am AfD-Stand. Quelle: Martin Lauber

„Mut zur Wahrheit“, so steht es auf den blauen Sockeln der AfD-Stehtische vor der Stadtbücherei. Wahr ist also, was Antje Lange, Assistentin der Regionsfraktion der Alternative für Deutschland, sagt? „Wir sind jetzt ein halbes Jahr in der Regionsversammlung und wollen über unsere Arbeit informieren.“ Näher an der Wahrheit ist wohl, dass die Partei „aus aktuellem Anlass“ damit ausgerechnet in Großburgwedel anfängt, wie Lange auf Nachfrage einräumt. Die Messerattacke entfalte eben „Sogwirkung“, erklärt AfD-Mann Robert Preuß. „Und wir sind gut vernetzt.“

Marktbesucherin Ingrid Tschacher, die früher für die SPD im Thönser Ortsrat saß,  lässt den Stand, den sie als Reaktion auf den Messerangriff vom 24. März für deplatziert hält, einfach links liegen. „Ja, ist denn Wahlkampf?“, fragt sie spöttisch. Robert Preuß, AfD-Ratsherr aus Gifhorn, drückt es so aus: „Wir machen den Menschen ein Angebot: Wir wollen eine Politik, die sicherstellt, dass jeder unkontrollierte Grenzübertritt verhindert wird.“ Und die Rücknahme der Einbürgergerung bei schwerer Kriminalität wie im Großburgwedeler Fall. Es könne doch nicht sein, dass Frauen abends Angst haben müssten, einkaufen zu gehen. Angst? Die nehme sie nicht wahr, widerspricht dem Gifhorner eine Marktbesucherin mittleren Alters. Auch die AfD solle gefälligst besonnen reagieren auf das Verbrechen eines Einzeltäters.

Reiner Semrau (links) diskutiert mit dem AfD-Ratsherrn Volker Körlin. Quelle: Martin Lauber

Reiner Semrau, der aus Pommern stammt und sein eigenes Flüchtlingsschicksal nach dem Zweiten Weltkrieg durchlebt hat, sieht das ähnlich. Der Rentner aus Großburgwedel fordert das örtliche AfD-Ratsmitglied Volker Körlin auf, bei seinen politischen Freunden im Bundestag dafür zu werben, was er mit allen anderen Kommunalpolitikern gemeinsam im Burgwedeler Rat unterstützt habe: die Förderung des interkulturelles Miteinanders in der Stadt. 

Multikulti ist ein rotes Tuch

Multikulti? Darauf reagiert Körlins Gifhorner Parteifreund Preuß besonders allergisch: „Wollen Sie die multikulturelle Gesellschaft?“, entgegnet er seinem Gegenüber in scharfem Ton – und gibt gleich selbst die Antwort: „Die gibt es gar nicht, das ist eine Ideologie!“ Aber Semrau hält dagegen: „Doch! Kommen Sie einfach mal zum Frauenfrühstück in unsere Seniorenbegegnungsstätte“, lädt er ein. „Da sind Frauen aus vielen Ländern, auch einige mit Kopftuch.“

Joachim Schrader, CDU-Mitglied im Engenser Ortsrat und ehrenamtlicher Betreuer einer Flüchtlingsfamilie, passiert den AfD-Stand kopfschüttelnd.  Auch ihn habe der Messerangriff auf Vivien K. sehr entsetzt, sagt er. „Aber wir dürfen jetzt nicht durchdrehen“, fordert er. Die Befürchtung, dass die AfD für Sonnabend eine Demonstration oder Kundgebung in Großburgwedel anmelden könnte, hat sich nicht bewahrheitet. Nach Aussage der Region Hannover als zuständiger Anmeldebehörde wäre das wegen der 48-Stunden-Anmeldefrist (ohne Sonn- und Feiertage) frühestens für Dienstag nach Ostern möglich, hieß es am Donnerstagnachmittag. Für einen solchen Fall sei auch eine Gegendemonstration angekündigt worden. 

Von Martin Lauber

Bei einem Infoabend stellt der Radler-Club ADFC Burgwedel am Donnerstag, 5. April, sein komplettes Jahresprogramm vor und gibt auch Tipps für längere Touren auf Fernradwegen.

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