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Burgwedel Frontotemporale Demenz: Das Wesen verändert sich
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00:44 28.04.2018
Im Rahmen der „Woche der Demenz" berichtet Alfred Rautenberg (stehend) von der Alzheimer-Gesellschaft über die Erkrankung Frontotemporale Demenz. Diese wurde bei seiner Frau im Alter von 57 Jahren diagnostiziert. Quelle: Gabriele Gerner
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Großburgwedel

„Durch die Diagnose änderte sich mein Leben von einer auf die andere Sekunde“, sagt Alfred Rautenberg vor rund 20 Zuhörern in der Seniorenbegegnungsstätte (SBS). Berührt verfolgen die Gäste seinen Vortrag über die Krankheit Frontotemporale Demenz (FTD). Seine Frau war im Alter von 57 Jahren daran erkrankt. 

FTD ist eine besondere und sehr seltene Form der Demenz, bei der die Nervenzellen im Stirn- und Schläfenbereich absterben. Das führt zu einer Veränderung des Wesens: Die Sprache und die sozialen Eigenschaften werden in Mitleidenschaft gezogen, das Verhalten des Betroffenen ändert sich. 

Unbedachter Umgang mit Geld und nachlassende Körperpflege

„Eine Folge der Erkrankung ist, dass die Menschen unentwegt Appetit haben und alles essen, was ihnen zwischen die Finger kommt – sogar, wenn es auf den Tellern anderer Leute liegt oder ganz offensichtlich ungenießbar ist“, erzählt Rautenberg. „Viele Erkrankte haben auch einen wahnsinnigen Bewegungsdrang oder werden sehr aggressiv. Sie schlagen ohne Vorwarnung zu.“ Auch der unbedachte Umgang mit Geld und die Vernachlässigung der Körperpflege können schwere Herausforderungen für Angehörige darstellen. Rautenberg brauchte nach eigenem Bekunden lange, bis er sich eingestand, dass er mit der Pflege seiner Frau überfordert war. „Wichtig ist zu akzeptieren, dass der geliebte Mensch unheilbar krank ist und man diese Situation nicht ändern kann“, sagt er. 

Heute ist Rautenberg Mitglied der Alzheimer-Gesellschaft, hält Vorträge über Demenz, leitet Angehörigen-Gesprächskreise und ist als Berater am Alzheimer-Telefon für die Nöte von Menschen da, die ein demenzkrankes Familienmitglied haben. „Holen Sie sich rechtzeitig Hilfe“, rät er Angehörigen. Ihm habe der Austausch mit anderen Betroffen sehr geholfen. Auch, dass er und seine Frau in gesunden Zeiten eine Vorsorgevollmacht sowie eine Betreuungs- und Patientenverfügung erstellt hatten, habe ihm viele Schritte erleichtert. So konnte er beispielsweise das gemeinsam gemietete Haus kündigen und die Bankkarte seiner Frau sperren lassen. Inzwischen ist seine Frau 61 Jahre und lebt in einer Pflegeeinrichtung. Sie kann nicht mehr sprechen und reagiert auf keinen Besucher. Mit einer Spur von Trauer sagt Rautenberg: „Es ist nicht mehr meine Frau, es ist ein anderes Wesen.“

Im Anschluss an den Vortrag testen die Gäste den Demenz-Parcours. Dabei müssen sie Fotokarten zum Thema „Frühstück“ sortieren und in die richtige Reihenfolge bringen. Dies ist für alle eine unlösbare Aufgabe. Der Frust bei den Probanden ist programmiert. Auch das Navigieren von Spielzeugautos mit Handschuhen und dem Blick nur auf einen Spiegel führt zum geplanten Ziel: sich genauso hilflos zu fühlen wie ein Mensch mit Demenz. 

Der Gesprächskreis für Angehörige von Demenzkranken trifft sich immer am ersten Dienstag im Monat von 18 bis 20 Uhr in der Seniorenbegegnungsstätte (SBS) an der Gartenstraße 10. Alfred Rautenberg bittet um vorherige Kontaktaufnahme unter Telefon (0152) 09814212. Die nächste Pflegeberatung bietet Angelika Nikolai in der SBS am Mittwoch, 9. Mai, von 14 bis 16 Uhr an. Sie unterstützt immer am zweiten Mittwoch im Monat von 14 bis 16 Uhr bei Anträgen und Fragen zu Reha und Pflege. Das Beratungstelefon der Deutschen Alzheimer-Gesellschaft unter Telefon (030) 259379514 ist von montags bis donnerstags von 9 bis 18 Uhr und freitags von 9 bis 15 Uhr besetzt.

Weitere Aktionen in der „Woche der Demenz“

Am Donnerstag, 26. April, gibt es weitere Angebote im Rahmen der „Woche der Demenz“ in Burgwedel. In der Seniorenbegegnungsstätte (SBS) referiert Theresia Urbons ab 10 Uhr von der Alzheimer Gesellschaft zu „Demenz und Alzheimer“. Gleichzeitig kann man sich auch wieder im Demenz-Parcours versuchen. Ab 15 Uhr stellt Wohnberater Wolfgang Hillrichs neue Technologien für Senioren vor. Für 16 Uhr lädt Barbara Arndt in der SBS zum Offenen Singen ein.

Im Cafeteria-Speiseraum des KRH Klinikums Großburgwedel an der Fuhrberger Straße 8 hält ab 15 Uhr die Logopädin Martina Rohmann einen Vortrag über Schluck- und Ernährungsstörungen bei Menschen mit Demenz. Im Seniorenpflegeheim Lindenriek am Brombeerkamp 6 in Kleinburgwedel präsentieren sich ab 13.30 Uhr Clownin Sorina und die Kunsttherapeutin Barbara Narr. Am Donnerstag, 26., und am Freitag, 27. April, ist dort von 11 bis 16 Uhr die Ausstellung „Fotos, Kunstobjekte, Lebensfülle“ zu betrachten.

Am Donnerstag von 13 bis 16 Uhr bieten der Wohnpark Scharpenberg und der Nordhannoversche Pflegedienst an der Fuhrberger Straße 2 in Großburgwedel eine Beratung an. Energiestunden und Beratung, speziell auch für Pflegende, bietet Friederike Garlichs in ihrer Praxis für energetische Beratung am Kiebitzrain 1a in Großburgwedel zu verschiedenen Uhrzeiten an. Interessenten werden gebeten, unter Telefon (05139) 27715 anzurufen. 

Noch bis Mitte Mai gibt es in der SBS zwei Fotoausstellungen zum Thema Demenz: Bernhard Weiland präsentiert berührende Schwarz-Weiß-Fotografien seiner demenzkranken Eltern. Ergänzt werden die Bilder von Texten seines Sohnes Jochen Manske, die auf Gesprächen mit den Großeltern beruhen. Die farbenfrohen Cartoons des berühmten Karikaturisten Peter Gaymann – bekannt aus „Brigitte“ und „Zeit-Magazin“ – liefern hingegen einen humorvollen Blick aufs Älterwerden und die Krankheit Demenz. Besucher können beide Fotoausstellungen von montags bis donnerstags zwischen 9 und 12 Uhr betrachten.

Von Gabriele Gerner

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