Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Burgwedel Malteser erfüllen Sterbenskranker ihren Herzenswunsch
Aus der Region Region Hannover Burgwedel Malteser erfüllen Sterbenskranker ihren Herzenswunsch
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:48 04.06.2018
Renate Böttcher mit dem kleinen Jonas vor der St.-Paulus-Kirche. Ehemann Claus (Mitte, blaues Hemd) und die Eltern des Kindes, Daniel und Helena Böttcher (vorne links) begrüßen die schwer kranke Frau. Hinten rechts die Malteser-Ehrenamtlichen Simon Reinhardt (ganz rechts) und Jan Singelmann. Quelle: Lukas
Großburgwedel

„Das Leben geht weiter.“ Es mag zynisch klingen, einer schwer kranken Frau das zu sagen. Aber im Rahmen einer Tauffeier aus dem Mund eines Geistlichen gewinnt der Satz eine andere, eine tiefere Bedeutung. Für Jonas Böttcher, der am Wochenende in der Großburgwedeler St.-Paulus-Kirche von Pfarrer Ivan Mykhailiuk getauft wurde, geht das Leben tatsächlich weiter. Für seine krebskranke Großmutter Renate dagegen dürfte es wohl der letzte Besuch in ihrer geliebten Kirche gewesen sein. Ermöglicht haben ihr diese Reise die Malteser mit ihrem Herzenswunsch-Krankenwagen.

Renate Böttcher: Ich habe so sehr für diese Taufe gebetet

Eigentlich schien alles überstanden: Nachdem bei Renate Böttcher im Mai 2017 Bronchialkrebs diagnostiziert worden war, hatte die Chemotherapie sehr gut angeschlagen. Das vergangene Weihnachtsfest konnte die heute 77-Jährige im Kreis ihrer Familie feiern, von Heilung war die Rede. Doch im vergangenen Februar traten Metastasen auf, immer mehr, nicht mehr operabel. Seit dem 22. Mai liegt die Großburgwedelerin im Misburger Hospiz und wird immer schwächer. Die Taufe ihres vier Wochen alten Enkels Jonas aber wollte sie noch erleben. „Ich habe so sehr für diese Taufe gebetet“, sagte sie mit schwacher Stimme bei der kleinen Feier in St. Paulus. „Ihr Gebet ist erhört worden und das ist gut so“, antwortete Pastor Mykhailiuk – auch er erkennbar bewegt .

Familie Böttcher ist bekannt in der katholischen Gemeinde St. Paulus. Drei erwachsene Söhne und eine Tochter hat Renate Böttcher mit ihrem Mann Claus und dazu eine große Liebe zur Kirche. Jahrelang begleitete sie mit ihren Kindern die Festgottesdienste musikalisch, sie an der Gitarre, die Kinder mit Flöte und Trompeten. Zwei Söhne dienten als Ministranten. „Es war ihr sehr wichtig, dass Jonas getauft wird“, sagte denn auch ihr Sohn Daniel Böttcher, der Vater des Täuflings. „Schön, dass sie das noch erleben kann.“

Malteser: Diesen Beruf gewählt, um Menschen zu helfen

So wurde die Tauffeier am vergangenen Wochenende zu einem bewegenden, aber auch fröhlichen Familienfest. Söhne und Töchter mit den älteren Enkelkindern waren gekommen, Ehemann Claus schob seine Frau im Rollstuhl zum Taufstein. „Mögen Engel Dich begleiten“, sang die kleine Festgemeinde dem Täufling zu, später auch den irischen Reisesegen. Alle wussten, dass diese Verse auch der kranken Großmutter galten. Immer wieder wandte der Pfarrer sich tröstend der Großmutter des Täuflings zu, sprach ihren Glauben an: „Das Leben geht weiter.“ Ehemann Claus Böttcher – selbst erst von einer Krebserkrankung genesen - weiß, dass er die Goldene Hochzeit am 28. November vermutlich nicht mehr mit seiner Frau feiern wird. „Jonas‘ Taufe wollte sie aber unbedingt noch erleben“, sagt er.

Diesen letzten, großen Wunsch haben Renate Böttcher die Malteser erfüllt. Jan Singelmann und Simon Reinhardt nahmen sich die Zeit, die 77-Jährige aus dem Hospiz abzuholen und wieder dorthin zu bringen. Beide arbeiten hauptberuflich für den Malteser Hilfsdienst im Rettungswesen, den Herzenswunsch-Krankenwagen aber fahren sie ehrenamtlich – „weil ich genau dafür diesen Beruf ergriffen habe – um Menschen zu helfen“, sagte Simon Reinhardt.

Das Projekt gibt es seit einem Jahr

Seit mehr als einem Jahr bieten die Malteser in Niedersachsen das Projekt „Herzenswunsch-Krankenwagen“ an, allein in der Diözese Hildesheim an sechs Standorten: in Hannover, Celle, Braunschweig, Wolfsburg, Hildesheim und Göttingen. Etwa 70 ehrenamtliche Helfer der Malteser stehen dafür bereit, schwer kranke und sterbende Patienten mit einem voll ausgerüsteten Krankentransportwagen noch einmal an einen Ort ihrer Wahl zu fahren, der ihnen wichtig ist.

Herzenswunsch-Krankenwagen wird durch Spenden finanziert

Patienten und deren Begleiter müssen für eine Fahrt im Herzenswunsch-Krankenwagen nichts zahlen, daher sind die Malteser dafür auf Spenden angewiesen. Ansprechpartner für das landesweite Projekt ist Christoph Mock, Theologe und Trauerbegleiter des Ambulanten Hospizdienstes der Malteser in Hannover. „Wenn wir mit dem Herzenswunsch-Krankenwagen einem todkranken Patienten eine Herzensangelegenheit erfüllen können, hat das Projekt seinen Zweck erfüllt“, sagt er. Der frühere Präsident des Europäischen Parlaments, Hans-Gert Pöttering hat die Schirmherrschaft über den Herzenswunsch-Krankenwagen in Niedersachsen übernommen. Nähere Informationen gibt es im Internet unter http://www.malteser-niedersachsen.de/herzenswunsch-krankenwagen-niedersachsen.html.

Von Michael Lukas

Langsam wird’s schneller – das Internet in Burgwedel. Sogar die Exklave Heisterholz bekommt bis zum Ende des Jahres Anschluss ans weltweite Netz via Glasfaser.

04.06.2018

Seit Mittwoch haben Unbekannte vier Autos der Marken BMW und Porsche aufgebrochen, um Lenkräder und in zwei Fällen Navigationsgeräte zu stehlen. Tatorte waren Kirchhorst, Neuwarmbüchen und Wettmar.

04.06.2018

Serenade, Matinee, Picknick und Darstellende Kunst – auch das gab es in Wettmar am Schützenfest-Wochenende: bei den Gartenkonzerten auf dem Hof Meixner.

07.06.2018