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Burgwedel Motl: Leistungsfähiger mit Drehleiter
Aus der Region Region Hannover Burgwedel Motl: Leistungsfähiger mit Drehleiter
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00:16 15.07.2018
Burgwedels Stadtbrandmeister Ingo Motl. Quelle: Martin Lauber
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Burgwedel

Wo ist Burgwedels Feuerwehr im Soll? Warum bräuchte sie eine Drehleiter und das 130-Seelen-Dorf Oldhorst unbedingt seine eigene Feuerwehr? Mit Ingo Motl (59), seit 2015 als Stadtbrandmeister die Nummer Eins unter 320 aktiven Feuerwehrleuten, sprach Redakteur Martin Lauber, über den Feuerwehrbedarfsplan der Stadt Burgwedel.

HAZ: Feuerwehr und Verwaltung haben jede Menge Arbeit in den Bedarfsplan investiert, Umfragen gemacht, Rohdaten gesammelt. Im Juni 2017 haben die Fachleute der Firma Forplan das 140-seitige Gutachten dem Rat präsentiert, doch auch ein Jahr später hat dieser das Thema wieder mal vertagt. Hatten Sie erwartet, dass die Politik schneller erste Entscheidungen treffen würde?

Motl: Nicht erwartet, ich hatte es gehofft. Aber man muss Realist sein: Es stehen Dinge da drin, die gegebenenfalls richtig viel Geld kosten. Der Bedarfsplan ist ein perspektivisches Papier, und unser Interesse als Feuerwehr ist, eine vernünftige Zeitschiene für die notwendigen Maßnahmen zu bekommen.

Der Rat hat ja durchaus auf dem Zettel, dass neben Schulbau und Kanal in den nächsten Jahren auch Millionensummen in die Feuerwehr gesteckt werden müssen, vor allem in die Gerätehäuser, in denen es überall an Platz fehlt für Umkleiden und wo Verletzungsgefahr wegen der Enge besteht. Welche Prioritäten setzt hier der Bedarfsplan?

Es gibt keine Prioritäten. Es wäre auch unredlich, wenn Außenstehende die vorgeben wollten. Der Bedarfsplan hat von neutraler Seite unser Fahrzeugkonzept 1 zu 1 bestätigt, darauf sind wir stolz. Dass er feststellt, dass wir langsam mit allen Feuerwehrhäusern Probleme kriegen, ist keine Überraschung. Es geht dabei nicht nur um fehlende Durchfahrtbreiten für immer größere Fahrzeuge. Zum Beispiel ist auch die sogenannte „Schwarz-Weiß“-Trennung von Einsatz- und Privatkleidung ein großes Thema: Wenn man mit kontaminierter Kleidung vom Brandeinsatz kommt, wäre der richtige Weg direkt durch die Dusche. Darauf wird die Feuerwehr-Unfallkasse in Zukunft dringen. Erinnern Sie sich? Früher hat es auch noch keinen interessiert, dass Dieselabgase krebserregend sind, heute sind Abgas-Absauganlagen Standard in Fahrzeughallen der Feuerwehr.

Das zu eng gewordene Feuerwehrhaus Kleinburgwedel „ist das Extrem“, sagt Ingo Motl, das heißt: Aus Sicht des Stadtkommandos sollte es ganz oben auf der Agenda stehen. Quelle: Martin Lauber

Wo muss es denn losgehen mit den Feuerwehrhäusern?

Kleinburgwedel ist das Extrem, das müsste unstrittig sein. Die Kameraden haben dort zum Umkleiden nicht mal Bänke und Spinde, da stehen blanke Kleiderständer im Raum. Und der Einsatzleitwagen steht sogar in einer Scheune. Nach unserem Verständnis gehört ein rotes Auto ins Feuerwehrhaus, das ist auch für die Identifikation wichtig. Wann die Stadt an welches Gerätehaus ran muss, das gibt letztlich auch die Fahrzeugbeschaffung vor. Wenn 2021 in Kleinburgwedel das LF (Löschgruppenfahrzeug) ausgetauscht wird, wird es nicht mehr ins Haus passen. Ähnlich ist das in Wettmar. Da wurde gerade ein Sturz erhöht, damit das 25 Jahre alte Fahrzeug durch ein modernes HLF 10 (Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug) ersetzt werden kann, das auch schon bestellt ist. Auf diese Weise haben wir die Zeitschiene etwas gestreckt. Aber zwei Stürze austauschen geht nicht - und 2023 kommt ein neues TLF (Tanklöschfahrzeug), das nicht hineinpassen würde.

Was ist mit Großburgwedel? Ist der Standort des Feuerwehrhauses schuld daran, dass es laut Forplan „ein klares Zeitproblem“ gibt? Nach den fachlichen Empfehlungen, die dem Bedarfsplan zugrunde liegen, sollte ein Einsatzort in 80 Prozent der Fälle binnen acht Minuten von einer neunköpfigen Löschgruppe erreicht sein, in Burgwedel wird dieses Schutzziel aber nur in 41 Prozent der Fälle erreicht.

Ich halte uns mit 41 Prozent für zu schlecht bewertet. Dafür gibt es auch technische Gründe, die unter anderem mit den Meldeprozessen und dem Analogfunk zusammenhängen. An den Kameraden liegt es nicht. Richtig ist, dass in Großburgwedel die Anfahrtsituation zum Feuerwehrhaus sehr knifflig ist und auch die Anfahrt in die Gewerbegebiete im Süden immer länger dauert. Was wir verbessern konnten, haben wir getan: Wir haben die Ausrücke-Ordnung optimiert, die Parkplatzsituation entschärft, automatische Rolltore eingebaut. Wenn man irgendwann einen neuen Standort für das Feuerwehrgerätehaus suchen sollte, muss man darauf schauen, wo und wie Großburgwedel sich entwickelt.

In 133 Objekten muss die Feuerwehr Brandverhütungsschauen halten. Unter anderem sind dies 19 Pflegeeinrichtungen, 19 Schulen oder Kitas, 14 Hotels, 38 Industrie- und Gewerbebetriebe – ist dieses große Gefährdungspotenzial der Grund, warum das Stadtkommando vor der Sommerpause ganz förmlich die Beschaffung einer Drehleiter beantragt hat?


Das ist ein ewiges Thema, das schon in der Vergangenheit sehr emotional behandelt worden ist. Mittlerweile vergeht fast kein Einsatz mehr, bei dem wir nicht die Unterstützung von auswärtigen Feuerwehren mit Drehleiter brauchen. Die liegen alle im Radius von 12 Minuten reiner Fahrzeit, aber das ist eine Ewigkeit. Der Bedarfsplan führt dazu aus: Eine Drehleiter kann die Leistungsfähigkeit der Feuerwehr in Burgwedel grundsätzlich verbessern.

Und das wollten Sie mit Ihrem Antrag unterstreichen?

Die Stadt wächst und wächst, immer mehr Gewerbe siedelt sich an. Dem muss man auch mal Rechnung tragen und die Feuerwehr anpassen. Aus meiner Sicht ist es zurzeit wie Fahren mit Sommerreifen im Winter: Solange nichts passiert, ist es nicht strafbar. Rechtlich gibt es keine Grundlage, warum wir eine Drehleiter haben müssten. Aber wenn all die Gebäude in der Gefahrenklasse 4 heute so gebaut würden, dann müsste die Stadt eine Drehleiter haben.

Wo liegen denn die feuerwehrtaktischen Vorteile einer Drehleiter?

Mit der dreiteiligen Schiebeleiter, die immer noch ihre Berechtigung hat, kann ich nur Personen retten, die die Rettung aktiv unterstützen können, alte oder verletzte Menschen und Kinder aber nur ganz schwer. Die Drehleiter ist für uns ein Angriffsweg und zugleich ein Mittel zum Eigenschutz: Wenn plötzlich ein Treppenhaus abgeschnitten ist, kann ich die Leute mit der Drehleiter rausholen.

Also nicht das sprichwörtliche neue Spielzeug für die Feuerwehr? Was würde ein solches Fahrzeug überhaupt kosten?

600.000 Euro aufwärts braucht man für eine neue Drehleiter, die zwar ein Argument für den Wirtschaftsstandort Burgwedel sein kann, aber ganz bestimmt kein Spielzeug für die Feuerwehr. Für uns würde sie eine irre Verantwortung und die Ausbildung der Maschinisten viel Mehrarbeit bedeuten.

Und wenn die Politik nein sagt?

Wir haben nicht gesagt: Morgen! Sondern in den nächsten zwei bis drei Jahren. Jetzt ist es angestoßen. Wenn die Politik sagt, wir brauchen das nicht, akzeptieren wir das. Dann ist das die Verantwortung der Politik.

Das Stadtkommando hat noch einen Antrag gestellt: die Anschaffung eines kleines Löschfahrzeugs für Oldhorst.

Das ist ein ganz spannendes Thema, das wir im Stadtkommando leidenschaftlich diskutiert haben. Unsere Stadtfeuerwehr hat eine gesunde Struktur mit ihren sieben Ortsfeuerwehren, von denen die Oldhorster die kleinste ist. Wenn man grundsätzlich sagt, sie soll Bestand haben, dann braucht sie auch ein vernünftiges Fahrzeug. Ein neues KLF hätte auch einen 500-Liter-Wassertank an Bord. Mit der Anschaffung würde der im Bedarfsplan genannte Mangel beseitigt, dass das Dorf zurzeit über kein zeitgemäßes Fahrzeug verfügt.

Unseren Bericht zur Präsentation des Feuerwehrbedarfsplans der Stadt Burgwedel im Juni 2017 lesen Sie unter http://www.haz.de/Umland/Burgwedel/Nachrichten/Stadt-Burgwedel-Feuerwehr-Bedarfsplan-Politik-Fuhrpark

Von Martin Lauber

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