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Burgwedel Kein neues Bauland für die Kernstadt
Aus der Region Region Hannover Burgwedel Kein neues Bauland für die Kernstadt
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00:41 11.06.2018
Michael Cewe (links) und Friedrich-Wilhelm Stünkel gehört die mehr als 2,5 Hektar große Fläche zwischen der Straße Am Mühlenfeld und dem Gewerbegebiet. Für die spätere Bebauung hatten sie eine eigene Ideenskizze entwickelt. Quelle: Martin Lauber
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Großburgwedel

Bauland für Einfamilien-, Reihen- und Mehrfamilienhäuser für bis zu 250 Menschen: Nur Eingeweihte wussten, dass die Stadt seit 2015 dabei war, sich für ein neues Wohngebiet in Großburgwedel an der Straße Am Mühlenfeld Flächen zu sichern – still und leise, wie bei Grundstücksgeschäften üblich. Zentrumsnah sollte ein Wohngebiet entwickelt werden, für das zahlreiche Bürger in Workshops Ideen und Wünsche beigetragen hatten – ohne den konkreten Standort des Projektes zu kennen. Umso überraschender kam nach gut drei Jahren Vorarbeit jetzt das Stopp-Signal. Nachdem die CDU-/FDP-Mehrheitsgruppe im Februar in nichtöffentlicher Bauausschuss-Sitzung die Pläne noch abgenickt hatte, sagte sie im ebenso vertraulich tagenden Verwaltungsausschuss (VA) im Mai plötzlich Nein zum Ankauf des Grundstücks.

Das ist die Lage des Grundstücks, dessen Ankauf der Verwaltungsausschuss abgelehnt hat. Quelle: Llorens Gracia , Amparo

Wer VA-Mitglieder nach ihrem Abstimmungsverhalten befragt, stößt mit Hinweis auf die Verschwiegenheitspflicht auf eine Mauer des Schweigens. Allenfalls abstrakt lassen sich die Grundpositionen abklopfen. So erklärte auf Anfrage Joachim Lücke, Sprecher der Gruppe SPD/WEB/Die Partei, vielsagend: „Wir würden ein solches Projekt niemals ablehnen.“ Es sei doch bekannt, dass Firmen händeringend in Großburgwedel Wohnraum für Mitarbeiter suchten und dass Burgwedel regionsweit die einzige Kommune sei, die schrumpfe und stramm in die Überalterung marschiere. Sebastian Müller (CDU) verklausulierte das Nein der von ihm angeführten CDU-/FDP-Gruppe zum Baulandkauf so: „Unser Standpunkt ist klar: Wir wollen moderates Wachstum. Aus unserer Sicht sollte die Stadt nicht zentriert entwickelt werden.“ Nach dem Pöttcherteich-Wohngebiet in Großburgwedel seien die Ortschaften an der Reihe. Und, so Müller: „Wir werden uns auch nicht treiben lassen.“

Auf Basis dieser Ideenskizze kommen die Grundstückseigentümer auf rund 100 Wohneinheiten, die an der Straße Am Mühlenfeld entstehen könnten – nach ihrer Aussage Wohnraum für bis zu 250 Personen. Quelle: privat

Während Bürgermeister Axel Düker nur die mehrheitliche Ablehnung des Ankaufs bestätigt, ist einigen Stadtbediensteten der Frust anzuhören über das jähe Aus der Zukunftsplanung für die Kernstadt. Eine Arbeitsgruppe hatte sich zwei Jahre lang hineingekniet in das Projekt, hatte Fortbildungen und Symposien besucht, Wohnprojekte anderer Kommunen studiert, Burgwedels Bürger in Workshops und Arbeitsgruppen an der Planung beteiligt. Die Top-Themen: Barrierefreiheit, generationsübergreifendes Wohnen, bezahlbarer Wohnraum.

Cewe: Fördermittel holen sich andere

Während Verwaltung und Politik beredt schweigen, nehmen Michael Cewe (55) und Friedrich-Wilhelm Stünkel (67) kein Blatt vor den Mund. Den beiden gehören die fraglichen 2,5 Hektar auf der westlichen Seite der Straße Am Mühlenfeld, deren Ankauf der Verwaltungsausschuss im Mai ablehnte. Das Areal ist rundum erschlossen und per Schallgutachten, das die Stadt in Auftrag gegeben hat, als geeignet befunden worden. Cewe besitzt seinen größeren Anteil des Areals seit 1987, Stünkels Drittel ist seit gut 100 Jahren in Familienbesitz.

Stünkel berichtet: Als er 2015 im Rathaus angefragt habe, ob sein Land für ein Wohngebiet interessant sein könnte, habe er offene Türen eingerannt - kein Wunder bei Hunderten von Namen auf der Warteliste für kommunales Bauland. Er selbst wollte auch für sich in einem eigenen Mehrfamilienhaus einen Alterswohnsitz Am Mühlenfeld schaffen. Viele Eigenheimbesitzer in Burgwedel wollten sich ebenfalls „umstrukturieren“, sagt der 67-Jährige. Außer für Eigentums- sei deshalb der Bedarf auch an Mietwohnungen extrem hoch.

Die beiden begannen, eigene Ideen zu entwickeln. Cewe nahm sogar mit Ehefrau und Tochter am Workshop „Wie wollen wir leben?“ im Amtshof teil. Heraus kam im Abstimmung mit der Verwaltung eine Ideenskizze für ein Baugebiet, in dem sich die Gebäude von eingeschossig am Siedlungsrand bis zur Dreigeschossigkeit Richtung Gewerbegebiet staffeln. Unterm Strich könnten 18 Einfamilienhäuser, 26 Wohnungen in zweigeschossigen und 56 weitere Wohnungen in dreigeschossigen Mehrfamilienhäusern gebaut werden“, sagt Cewe: „Wohnraum für 200 bis 250 Personen.“ Schon im September 2017 hatten Stadt und Grundstückseigentümer sich über den Kaufpreis geeinigt, im Februar nickte der Bauausschuss ab. „Was mich so sehr enttäuscht ist, dass man nach so viel Arbeit und Kosten im letzten Augenblick plötzlich Nein sagt“, erklärt Cewe. Stünkel hält den VA-Beschluss für „arrogant“, Cewe allemal für einen Fehler: „Man sollte ausnutzen, dass die Zinsen jetzt so niedrig sind“, meint er. Andere Kommunen würden sich Fördermittel sichern, um bezahlbare Mietwohnungen zu schaffen.

„Völlig an der Zukunft vorbei“

Und was meinen Bürger, die an den Workshops zur baulichen Weiterentwicklung Großburgwedels mitgearbeitet haben? „Wir brauchen Wohnraum für Otto Normalverbraucher“, sagt Monika Zecheus-Otto. Viel zu spät habe die Stadt den Mietwohnungsbau auf die Agenda genommen. Werde der überfällige Anlauf jetzt abgewürgt, sei das „völlig an der Zukunft vorbei“ und werde die Bürgerbeteiligung zur Alibi-Veranstaltung. Für Rüdiger Holze ist der Hinweis auf Wohngebiete in den Ortsteilen wenig hilfreich: Er will in der Kernstadt bleiben, dort, wo Ulrich Mingram (61) aus Wettmar und seine Frau mittelfristig hinziehen wollen. Etwas Bezahlbares zu finden, sei aber schwer. Axel Lodyga, für Immobilien zuständiger Vertriebsdirektor bei der Sparkasse in Großburgwedel, kann das nur bestätigen: „Hier wollen viele herziehen, auch Familien. Ich habe Stammkunden, die händeringend etwas suchen.“ Deshalb, so Lodyga, „wäre ein größeres Angebot schön“.

Der Kommentar: Ein explosives Nein

Dieser Beschluss könnte der CDU-/FDP-Mehrheit so richtig um die Ohren fliegen. Denn der komplette Miet- und Immobilienmarkt steht insbesondere in Großburgwedel seit Jahren unter Hochdruck, weil das Angebot einfach viel zu klein ist. Das unter mehrjährigen Wehen endlich auf den Markt gebrachte Pöttcherteich-Bauland ist heillos überbucht. Und an das Thema bezahlbarer Wohnraum tastet die Stadt sich dort allenfalls vorsichtig heran – mit einer Handvoll Wohnungen, deren Miete vertraglich gedeckelt werden soll.

Ist es vor diesem Hintergrund nachvollziehbar, dass die Ratsmehrheit von einem gut durchmischten Wohngebiet in fußläufiger Entfernung zum Zentrum und zu den Schulen nichts wissen will? Ihre Entscheidung werden CDU und FDP den Menschen und Firmen gut erklären müssen, die für sich oder für Mitarbeiter händeringend Wohnraum in Großburgwedel suchen. Und auch den Bürgern und Verwaltungsmitarbeitern, die sich mit großem Engagement in die Stadtplanung eingebracht haben. Nicht, dass noch jemand auf die Idee kommt, dass das Klientelpolitik sein könnte. Knappes Angebot hält die Bodenpreise hoch – ja, auch so etwas war schon aus dem Mund eines prominenten Burgwedeler Christdemokraten zu hören.

Von Martin Lauber

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