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Burgwedel Ministerin fordert mehr Akzeptanz für Landwirte
Aus der Region Region Hannover Burgwedel Ministerin fordert mehr Akzeptanz für Landwirte
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00:30 08.06.2018
Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (links) nimmt den selbst angebauten Spargel des Langenhagener Hofs Schmidt-Nordmeier unter die Lupe. Quelle: Elena Everding
Isernhagen

Nach zwei Stunden Vortrag, vielen Fragen und Antworten beugte ein Zuhörer sich zum Platznachbarn: „Ich glaube“, flüsterte er, „die weiß ganz gut Bescheid.“ Die Anerkennung galt Niedersachsens Agrarministerin Barbara Otte-Kinast. Milchvieh, Ackerbau und Biogas sind die Säulen des Betriebes, den die Landwirtstochter und staatlich geprüfte Ländliche Hauswirtschaftsleiterin im Weser-Bergland gemeinsam mit ihrem Mann geführt hat – bis sie letzten November ins Kabinett der rot-schwarzen Landesregierung wechselte.

Barbara Otte-Kinast während des Diskussionsabends in Voltmers Hof in Isernhagen H.B. Quelle: Martin Lauber

Mit dieser Vita ist die 54-jährige Christdemokratin genau die Richtige, um die Vorgabe des CDU-Landtagsabgeordneten Rainer Fredermann für diesen Abend zu erfüllen: Nachdem ihr grüner Amtsvorgänger das Land eher gespalten habe, hoffe er, sagte Fredermann, dass es Otte-Kinast nun gelinge, neues Vertrauen aufzubauen. Und erklären möge sie auch bitte, „wie wichtig es ist, dass es in Niedersachsen eine große konventionelle Landwirtschaft gibt“.

Da ist wohl nicht viel Reibung zu erwarten bei diesem Auditorium: Unter den rund 80 Personen im Saal von Voltmers Hof in Isernhagen H.B. sind nur wenige, die nicht konventionell wirtschaften. Und für diese Landwirte wolle sie mehr Akzeptanz, ein „Wir von Politik und Landvolk“. Und dass „man gut umgeht mit den Menschen, die den Job machen, Lebensmittel zu produzieren“. Es war ein Heimfreundschaftsspiel, bei dem die Sorgen der Branche im Modus von Fachgesprächen abgehandelt werden können.

Otte-Kinast lässt das vorbereitete Manuskript liegen, schildert die für sie unerwartete Weite ihres Ressorts, das neben Ernährung und Verbraucherschutz auch die Zuständigkeit für Fischerei und Forst beinhaltet. Dass es einen Nährstoff-Überschuss gibt, der das Grundwasser bedroht, „das können wir nicht weglügen“, sagte die Ministerin. Da herrsche Handlungsbedarf – gemeinsam mit dem SPD-Umweltminister habe sie deshalb eine „Werkstatt“ zum Thema Dünger eingerichtet. Flächenfraß ist ein weiteres großes Thema, das die Landwirte bewegt. Im Fokus haben diese dabei nicht Mais-Monokulturen, sondern Riesenhallen von Logistikern sowie die dafür vorgeschriebenen Kompensationsflächen. „Das muss gestoppt werden. Wir brauchen einen qualifizierten Flächenausgleich“, so die Ministerin. Sie verwies auf Landkreise, die eigens dafür einen Pool nicht landwirtschaftlich genutzter Flächen vorhalten.

Heinrich Bätke betreibt seine Landwirtschaft im Nebenerwerb im Zusammenschluss mit anderen. „Größe ist nicht böse“ – diese Botschaft empfahl der Isernhagenerin der Ministerin für agrarpolitische Verhandlungen mit Berlin und Brüssel. Und einen Gruß gab er ihr mit auf den Weg an Sohn Moritz, der in der Berufsfachschule sein Schüler war. Alle drei Kinder der Ministerin stehen in den bäuerlichen Fußstapfen ihrer Eltern. Der Beruf sei mittlerweile Kult, freute sich Otte-Kinast. Wer Messen besuche oder Agrar -Blogs lese, erkenne, dass die Stimmung gar nicht so schlecht sei. „Diesen Schwung müssen wir mitnehmen.“

Und dann gab es natürlich die obligatorischen Aufreger. Glyphosat: Solange wissenschaftlich nicht sicher erwiesen sei, dass das Pestizid Krebs erregt, habe sie „persönlich“ kein Problem damit, wenn es von Landwirten korrekt und niedrigst dosiert eingesetzt wird. Problematisch sei der unsachgemäße Gebrauch durch Hausbesitzer und Kleingärtner, die den Unkrautvernichter im Versandhandel ordern könnten. Gesundheitsvorsorge müsse andersherum funktionieren, hielt eine Zuhörerin dagegen. Solange die Unschädlichkeit von Glyphosat für den Menschen nicht bewiesen sei, müsse es aus dem Verkehr gezogen werden.

Fast allein stand die selbe Zuhörerin auch mit ihrer Auffassung zum Aufreger-Thema 2: den heimlich gedrehten Videos aus verdreckten und überfüllten Mastställen der Tierschutzorganisation Peta. Otte-Kinast hatte vor kurzem Schlagzeilen gemacht, als sie die Gemeinnützigkeit von Organisationen wie Peta infrage stellte. Die kritische Zuhörerin erinnerte an ein höchstrichterliches Urteil, nach dem es sich bei einem angezeigten Stalleinbruch um einen „rechtfertigenden Notstand“ gehandelt habe – zum Schutz der Tiere. Otte-Kinast zeigte null Verständnis dafür: Jedermann habe doch die Möglichkeit, Missstände bei der Tierhaltung notfalls auch anonym zu melden.

Am Nachmittag hatte Otte-Kinast gemeinsam mit Fredermann einen Bauernhof an der Walsroder Straße in Langenhagen besucht. Mit den Hofinhabern Edgar und Marina Schmidt-Nordmeier sprach sie über Spargelanbau, Saisonarbeit, Sozialversicherungsbeiträge für die Saisonkräfte sowie über die Schwierigkeit, angesichts steigender Löhne in Polen Arbeiter zu finden. Die Ministerin schaute sich die Unterkünfte der Saisonkräfte an und versuchte sich auch kurz beim Spargelstechen: Eine anstrengende Arbeit sei das, so die Ministerin, vor der sie Hochachtung habe.

Von Martin Lauber

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