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Garbsen Hier üben die Feuerwehren für einen Waldbrand
Aus der Region Region Hannover Garbsen Hier üben die Feuerwehren für einen Waldbrand
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00:26 04.06.2018
So übt die Feuerwehr für mögliche Waldbrände in Garbsen. Quelle: Gerko Naumann
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Osterwald


18.32 Uhr: Der Monitor an der Wand im Gerätehaus der Feuerwehr Osterwald Unterende zeigt es unbarmherzig an: Selbst am frühen Abend herrschen im Freien noch Temperaturen von 28 Grad. Viele der rund 50 Feuerwehrleute aus Osterwald, Frielingen Horst, Berenbostel, Garbsen sowie Otternhagen (Neustadt), die sich dort zu einer Übung versammeln, wären jetzt vermutlich lieber am Badesee. Sind sie aber nicht. Stattdessen hören sie den Anweisungen von Ortsbrandmeister Ingo Wittrock zu, der gemeinsam mit seinem Vorgänger Klaus-Dieter Jäkel eine aufwendige und körperlich anstrengende Übung vorbereitet hat.

„Es geht heute um ein sehr aktuelles Thema, wir üben die Bekämpfung eines Waldbrandes“, ruft Wittrock. Das ist auch der Grund, warum vor dem Gerätehaus die größten Fahrzeuge stehen, die die Feuerwehr neben der Drehleiter aufzubieten hat. Es sind allein fünf Tanklöschfahrzeuge (TLF), die in ihren Tanks jeweils 2500 Liter Wasser transportieren können. „Die größte Herausforderung wird sein, das Wasser dahin zu bekommen, wo es in unserem Szenario brennt“, erklärt der Ortsbrandmeister. Denn: Im Wald gibt es keine Hydranten – und selbst 12.500 Liter sind bei einem echten Einsatz kaum mehr als der sprichwörtliche Tropfen auf dem heißen Stein.

Ingo Wittrock (links) und Klaus-Dieter Jäkel von der Feuerwehr Osterwald Unterende haben die anspruchsvolle Übung geplant. Quelle: Gerko Naumann

19.12 Uhr: Die logistische Arbeit beginnt schon außerhalb des Waldes. „Hier steht der letzte Hydrant“, sagt Wittrock und deutet auf einen unauffälligen, mit Erde bedeckten Gullydeckel im Gebüsch am Großen Weg. An dieser Stelle kommen die Ehrenamtlichen der Feuerwehr Frielingen ins Spiel. Sie haben die undankbare, aber wichtige Aufgabe, Schläuche von dort aus in Richtung Wald zu verlegen – über eine Strecke von etwa einem Kilometer. Spätestens auf der Hälfte des Weges läuft bei den Feuerwehrleuten der Schweiß in Strömen. „Das ist ganz schön anstrengend, vor allem bei der Wärme“, sagt Daniel Meyer von der Feuerwehr Osterwald Unterende, der seine Kameraden aus Frielingen unterstützt.

Helfer aus Frielingen und Osterwald Unterende verlegen Schläuche auf einer Strecke von einem Kiloemeter. Quelle: Gerko Naumann

19.39 Uhr: Die Schläuche liegen. Sie enden an einer Kreuzung im Wald. „Hier richten wir eine Art Tankstelle ein, an der die Löschfahrzeuge immer wieder mit Wasser befüllt werden“, sagt Wittrock. Für die Anfahrt zur fingierten Brandstelle haben die Verantwortlichen bereits vorher eine Route aufgezeichnet. Sie fahren immer die gleiche Strecke im Kreis (der eigentlich ein Rechteck ist), damit immer ausreichend Wasser zum Löschen vorhanden ist. „Genau so würde das im Ernstfall auch ablaufen“, sagt Wittrock.

Auf einem Waldweg werden die Tanks der Löschfahrzeuge immer wieder befüllt. Quelle: Gerko Naumann

19.55 Uhr: Mitten im Wald wird jetzt in regelmäßigen Abständen der wichtigste Satz des Tages gerufen, er lautet: „Wasser marsch!“ Nun zeigt sich, dass sich die bisherige Arbeit und die akribische Planung gelohnt hat. Die Feuerwehrleute an der Front geben mit ihren Schläuchen bis zu 800 Liter pro Minute ab. Zusätzlich zu den pendelnden Fahrzeugen steht ein 3000 Liter fassendes Becken bereit. „Damit überbrücken wir die Zwischenzeiten, damit es keinen Leerlauf gibt“, sagt Wittrock.

„Wasser marsch“: Mit rund 800 Litern pro Minute können die Retter im Ernstfall löschen. Quelle: Gerko Naumann

21.05 Uhr: Wittrock wirkt mittlerweile relativ entspannt. Der Kreislauf zwischen dem Befüllen der Fahrzeuge und dem Löschen im Wald funktioniert nahezu reibungslos. Deshalb hat der Ortsbrandmeister sogar schon Zeit für ein erstes Fazit: „Dafür, dass wir solche Szenarien auch nicht oft üben, bin ich sehr zufrieden.“ Vor allem die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Feuerwehren – sogar über die Stadtgrenze hinaus – habe vorbildlich funktioniert. „Es ist toll zu sehen, dass die Leute alle ihr Handwerk beherrschen“, lobt Wittrock. Schließlich seien alle Helfer ehrenamtlich dabei und haben noch einen eigentlichen Beruf. Sollte es tatsächlich zu einem Waldbrand kommen, seien die Helfer gut vorbereitet. „Wir wissen jetzt, wie viel Personal und Material wir brauchen und wie wir genügend Wasser schnell in den Wald bekommen.“

Die Feuerwehren aus Garbsen haben in Osterwald möglichst realistisch ihr Vorgehen bei einem möglichen Waldbrand geübt. Quelle: Gerko Naumann

21.21 Uhr: Eigentlich könnte jetzt die Übung enden und der gemütliche Teil, ein gemeinsamer Imbiss im Gerätehaus, beginnen. Doch davor steht noch der vielleicht körperlich anspruchsvollste Punkt auf der Liste: das Zusammenrollen der nassen Schläuche. Aber wer sich freiwillig einer Herausforderung wie einem Waldbrand stellt, wird auch das gemeinsam schaffen.

Julian Dahle ist stellvertretender Ortsbrandmeister in Osterwald Unterende. Quelle: Gerko Naumann

Interview: „Die Gefahr steigt täglich“

Nachgefragt bei: Julian Dahle, stellvertretender Ortsbrandmeister der Feuerwehr Osterwald Unterende

Wie wahrscheinlich ist ein Waldbrand in Garbsen, Herr Dahle?

Die Wahrscheinlichkeit steigt bei den aktuellen Temperaturen täglich. Vor allem, weil wir seit Wochen keinen Regen mehr hatten.

Wann gab es hier zuletzt einen Waldbrand?

Das kommt darauf an, wie man den Begriff definiert. Flächenbrände, zum Beispiel von Gestrüpp, auf einem Gebiet von bis zu 1000 Quadratmetern kommen regelmäßig vor. Da sprechen wir aber noch gar nicht von einem Waldbrand. Dass wirklich viele Bäume in einem Wald in Garbsen gebrannt haben, ist sicher 25 Jahre her.

Was kann jeder tun, um ein solch folgenschweres Feuer zu verhindern?

Vor allem keine brennenden Zigarettenkippen in den Wald werfen. Außerdem sollte man sein Auto nicht direkt auf dem trockenen Gras abstellen, das kann sich entzünden. Und ganz wichtig: Keine Glasflaschen im Wald zurücklassen. Scherben wirken wie ein Brennglas und erhöhen die Gefahr dramatisch.

Was ist für die Arbeit der Feuerwehren bei so einem Einsatz das Wichtigste?

Waldbrände können sich bei entsprechendem Wind rasend schnell ausbreiten. Deshalb zählt wirklich jede Sekunde. Wer einen Brandherd sieht, sollte so schnell wie möglich die 112 wählen. Man darf nicht vergessen: Solche Einsätze gehören auch für uns Feuerwehrleute zu den gefährlichsten. Es gibt immer wieder schwere Unfälle, bei denen sogar Helfer ums Leben kommen.

Interview: Gerko Naumann

Von Gerko Naumann

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