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Garbsen Bestattungskultur auf den Friedhöfen ändert sich
Aus der Region Region Hannover Garbsen Bestattungskultur auf den Friedhöfen ändert sich
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12:07 05.11.2018
Die Verwaltung lässt auf den Friedhöfen bewusst viele Grünflächen. Quelle: Linda Tonn
Berenbostel

 Es sind wenige Zentimeter, die aber eine Menge ausmachen: Nach und nach lässt die Stadt die Holzbänke auf dem Friedhof Berenbostel durch Modelle aus Stahl ersetzen. Und die sind vor allem höher und damit seniorengerechter. „Da kommt man jetzt viel leichter wieder hoch und sitzt bequemer“, sagt Wilhelm Meine von der Abteilung Stadtgrün und Friedhöfe. Wenig wetteranfällig seien sie obendrein. Die neuen Bänke sind nur ein Indiz dafür, dass sich die Friedhöfe – eher ein Sinnbild für Stillstand und Tod – stetig verändern. So sehr, das Meine sogar schon von „Trends beim Bestatten“ und „Moden bei Grabsteinen“ spricht.

Angehörigen Grabpflege ersparen

Er kennt die städtischen Friedhöfe in Garbsen wie fast kein anderer, hat die Zahl der Grabstätten im Kopf, weiß, welche Regeln es zur Bepflanzung gibt, und beobachtet, wie sich die Wünsche der Garbsener für ihre eigene Bestattung oder die ihrer Angehörigen verändern. Der Totenmonat November mit den Feiertagen Allerheiligen, Allerseelen und dem Volkstrauertag wird den Friedhof und das Gedenken an die Verstorben wieder verstärkt ins Bewusstsein vieler Garbsener rücken. „Ich merke aber, dass sich der Bezug der Menschen zum Friedhof wandelt“, sagt Meine.

Häufig stehe bei der Bestattung im Vordergrund, den Angehörigen Pflege zu ersparen, und dann falle bei immer mehr Menschen die Wahl auf ein pflegeleichtes Urnengrab. „Die sind gefragt wie nie“, sagt Meine. Im vergangenen Jahr wurden auf den städtischen Friedhöfen 310 Menschen beigesetzt – 175 in Urnen und 135 in Särgen. Auf dem Friedhof Berenbostel wird sogar extra Platz für neue Urnengräber geschaffen. „In letzter Zeit hatte ich auch immer wieder Anrufe von Menschen, die anonym beigesetzt werden wollten“, erzählt Meine, dessen Abteilung die Anfragen der Angehörigen entgegennimmt. Für Blumen und Kränze ist dann auf dem Friedhof Berenbostel lediglich eine allgemeine Gedenkstelle vorgesehen.

Das sind die Friedhöfe in Garbsen

Insgesamt neun Friedhöfe gibt es im Stadtgebiet Garbsen, darunter vier städtische und fünf konfessionelle. Die städtischen Friedhöfe Auf der Horst (Planetenring), Berenbostel (Auf dem Schacht), Schloß Ricklingen (Lönsweg) und Stelingen (Hinter der Worth) wurden 1974 im Rahmen der Gebietsreform durch den Zusammenschluss mehrerer selbstständiger Gemeinden in die Verwaltung der neuen Stadt Garbsen übernommen. Damals war noch der Friedhof Heitlingen dabei, der 1983 vertraglich der evangelischen Kirchengemeinde Osterwald übertragen wurde. Wer auf einem städtischen Friedhof beigesetzt werden will, muss Garbsener Bürger sein. Die Konfession spielt keine Rolle. Auf dem städtischen Friedhof am Planetenring gibt es eine Abteilung für muslimische Begräbnisse. Die konfessionellen Friedhöfe sind neben Heitlingen der evangelische Friedhof Altgarbsen, der evangelische Friedhof Horst, der evangelische Friedhof Schloß Ricklingen und der evangelische Friedhof Osterwald. ton

„Eine anonyme Bestattung sollte man sich wirklich gut überlegen“, findet Beate Butsch von der Abteilung Stadtgrün. Denn obwohl der Bezug zur Religion immer weniger werde und viele Angehörige weit weg vom Friedhof ihrer verstorbenen Familienmitglieder wohnten, sei der Wunsch oft groß, an einer bestimmten Stelle etwas abzulegen und zu wissen, wo der Verstorbene liegt. „So ganz ohne Grab geht es für viele dann doch nicht.“

Eine Vielfalt an Bäumen

Süßkirsche, Maibirke, Roterle, Gingko: Rund 570 Bäume von mehr als 25 Arten stehen auf dem Friedhof in Berenbostel. „Es gibt viel alten Baumbestand“, sagt Beate Butsch von der Abteilung Stadtgrün und Friedhöfe. Darauf werde viel Wert gelegt. Regelmäßig werden die Bäume gezählt und katalogisiert. Die Liste reicht von A wie Acer plataniodes (Spitzahorn) bis U wie Ulmus glabra (Bergulme). Ein Friedhof sei mehr als ein Ort der Trauer, sagt Butsch. „Hier gibt es ganz besonders viel Grün und die Natur kann sich frei ausbreiten.“ Auch das sei für eine Stadt wichtig. Die Artenvielfalt lässt den Friedhof während der verschiedenen Jahreszeiten in verschieden Farben leuchten – im Sommer spenden die Bäume Schatten, im Herbst sorgen sie für eine bunte Blätterdecke. Zudem locken sie Vögel an, die die Stille des Friedhofs mit ihrem Gezwitscher durchbrechen. „Das sind die lebendigen Seiten des Friedhofs“, sagt Butsch. ton

5.500 Menschen können auf dem Friedhof Berenbostel auf einer Gesamtfläche von mehr als 15 Hektar ihre letzte Ruhestätte finden – und dafür gibt es ganz unterschiedliche Möglichkeiten. Aus einem ganzen Katalog kann ausgewählt werden. „Uns ist es wichtig, gut zu beraten und die passende Grabstätte zu finden“, sagt Butsch. Ein Anruf in der Abteilung genügt. Viele Garbsener wüssten auch gar nicht, wie vielfältig die Bestattungsformen seien: Es gibt gärtnergepflegte Rasenreihengräber mit nur einer kleiner Namensplakette, Reihengrabstätten und Wahlgrabstätten mit unterschiedlichen Gestaltungsmöglichkeiten und anonyme Gräber. In Reihengrabstätten wird das Grab nach 30 Jahren eingeebnet, Wahlgrabstätten können beliebig oft verlängert werden.

Regeln für die Gestaltung

Ein Rundgang über den Friedhof zeigt, was die Verwaltungsmitarbeiterin mit „vielfältigen Bestattungsformen“ meint: Dicht bepflanzte große Familiengräber mit auffälligen Steinen und Blumenschmuck, liegen neben kompakten Urnengräbern, die weniger Platz für Pflanzen bieten. Die regelmäßig gemähten Rasenreihengräber lassen an Soldatenfriedhöfe denken, in einer ruhigen Ecke sind Kinder in kleinen Gräbern beerdigt. Laut Friedhofsordnung gibt es Gräber mit „allgemeinen“ und mit „zusätzlichen Gestaltungsvorschriften“ – kurz: es ist geregelt, wie die Gräber bepflanzt werden dürfen, wie hoch der Stein und wie breit die Grabplatte.

Die Stadt lege Wert darauf, dass alle Gräber gepflegt werden, sagt Meine. „Bei der allgemeinen Gestaltung ist man freier. Alles ist möglich, was nicht der Würde des Friedhofs widerspricht.“ Beim Gang zwischen den Gräbern entlang weist er immer wieder auf besonders kreativ gestaltete Grabsteine hin. Neben christlichen Symbolen wie Kreuzen und Engeln trifft man immer wieder auf sehr persönliche Motive wie eine Schneiderpuppe, eine Brücke und einen Flötenspieler. „Daran, wie viele Steine gestaltet sind, erkennt man auch, dass Menschen auch ohne Religion den Friedhof als Erinnerungsort brauchen“, sagt Butsch. Und das werde sich so schnell auch nicht ändern.

Von Linda Tonn

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