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Garbsen Vier Festnahmen nach Großbrand in Garbsen
Aus der Region Region Hannover Garbsen Vier Festnahmen nach Großbrand in Garbsen
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15:52 03.06.2018
Am Sonntag sind von der Halle nur noch Trümmer übrig. Mitarbeiter der Bowlinganlage versuchen zu retten, was zu retten ist. Quelle: Anke Lütjens
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Garbsen

Auch am Morgen nach dem Großbrand der Halle von US Sports Bowling und Spielparadies zieht Rauch über die völlig ausgebrannten Gebäudeteilen und beißender Feuergeruch wabert umher. In den Gesichtern der Schaulustigen, die sich am Sonntagmorgen an der Straße postiert haben und mit ihren Handys das unfassbare Bild dokumentieren, spiegelt sich Sensationslust und Fassungslosigkeit. „Ich habe die Rauchwolke von meinem Fenster in Berenbostel aus gesehen“, sagt ein Radfahrer. „Das war beängstigend.“ Hastig versuchen die Mitarbeiter der Indoor-Sporthalle mit Absperrband die Menschen zurückzudrängen. Sie durchsuchen die Trümmern nach allem, was noch zu retten ist. Viel haben die Flammen nicht übrig gelassen.

Ermittlungen gegen vier Mitarbeiter

Das Feuer im Industriegebiet Am Bahlbrink war am Sonnabend gegen 16 Uhr gemeldet worden. Am Brandort stieg eine riesige Brandsäule empor, die weit über die Stadtgrenzen von Garbsen aus zu sehen war. Innerhalb kürzester Zeit stand die komplette Halle von US Sports Bowling in Flammen. Sie brannte bis auf die Grundmauern nieder. Es entstand ein Millionenschaden. Auf dem knapp 4500 Quadratmeter großen Areal waren ein Indoor-Spielplatz für Kinder, eine Bowling-Bahn sowie Squash-, Badminton- und Tennisplätze untergebracht. Wegen des vielen Rauchs mussten Anwohner auch noch in den Abendstunden Fenster und Türen geschlossen halten.

Noch am Sonnabend hatte die Polizei mitgeteilt, dass wegen fahrlässiger Brandstiftung gegen vier 22, 32, 38 und 49 Jahre alte Mitarbeiter einer Firma aus Baden-Württemberg ermittelt werde. Laut Polizei waren die Angestellten mit Schweißarbeiten auf dem Dach des Gebäudes beschäftigt und hatten dabei das Feuer verursacht. Inzwischen wurden sie wieder entlassen. Die Ermittlungen dauern an.

250 Einsatzkräfte vor Ort

Die Feuerwehr hatte zunächst versucht, den Brand von innen zu löschen, sich aber wegen der großen Hitze schnell wieder zurückgezogen. Kurz danach entschieden sich die Verantwortlichen, das Gebäude kontrolliert abbrennen zu lassen und die benachbarten Gebäude vor einem Übergreifen der Flammen zu schützen. Mit Drehleitern, Wasserwerfern und Strahlrohren kämpften die Feuerwehrleute gegen die lodernden Flammen. Mehrere Wasserleitungen mussten verlegt werden, auch der nahegelegene Schwarze See wurde angezapft. Gegen 19.30 Uhr habe man das Feuer unter Kontrolle gehabt, sagt Garbsens Feuerwehrsprecher Stefan Müller.

Zu Spitzenzeiten seien mehr 250 als Einsatzkräfte vor Ort gewesen, sagt Müller. „Es wurden alle zehn Ortsfeuerwehren der Stadtfeuerwehr Garbsen sowie weitere Drehleitern und Löschfahrzeuge der Feuerwehren Seelze, Hannover, Neustadt und Langenhagen alarmiert.“

Als der Brand ausbrach, waren 20 Kinder mit drei Begleitern in der Halle des Indoor-Spielparadieses Kids Fun World bei einem Kindergeburtstag. Sie konnten rechtzeitig aus dem Gebäude gerettet werden. Ein sechsjähriges Mädchen und zwei 28 und 58 Jahre alte Frauen erlitten leichte Verletzungen und wurden in der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) behandelt. Vorsichtshalber wurde auch der Rest der Gruppe dort untersucht. Bei dem Einsatz wurde auch eine Feuerwehrfrau leicht verletzt.

Brände wecken schlimme Erinnerungen

In Garbsen wecken lodernde Flammen, Rauch und zerstörte Gebäude schlimme Erinnerungen. Schnell sind die Gedanken bei der Brandserie zwischen 2011 bis 2013, die ihren traurigen Höhepunkt in der brennenden Willehadi-Kirche hatte. In der Nacht zum 30. Juli 2013 zündeten Unbekannte das Gotteshaus an, mehr als 140 Feuerwehrleute kämpften damals stundenlang gegen die Flammen. Im Mai 2017 war die Angst vor den Brandstiftern wieder da: Auslöser war eine Serie von sieben zeitlich dicht aufeinanderfolgenden Brandstiftungen in Auf der Horst. Auch im benachbarten Stadtteil Havelse brannte es an einer Bushaltestelle. Damals waren es meistens Müllcontainer, die angezündet wurden. Der größte Brand in diesem Jahr ereignete sich am 22. März. Im Stadtteil Altgarbsen brannte ein Dachstuhl lichterloh. Ein 27-Jähriger wurde verletzt, 80 Einsatzkräfte waren vor Ort. ton

B6 gesperrt

Wegen des Feuerwehreinsatzes musste die Polizei die B6 in Garbsen für Autofahrer in Richtung Hannover sperren. Auf der Strecke bildete sich in beide Fahrtrichtungen ein kilometerlanger Stau, auch die Ausweichstrecken waren schnell überlastet. In den Abendstunden wurde die Strecke wieder freigeben.

Unternehmer eilen zu ihren Geschäften

Schnell sammelten sich am Brandort hunderte Schaulustige. Viele filmten das Geschehen. Besorgt und hilflos beobachtete Mohammad Hleis mit seiner Familie die Löscharbeiten. Der Libanese betreibt unmittelbar neben der Bowling-Halle ein Elektro- und Möbelhaus. Zwei seiner Transporter und ein geparkter Imbisswagen wurden durch die Hitze beschädigt. „Wir durften kurz in unser Geschäft schauen. Es sieht aus, als wenn nichts zerstört wurde“, sagte Hleis. Unmittelbar neben der Indoor-Anlage lebt und arbeitet auch Gerhard Janz als Hausmeister. Im Gebäude befinden sich unter anderem ein Angelgeschäft und eine Kampfsportschule. „Als wir das Feuer sahen, haben wir die wichtigsten Sachen und unsere Katze ins Auto geladen“, sagte er.

Erleichterung und Dank

Gegen 21 Uhr habe man die Zahl der Einsatzkräfte verringern können, sagt Feuerwehrsprecher Müller. Viele waren dennoch bis spät in die Nacht vor Ort. In den sozialen Netzwerken wir die Nachricht von dem Großbrand vor allem mit Erleichterung und Dank für die Rettungskräfte kommentiert: „Zum Glück konnten sich alle retten“, schreiben etwa Martina Herwig und Bianca Barthel auf Facebook. Yvonne Bartsch kommentiert wie viele andere Leser den Einsatz der Rettungskräfte: „Respekt und ganz großen Dank an alle.“

„Solche Einsätze sind sehr gefährlich“

Nachgefragt bei Einsatzleiter Ingo Reckziegel von der Ortsfeuerwehr Berenbostel

Herr Reckziegel, Sie haben den Einsatz am Sonnabend geleitet, was war die größte Herausforderung?

Nachdem alle Personen in Sicherheit waren, mussten wir neben der Halle auch die benachbarten Gebäude schützen. Dies konnten wir durch den Einsatz von mehreren Rohren auf Drehleitern und acht sogenannten B-Rohren erreichen. Dazu war eine massive Wasserversorgung aus dem Wassernetz der Stadt Garbsen und den umliegenden Seen notwendig.

Wie lange hat der Einsatz gedauert?

Der Einsatz war gegen 6.30 Uhr beendet. Die Nachlöscharbeiten, also das Ablöschen von Glutnestern, gestalten sich bei großen Objekten immer schwierig, weil das nur mit Baggern möglich ist. Das dauert.

Wie gefährlich sind solche Einsätze bei Großbränden?

Sehr gefährlich, weil umliegende Gebäude durch dir große Hitzeentwicklung schnell in Brand geraten können. Außerdem müssen wir bei solchen Objektes immer mit dem Einsturz von Gebäudeteilen rechnen. Das heißt, wir löschen mit größter Vorsicht und aufgrund von Atemgiften im Nahbereich nur mit Atemschutz. Außerdem muss ich dafür sorgen dass die Einsatzkräfte ausreichend Erholung zwischendurch bekommen, da solche Einsätze sehr lange dauern.

Interview: Linda Tonn

Von Stefan Bürgel, Markus Holz, Manuel Behrens und Linda Tonn

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