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Garbsen Urteil: Jobcenter muss Tablet für Schülerin zahlen
Aus der Region Region Hannover Garbsen Urteil: Jobcenter muss Tablet für Schülerin zahlen
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00:20 16.02.2019
„Wir wollen alle Schüler mitnehmen“: Die Arbeit mit Tablets ist ein wichtiger Bestandteil des Unterrichts an der Oberschule Berenbostel. Quelle: dpa
Berenbostel

Rund sieben Stunden mussten Axel Dettmer, Schulleiter an der Oberschule Berenbostel, und sein Kollege Bernd Boeck warten, bis die Richterin am Sozialgericht Hannover endlich das Urteil verkündete: Das Jobcenter muss die Kosten für das Tablet einer Siebtklässlerin übernehmen, deren Eltern Hartz-IV-Leistungen empfangen. „Das ist ein wichtiges Urteil und schafft endlich Klarheit“, sagt Dettmer. Darauf könnten sich nun alle Schüler berufen, die Sozialhilfen empfangen und die Geräte nicht aus eigener Tasche zahlen könnten. Die Eltern der 13-Jährigen hatten geklagt, nachdem das Jobcenter ihren Antrag auf Bezahlung abgelehnt hatte. In einem Eilverfahren hatte das Sozialgericht zunächst entschieden, dass die Behörde die Kosten komplett übernehmen muss – die Entscheidung galt allerdings nur für diesen konkreten Fall. Das abschließende Urteil verpflichtet das Jobcenter ein Darlehen für das rund 370 Euro teure Ipad zu gewähren.

Die Schülerin, deren Familie ihren Namen nicht nennen will, besucht die siebte Klasse der Oberschule. Seit diesem Schuljahr lernen die Jugendlichen verstärkt mit Tablets, die einerseits einen Teil der Bücher ersetzten sollen, andererseits neue und digitale Lernmethoden ermöglichen. Jeder der Schüler arbeitet am eigenen Gerät, das selbst angeschafft werden muss. Langfristig will die Schule alle 500 Schüler mit den mobilen Computern ausstatten. „Uns ist bewusst, dass das vor allem für sozial schwächere Familien eine Herausforderung ist“, sagt Dettmer. Vieler der Oberschüler erhalten Leistungen aus dem sogenannten Bildungs- und Teilhabepaket (BuT). Sie bekommen Zuschüsse etwa für Klassenfahrten und Schulbücher – von Tablets war bislang noch keine Rede. Das hat das Sozialgericht nun geklärt.

Tablets kosten mehr als 300 Euro

„Wir haben lange beraten, ob jeder Schüler das Gerät selbst kaufen muss“, sagt Lehrer Boeck, der für die Koordination der Tablet-Klassen zuständig ist. Auch die Frage des Herstellers sei immer wieder diskutiert worden. Experten seien sich aber einig, dass sich das Wissen nur festigt, wenn man auch zu Hause übe und das Gerät auch außerhalb des Klassenraums nutze, so Boeck, gesteht aber auch, dass mehr als 300 Euro für ein Tablet zu bezahlen ein „Brett“ sei. Für jeden, aber vor allem für sozial schwache Familien. „Wir wollen alle Schüler mitnehmen“, sagt Schulleiter Dettmer. „Auch diejenigen, die knapp über der Fördergrenze liegen.“ Man habe bislang immer Lösungen finden können, wenn sich Eltern das teure Gerät nicht leisten konnten – etwa durch Unterstützung des Fördervereins.

Die Stadt Garbsen kann für die Geräte kein Geld zur Verfügung stellen, unterstützt aber bei der Ausstattung der Klassenräume. „Bei der Digitalisierung hinken viele Schulen hinterher“, sagt Boeck. Er hat dafür gesorgt, dass Klassenräume mit Bildschirmen und einer guten Internetverbindung ausgerüstet sind. Gemeinsam mit Kollegen richtet er die Tablets für die Schüler ein, bietet Schulungen für das Kollegium an und beantwortet technische Fragen. „Die Entwicklungen sind derzeit so rasant, da wollen wir nicht warten.“ In den fünften und sechsten Klassen hat bereits jeder Schüler ein Ipad.

Natürlich sei ein Tablet nicht das Allheilmittel für einen guten Unterricht, sagt Schulleiter Dettmer. Durch den Einsatz könnten Schüler allerdings individueller lernen. „Wir können der großen Bandbreite an Niveaus im Klassenzimmern besser gerecht werden.“ Er habe großes Verständnis dafür, dass nicht nur vor Gericht, sondern auch von vielen Eltern immer wieder kritisch nach dem Nutzen der mobilen Computer gefragt würde. Anders als andere Schulen kann an der Oberschule nicht zwischen einer Klasse gewählt werden, die tabletgestützt lernt und einer, in der das Gerät nicht benötigt wird. „Wir klären aber schon vor der Anmeldung in einem Elterngespräch auf“, sagt Dettmer. Bislang habe man es geschafft, dass alle Schüler ein Tablet haben. Das Urteil des Sozialgerichts helfe entscheidend dabei.

Von Linda Tonn

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