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Garbsen Kalt führt seit 25 Jahren Kita-Trägerverein
Aus der Region Region Hannover Garbsen Kalt führt seit 25 Jahren Kita-Trägerverein
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07:00 07.12.2018
25 Jahre im Dienst guter Kinderbetreuung: Hans-Gert Kalt. Quelle: Markus Holz
Garbsen

Hans-Gert Kalt (72) verantwortet Arbeitsplätze für 67 Mitarbeiter und die Betreuung von 411 Kindern in Krippen, Kindergärten und Horten. Kalt ist Vorsitzender des Paritätischen Vereins für Jugendwohlfahrt Berenbostel. Er macht das seit 25 Jahren ehrenamtlich. Warum? Was treibt ihn an? Findet er einen Nachfolger? Und wie schätzt er die Betreuungslage in Garbsen ein?

Zum Jubiläum aufs Glatteis

Die Mitarbeiterinnen führen ihren Chef zum Dienstjubiläum aufs Glatteis: Sie haben eine dringliche Besprechung angesetzt. Aber statt Akten stehen Kerzen auf dem Tisch, belegte Brötchen, Sekt. Kalt weiß von nichts. Er hetzt in die Runde und wird sprachlos. Geschenke, kurze Reden, Frühstück. Vom Dachverband sind Bianca Titze und Dominik Baier mit Urkunde und dem äußerst selten verliehenen Ehrenabzeichen des Paritätischen Verbandes gekommen.

Sehr viel Wärme und Wertschätzung liegt im Raum. Aber Kalt ist auch nach einer halben Stunde noch sprachlos. Er weiß, er sollte etwas sagen. Es fällt ihm aber schwer, weil er nicht das vorbereiten konnte, was er zu einem solchen Anlass gerne an Worten vorbereitet hätte.

Sekt statt Dienstbesprechung: Das Team der Kindergartenleiterinnen überrascht seinen Chef. Quelle: Markus Holz

Bewerbung um Campus-Kita

Bei Kalt laufen alle Fäden zusammen. Als Elternvertreter hatte er 1993 die Führung übernommen, als der Verein unter Turbulenzen litt. Hauptberuflich Kriminalpolizist, später beim Verkehrsunfalldienst, Schichtarbeit. Die wenige private Zeit steckte der Ehemann und Vater zweiter Söhne in den Verein. „Für die Kinder“, sagt Kalt, „alles nur für eine gute Entwicklung der Kinder, das ist bis heute mein Antrieb – besonders bei den Krippen-Kids.“

Er persönlich habe sonst nichts von diesem Ehrenamt. Und der kleine Verein mit seinen 123 Mitgliedern habe auch nichts von einer neuer Krippengruppe, einem neuen Kindergarten oder Hort, nur mehr Arbeit. Überschüsse gibt es nicht, jeder Kindergartenbetrieb wird eng mit der Stadt abgerechnet. Und trotzdem funktioniert in Garbsen – wie in Pattensen – ein regionsweit exklusives Modell: Die Stadt betreibt keinen einzigen Kindergarten, alle 36 Einrichtungen werden von freien Trägern geführt. Nummer 37 wird die Campus Kita. Kalt hat sich wie andere Träger auch als Betreiber beworben. Warum noch mehr Arbeit?

Dies sind die Einrichtungen des Vereins

In Garbsen betreiben elf Träger alle 36 Kindertagesstätten. 0,4 Prozent der betreuten Kinder in Garbsen sind über eine Kindertagespflege versorgt. Der Paritätische Verein für Jugendwohlfahrt Berenbostel betreut 411 Kinder und hat 63 Erzieherinnen und Erzieher unter Vertrag. Dies sind die Einrichtungen:

Kita in der ehemaligen Förderschule Am Hespe, Ludwigstraße 7, Berenbostel: Krippe, 2 Gruppen mit je 15 Kindern; Kindergarten, 2 Gruppen mit je 25 Kindern, zusätzlich eine integrative Gruppe mit 18 Kindern; Hort James Krüss, 3 Gruppen mit je 20 Kindern.

Kita Garbsen-Mitte, Graf-Stauffenberg-Straße 2: Krippe, 2 Gruppen mit je 15 Kindern; Kindergarten, 3 Gruppen mit je 25 Kindern.

Kita Nelkenstraße, Berenbostel: Krippe, eine Gruppe mit 15 Plätzen; Kindergarten, 3 Gruppen mit je 25 Kindern.

Hort Garbsen-Mitte, ehemalige VHS im IGS-Gebäude, Meyenfelder Straße: 3 Gruppen mit je 20 Kindern.

„Das Machen wird immer komplizierter“

 „Weil ich doch sehe, dass unsere Eltern Schlange stehen“, sagt Kalt. Er hat der Stadt Vorschläge für eine neue Krippengruppe am Hespe gemacht und für die Betreuung der Kinder aus dem Neubaugebiet Berenbostel-Ost. Allein sein Verein hat 122 Eltern von Krippenkindern auf der Warteliste. „Da müssen wir doch etwas machen für die Familien“, sagt Kalt.

„Nicht meckern! Machen!“ Das ist sein Credo. Aber das Machen werde immer schwieriger, die Prozesse seien zäh, alles werde komplizierter, sagt er. Mit den früheren Spitzen in der Sozialverwaltung, Manfred Hanselmann und Klaus-Jürgen Herrmann, habe er Zusagen mit Handschlag besiegeln können. Heute undenkbar, weil heute vor einer Unterschrift alles dreimal auf geltende Vorschriften geprüft werden muss.

Ist das „Modell Kalt“, ehrenamtlich einen Verein als soziales Unternehmen zu führen, zukunftsfähig? „Ich weiß es nicht. Ich fürchte bald, dass es das nicht ist. Wo soll ich jemanden hernehmen, der so viel Zeit investieren und noch so viel Verantwortung tragen will?“, sagt er. Der Verein leistet sich mit Annegret Wanasky und Petra Matiaske zwei Verwaltungskräfte. Aber einen hauptamtlichen Geschäftsführer wie bei der katholischen Kirche, der Personal sucht, der mit der Region und der Stadt Verträge schließt, für die Fortbildung der Erzieher sorgt und für das Finanzielle gerade steht, so jemanden kann der Verein aus den wenigen Mitgliedsbeiträgen nicht finanzieren.

„Das müsste die Stadt bezahlen. Es wäre für sie immer noch günstiger, als die Kitas selbst zu betreiben“, sagt er zum ersten Mal öffentlich. Er macht sich damit keine Freunde. Aber muss in die Zukunft denken, weil er die Arbeitsplätze von 67 Menschen verantwortet.

Von Markus Holz

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