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Garbsen Osterwalder Ortsbürgermeister Jürgen Haase tritt zurück
Aus der Region Region Hannover Garbsen Osterwalder Ortsbürgermeister Jürgen Haase tritt zurück
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00:19 15.06.2018
Einer seiner Lieblingsplätze: Jürgen Haase auf der Naturerlebniswiese Osterwald. Quelle: Gerko Naumann
Garbsen

Jürgen Haase tritt zum 15. August von allen Ämtern und Mandaten zurück. Der Unternehmer will sich ganz auf die Firma konzentrieren. Haase ist seit November 2006 Ortsbürgermeister für Osterwald und Heitlingen, außerdem Mitglied des Rates. „Ich habe mir diese Entscheidung gewiss nicht leicht gemacht, weil ich das Ortsbürgermeisteramt immer mit Herzblut und sehr gerne ausgeübt habe“, sagte Haase im Redaktionsgespräch am Montagabend.

Mehr Kopf, weniger Euphorie

Die Entscheidung „Firma oder Politik“ hat einen Hintergrund: Jürgen Haase, Unternehmer in dritter Generation, war 2011/12 mit einem Teil seiner Gesellschaften in die Insolvenz geraten. Der Hauptkunde war abgesprungen. Haase hatte zudem ruinöse Transportkonditionen unterschrieben, um irgendwie im Geschäft bleiben zu können. Er hat das Unternehmen neu aufgebaut, ohne das politische Amt spürbar zu vernachlässigen. Seine unternehmerische Lehre von damals: „Etwas mehr Kopf, etwas weniger Euphorie.“

Genau das holt ihn jetzt ein, unter umgekehrten Vorzeichen: Das Unternehmen Haase Hausgerätelogistik an der Molkereistraße läuft. Es ist in zwei Jahren wieder auf 30 Mitarbeiter gewachsen und nach Haases Angaben „expansionsreif“. Haase betreibt eine eigene Logistikhalle, eine zweite als Mieter und inzwischen eine dritte auf dem ehemaligen Netrada-Gelände in Altgarbsen. Intelligente IT und Logistikpartner sichern heute die bundesweite Auslieferung von online gehandelten Haushaltsgeräten wie Waschmaschinen, Kühlschränken und Trocknern des polnischen Herstellers Amica.

Rücktritt ohne Rückkehr

Andere Hersteller sind darauf aufmerksam geworden und verhandeln oder sind schon mit Haase im Geschäft. Der Onlinehandel mit „weißer Ware“ verzeichnet zweistelliges Wachstum. „Ich will ein konsolidiertes Wachstum. Das braucht jetzt volle Konzentration, Ruhe und konzeptionelle Arbeit,“ sagt der 52-Jährige. Er habe sich 2012 in der Krise Firma und Politik gewidmet. „Ich habe diese Belastung einmal ausgehalten und will das nicht noch einmal erleben. Darum trete ich jetzt ab. Es ist ein guter Zeitpunkt.“

Der Rücktritt kommt überraschend. Keine Skandale, keine öffentlichen Querelen, keine Amtsmüdigkeit. Vorige Woche informierte der Christdemokrat Garbsens Bürgermeister Christian Grahl und die Partei- und Fraktionsspitzen. Am Montagabend teilte Haase der CDU-Fraktion die Entscheidung mit. Sie soll mit Überraschung, aber Respekt aufgenommen worden sein. Ist es ein Abgang ohne Wiederkehr, wenn die Zeiten wieder ruhiger sind? „Ja“, sagt Haase, „jedenfalls was das Amt des Ortsbürgermeisters angeht.“

Ortsrat wählt Nachfolger am 22. August

Der Rücktritt von Amt und Mandaten soll zum 15. August wirksam werden. Haase will die Feuerwehr Heitlingen noch als Ortsbürgermeister durch das 90-jährige Bestehen begleiten. Am 22. August wählt der Ortsrat einen Nachfolger. Haase wird sich danach mit einem CDU-Empfang in der Remise auf der Naturerlebniswiese von Wegbegleitern, Vereinen, Feuerwehren und dem Ortsrat verabschieden.

Nach Haases Rücktritt besteht der Ortsrat Osterwald-Heitlingen aus diesen Mitgliedern: Diana Köhler-Lübbecke (stellvertretende Ortsbürgermeisterin, Die Grünen, 1 Sitz), Jan-Henning Rathe, Volker Tegtmeyer, Rolf-Günther Traenapp und möglicherweiser dem Nachrücker Werner Rathe (alle CDU, 4 Sitze), Sabine Oehlerich-Deutschinger, Heinz Möller, Frank Röhling (alle SPD, 3 Sitze), Ursula Reimers-Maas (Die Unabhängigen). Gewählt wird eines dieser Mitglieder mit einfacher Mehrheit.

Der Kommentar: Gutes Signal für das Ehrenamt

Der CDU-Politiker Jürgen Haase legt nach fast zwölf Jahren das Ehrenamt nieder. Die Gründe sind nachvollziehbar und plausibel. Dass Haase in einigen Themen andere Standpunkte vertritt, als die CDU-Spitze, spielt vielleicht auch eine Rolle, aber eine eher nachrangige. Ist der Rücktritt ein gutes oder ein schlechtes Signal für das Ehrenamt?

Es ist ein gutes. Haase hat sich trotz Firma in die politische Arbeit gekniet, viel erreicht und gezeigt: „Leute es geht. Engagiert euch, so gut ihr könnt. Unsere Stadt braucht euch, und es lohnt sich.“ Der Rücktritt sagt auch: Da klebt mal ein Politiker nicht auf Biegen und Brechen an seinem Amt. Er hat sich auf den Prüfstand gestellt, Prioritäten gesetzt und die Konsequenz gezogen. Das ist ehrenwert und zeugt vom Respekt vor dem Amt. Außerdem wäscht da jetzt einer im Rücktritt keine schmutzige politische Wäsche. Dass es diese Wäsche gibt, ist nach so vielen Jahren fast selbstverständlich.

Es ist ein schlechtes Signal in den Köpfen jener, die jetzt vielleicht denken: „Ehrenamt kostet also doch viel Zeit, bringt Ärger und am Ende lässt man es doch – muss ich selbst also gar nicht erst drüber nachdenken.“ Kann man denken, aber dann darf man Jürgen Haase nicht als Vorbild zitieren. Haase zitieren heißt zu wissen: Ja, es kostet Zeit! Ja, es ist auch mit Ärger verbunden! Ich mache es trotzdem – für die Stadtgesellschaft, für meinen Ort, meinen Verein und ein bisschen vielleicht auch für meine kleine Eitelkeit. Das sind die Antriebe, die wirken und zählen.

2021 sind wieder Kommunalwahlen. Viele alte Hase werden nicht mehr antreten. Jetzt ist die beste Chance für die nächste Generation der Stadtgestalter. Garbsen braucht diese Generation und politisches Engagement auf Zeit a la Haase.

Von Markus Holz

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