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Garbsen Sprachförderung: Kitas und Schulen sind besorgt
Aus der Region Region Hannover Garbsen Sprachförderung: Kitas und Schulen sind besorgt
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12:12 12.07.2018
Die Erzieherinnen Angela Franke-Klimas (links) und Melanie Krause lesen mit der Pinguin-Gruppe in der Kita Murmelstein ein Buch. Quelle: Gerko Naumann
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Auf der Horst

In knapp drei Wochen treten die neuen Regelungen für die Kindergärten inkraft – Eltern müssen keine Gebühren mehr zahlen und die intensive Sprachförderung für angehende Erstklässler wandert künftig von der Grundschule in den Kindergarten. Es sind große Veränderungen für die zahlreichen Einrichtungen in Garbsen, doch noch sind viele Fragen offen. „Das ist vom Kultusministerium alles sehr kurzfristig geplant und sehr übers Knie gebrochen“, sagt Anke Bücher, Leiterin der Kita Murmelstein. Kinder aus 21 Nationen werden in ihren Gruppen betreut, der Migrationsanteil liegt bei 95 Prozent. „Wir integrieren das Deutschlernen schon seit mehr als 15 Jahren in unseren Kita-Alltag“, sagt Bücher. Viele der Kinder könnten fast gar kein Deutsch, man verständig sich mit Händen uns Füßen. Die Einrichtung im Stadtteil Auf der Horst ist eine von mehreren vom Bund geförderten Sprach-Kitas, in denen schon jetzt zusätzliches Personal mit den Kindern übt, Probleme identifiziert, Hilfsmittel erarbeitet und Förderkonzepte entwickelt.

"Das ist sehr kurzfristig": Renate Born vom Willehadi-Kirchenvorstand (links) und Kita-Leiterin Anke Bücher. Quelle: Linda Tonn

Intensive Betreuung fällt weg

„Zusätzlich bekamen angehende Erstklässler im letzten Kindergartenjahr Sprachförderung von Grundschullehrern, etwa in der Saturnringschule“, sagt Bücher. Nach einheitlichen Vorgaben und mit speziellen Tests wurde überprüft, wo bei den Kindern noch Förderbedarf besteht. Am mehreren Tagen in der Woche gingen sie dann zu festgelegten Zeiten zur Sprachförderung. „Für die Kinder war so eine noch intensivere und teilweise individuelle Betreuung möglich, außerdem wurde so ein erster Kontakt zur Grundschule hergestellt“, sagt Bücher. Ab dem nächsten Schuljahr soll die Sprachförderung in den Alltag in allen Kindergärten integriert werden. Das Land Niedersachsen stellt dafür 32,5 Millionen Euro pro Jahr bereit. „Eigentlich ist das eine gute Sache“, sagt Renate Born, Mitglied im Kirchenvorstand der Willehadi-Kirche, die Träger der Kita Murmelstein ist. „Jetzt müssen sich alle Kitas mit dem Thema Sprache auseinandersetzen. Allerdings braucht so etwas Zeit und Planung.“

"Es bricht Vieles weg": Silvia Moritz, Leiterin der Saturnringschule. Quelle: Jutta Grätz (Archiv)

Die Erzieher hingen ziemlich in der Luft, sagt Bücher. Es sei zum Beispiel unklar, nach welchen Vorgaben die Sprachförderung abhalten sollen und wer am Ende den Erfolg überprüfe. Man wisse auch nicht, ob und wie viel Personal man dafür zusätzlich bekomme. „Unser Vorteil ist, dass in unserer Einrichtung die Förderung im Alltag schon sehr verankert ist, aber die Kindergärten sind ja alle sehr unterschiedlich.“ In Kindergärten mit einem geringen Migrationsanteil sei eine Sprachförderung durch die Erzieher leichter: „Wenn aber von 25 Kindern in einer Gruppe 24 die deutsche Sprache nicht beherrschen, sieht das anders aus.“ Bücher wünscht sich, dass das Land klare Konzepte vorlegt und Fortbildungen unterstützt. „Das wird zu Beginn alles nicht so optimal laufen“, ist sie sich sicher. „Und so etwas sorgt für Frustration.“

„Das wird sich rächen“

Betroffen von den neuen Regelungen sind auch die Grundschulen, die mit zusätzlichen Stunden für die Sprachförderung zuständig waren. „Es bricht Vieles weg“, sagt Silvia Moritz, die Leiterin der Saturnringschule. „Wir konnten die Kinder bislang testen und hatten schon vor der Einschulung einen Fuß in der Kita.“ Künftig fallen 45 Lehrerstunden pro Woche für die Sprachförderung weg. „Das wird sich in Stadtteilen wie Auf der Horst rächen“, sagt Moritz. Natürlich könnten die Erzieher die Förderung auch leisten, allerdings habe man Sorge, dass immer mehr Kinder eingeschult würden, bei denen die Sprachentwicklung zurückliegt. „Wenn es eine Möglichkeit gegeben hätte, das alles auslaufen zu lassen, wäre es besser gewesen“, sagt Moritz. Sie will sich jetzt darum kümmern, dass die enge Zusammenarbeit mit den Kitas auch weiterhin bestehen bleibt. „Wir wollen überlegen, wie es möglich sein kann, dass wir trotzdem gemeinsam an der Sprache arbeiten können.“

Von Linda Tonn

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