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Garbsen So soll Integration in Garbsen gelingen
Aus der Region Region Hannover Garbsen So soll Integration in Garbsen gelingen
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00:18 03.02.2018
Ideengeber: Karen Eger (von links), Barbara Willhauck-Wilken, Iris Metge und Yesim Celik koordinieren den Masterplan Koordination. Quelle: Jutta Grätz
Garbsen

 Lange wurde daran gearbeitet – nun liegt der sogenannte Masterplan Integration auf dem Tisch. Das 60-seitige Papier entwickelt Maßnahmen und Vorschläge, die die Integration in Garbsen fördern sollen. 

Warum braucht Garbsen einen „Masterplan Integration“? 

„Mit der jüngsten Zuwanderungsbewegung stand die Stadt vor einer großen Herausforderung“, sagt Sozialdezernentin Iris Metge. In Garbsen leben Menschen aus mehr als 100 Nationen, der Migrationsanteil betrug Ende 2016 knapp 22 Prozent. Integration werde schon lange als Daueraufgabe verstanden, allerdings biete die aktuelle Migration die Chance, das Thema neu zu denken, so Metge. Daher habe man einen Masterplan erarbeitet, der Handlungsanweisungen liefern soll, die das Zusammenspiel von Politik, Vereinen, Kirchen, Organisationen und Ehrenamtlichen lenken, damit die Zugezogenen – unabhängig von ihrer Aufenthaltsdauer – den Weg in die Gesellschaft finden. „Das Papier ist ein Instrument für die Zukunft“, sagt Metge.

Wie wurden die Ergebnisse erarbeitet?

 Mitte September 2016 trafen sich etwa 150 Beteiligte zu einer „Fachtagung Integration“, darunter viele ehrenamtliche Helfer sowie Vertreter des Netzwerks „Willkommen“, der Integrationslotsen, aus Schulen, Kitas, Vereinen, Kirchen und Politik. Die Frage: Wie können wir Integration fördern? Auf die Fachtagung folgten Workshops zu den Themen „Ausbildung, Arbeit und Beruf“, „Gesundheit, Bildung, Kinder und Jugendliche“ und „Ehrenamt, Politik und kommunale Verwaltung“. Aus den Ergebnissen der Workshops wurden die Handlungsempfehlungen formuliert.

Was liefert der Plan?

Auf knapp 60 Seiten haben die Koordinatoren des Arbeitspapiers 19 Zielsetzungen und einen Katalog von 96 Handlungsempfehlungen zusammengestellt. Zudem ist notiert, in welchen Zeitraum die Ziele erreicht werden können. Kurzfristige Projekte sind etwa ein Zugezogenen-Empfang, Sprachkurse für Frauen mit Kinderbetreuung und die Ausweitung der Willkommensgruppen. „Integration muss nachhaltig sein“, sagt Metge. Daher sollen die Ziele immer wieder konkret daran angepasst werden, was gerade benötigt wird. 

An wen richten sich die Maßnahmen?

Die Stadt will mit dem Plan nicht nur die seit 2014 zugezogenen Flüchtlinge in den Blick nehmen, sondern auch Menschen mit Migrationshintergrund, die schon länger in Garbsen leben. „Auch sie wollen sich informieren, orientieren und am gesellschaftlichen Leben teilnehmen“, sagt Metge. Zum Ende 2016 waren von den knapp 63.000 Garbsenern insgesamt 9000 nicht deutsch. 

Wurden auch Zugezogene befragt?

Ja. „Durch die Antworten sollten auch ihre persönliche Einschätzungen einfließen“, sagt Karen Eger vom Kinder- und Familienservice der Stadt Garbsen. Die Fragen bezogen sich auf den Aufenthaltsstatus, Sprachkenntnisse und auch Situationen, die die Integration hemmen. 29  Menschen aus dem Irak, Polen, Syrien, der Türkei, der Ukraine, dem Kosovo und Afghanistan füllten einen Fragebogen aus. „Das ist natürlich nicht repräsentativ, aber der Versuch alle Stimmen zu hören“, so Eger. Das Ergebnis: Viele sehen den Kontakt zu Deutschen und Sprachkurse als einen wesentlichen Faktor für eine gelungene Integration.

Wie sind die aktuellen Flüchtlingszahlen?

Seit Mitte 2014 hat die Stadt Garbsen mehr als 1000 Menschen aufgenommen, davon 263 Kinder und Jugendliche. Davon sind zwischenzeitlich 60 Prozent als Asylbewerber anerkannt, bei 30 Prozent von ihnen läuft das Asylverfahren, 10 Prozent haben einen anderen Status erhalten.

Serie: „Integration in Garbsen“

 9000 Menschen in Garbsen sind Zuwanderer. Sie kommen aus 100 Nationen. Einige sind während der Flüchtlingskrise 2014 in Garbsen gelandet, andere leben schon länger hier. Sind diese Menschen angekommen? Was lässt Integration gelingen? Diesen Fragen gehen wir in unserer Serie „Integration in Garbsen“ nach. Wir treffen Ehrenamtliche, Flüchtlinge, Vertreter aus Stadt und Politik und sprechen mit ihnen über Vielfalt, Teilhabe, Chancen und Herausforderungen. Teil 1: Der Masterplan der Politik.

Wer koordiniert die Arbeit am Masterplan?

„Das Projekt war fachübergreifend angelegt“, erklärt Metge. Ideengeber kamen aus den Bereichen Jugend und Integration (Barbara Willhauck-Wilken), Soziale Dienste und Flüchtlingsangelegenheiten (Yesim Celik), Kinder und Familienservice (Karen Eger) und der städtischen Bildungsagentur (Birgit Schrader). „Ich setze darauf, dass die Arbeit an dem Thema auch weiterhin als Team erfolgt“, sagt Metge. Es gäbe viele Querverbindungen zwischen den Abteilungen.

Spiegeln die Schwerpunkte die tatsächlichen Herausforderungen in der Stadt wider?

„Die Bedarfe, die in den Worshops angesprochen wurden, deckten sich mit unseren Schwerpunkten“, sagt Yesim Celik. „Unsere gedankliche Vorarbeit wurde bestätigt.“ Galt es es zunächst, das Ankommen der Menschen zu begleiten, beschäftigen sich jetzt viele Fragen mit Ausbildung, Qualifikation und der Integration in den Arbeitsmarkt. „Wir sind aber nur die Vorreiter“, sagt Eger. „Jetzt sind alle Akteure aufgefordert, sich Gedanken zu machen.“

Was sind die nächsten Schritte?

Der Masterplan wird zunächst allen Ortsräten vorgelegt, am 5. März soll der Rat entscheiden. Für das Jahr 2018 haben die Initiatoren konkrete Punkte formuliert, die innerhalb des Jahres umgesetzt werden sollen. Sie werden zu jährlichen Beratungen dem Haushalt vorgelegt. „Außerdem soll ein Statusbericht verfasst werden“, so Metge

Welche Projekte sind für 2018 vorgesehen?

Als erstes sichtbares Resultat des Masterplans wird es einen jährlichen Zugezogenen-Empfang geben. Zudem will die Stadtverwaltung durch ein interkulturelles Personalmarketing Mitarbeiter mit Migrationshintergrund gewinnen. In Planung befinden sich die Projekte „Pimp your town“ für Jugendliche, eine Ausbildungsvorbereitung mit mehreren Institutionen und das Programm „Kita-Einstieg: Brücken bauen in frühe Bildung“ für Familien mit Migrationshintergrund

Bildung, Ehrenamt, Arbeit: Das sind die Ergebnisse der Workshops

Ehrenamt: Kulturelle Vielfalt fördern

Ob Integrationslotsen, das Flüchtlingsnetzwerk „Willkommen“, Privatpersonen oder die Flüchtlingssozialarbeit: Es gibt in Garbsen bereits ein engmaschiges Netzwerk an ehren- und hauptamtlichem Engagement. Das fasst der Masterplan unter dem Themenfeld „Bürgerschaftliches Engagement, Politik und Kommune“ zusammen. Kulturelle Vielfalt weiter fördern könnten künftig das Projekt Kulturbotschafter und interkulturelle Angebote im Havelser Kulturhaus Kalle. Auch Flüchtlinge sollten für ehrenamtliches Engagement begeistert werden. Begegnung ist der Schlüssel zur Integration, so eine weitere Kernaussage. Das Meinfest, die Internationalen Gärten und Begegnungscafés gibt es schon. Der Plan sieht vor, weitere Orte und Anlässe zu schaffen, darunter ein jährlicher Empfang für Neubürger, der schon für 2018 geplant ist. Zudem will die Stadt ein interkulturelles Personalmarketing umsetzen und damit Mitarbeiter mit Migrationshintergrund gewinnen. jgz

Arbeit: Akteure vernetzen

Schulen und Bildungsträgern kommt bei der Integration eine Schlüsselfunktion zu. Das ist eine der Kernbotschaften des Masterplans Integration, insbesondere im Handlungsfeld Arbeit und Ausbildung. Ob Ausbildungslotsen und Berufseinstiegsbegleiter, Sprachlernklassen, die Jugendberufsagentur oder das Modellprogramm „Jugend stärken im Quartier“: In Garbsen gibt es bereits vielfältige Möglichkeiten der Berufsorientierung und für den Berufseinstieg. Zentrale Herausforderungen sind jedoch die unterschiedlichen Sprachkenntnisse der Schüler und die Übergänge zwischen den allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen. Der Masterplan Integration sieht unter anderem die Stärkung der Sprachlernklassen und Vernetzung der Akteure vor, um die Bildungsketten zu stärken. Die Stadt plant für 2018 das Projekt „Ausbildungsvorbereitung im Verbund“ mit dem Campus Handwerk, dem Jobcenter, der Region, der Jugendwerkstatt und weiteren Partnern. Die Teilnehmer der Workshops regten auch an, mehr  – auch berufsbegleitende – Bildungsangebote für Erwachsene zu schaffen, beispielsweise um Schulabschlüsse nachzuholen. jgz

Bildung: Sprache ist der Schlüssel

Im Bereich der frühkindlichen Bildung und Förderung  ist Garbsen laut dem Masterplan gut aufgestellt: Sieben Familienzentren haben die Unterstützung der Familien im Blick. Das Rucksack-Projekt, das vernetzte Angebot der Frühen Hilfen und das Projekt Wellcome bieten Information und Begleitung für die Eltern und Förderung der Kinder, insbesondere von Sprache. Ausweiten auf Grundschulen möchte die Stadt das Kita-Projekt, bei dem Kinderärzte regelmäßig Kitas besuchen, außerdem soll die Betreuungsquote für Kinder aus Migrationsfamilien erhöht werden. Der Aufbau einer Fachgruppe Sprachkompetenz ist geplant. Für 2018 sieht der Masterplan das Programm „Kita-Einstieg: Brücken bauen in frühe Bildung“ vor. Für das Programm, dass sich explizit auf sozial benachteiligte und Familien mit Migrationshintergrund bezieht, hat die Stadt bereits Fördermittel von rund 550.000 Euro bekommen und will sich mit weiteren 54.000 Euro beteiligen. jgz

Von Linda Tonn und Jutta Grätz

Nächste Woche befassen sich die Ortsräte in Garbsen mit den Themen Integration, Kindertagesstätten und Verkehr. Am Dienstag sind die Sitzungen in Berenbostel und Horst geplant, am Mittwoch folgen Garbsen und Osterwald.

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