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Trinkwasser wird teurer

Garbsen Trinkwasser wird teurer

Das Lebensmittel Trinkwasser wird teurer. Der Wasserverband Garbsen-Neustadt plant Investitionen in das alternde Leitungsnetz – eine von vielen Herausforderungen für den neuen Geschäftsführer.

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Kann sich über Herausforderungen nicht beklagen: Stephan Schumüller, seit 1. Oktober Geschäftsführer des Wasserverbandes Garbsen-Neustadt.

Quelle: Markus Holz

Garbsen.  Stephan Schumüller scheint sehr genau zu wissen, worauf er sich da einlässt. Der 51-Jährige ist seit 1. Oktober Geschäftsführer des Wasserverbandes Garbsen-Neustadt (WVGN), einem der größeren in der Republik. Er hat Reinhard Niemeyer nach 18 Jahren an der Spitze des Verbandes abgelöst.

Schumüller kommt aus dem technischen Fach. In Hannover ausgebildeter Wasserbau-Ingenieur , 15 Jahre Prokurist und Planungsleiter bei den Harzwasserwerken, davor Leiter diverser Wasserbauprojekte für mehrere Ingenieurbüros in der Region Hannover. Schumüller ist verheiratet und Vater dreier Kinder. Das Ziel in all den Berufsjahren: „Menschen mit gesundem und reinem Trinkwasser zu versorgen“, sagt Schumüller. Was reizt ihn am Job beim WVGN? „Die Verantwortung an der Spitze. Ich will den Verband zukunftsfähig zu führen und ausrichten“, sagt er.

Zukunft: Das Netz

Der Verband hat in weiten Teilen ein Netz aus den Sechsziger- und Siebzigerjahren. Es setzt sich zu und beginnt zu bröseln. Würde der Verband jedes Jahr ein Prozent seines Netzes erneuern, wäre das eine Daueraufgabe für 100 Jahre. Vor fünf Jahren hat der Verband sein Rohrerneuerungsprogramm aufgesetzt, hat die Tiefbaugruppen mit Arbeitskraft und Gerät aufgestockt und liegt im Moment bei einer Erneuerungsrate von 0,5 Prozent. Das sei für den Anfang in Ordnung. „Aber es ist zu wenig“, sagt Schumüller. Sein Ziel sind zwei Prozent pro Jahr, Gesamtlaufzeit des Programmes: 50 Jahre. 

Hat der Verband das Altersproblem seiner Leitungen zu spät erkannt? „Ja“, sagt Finanzchef Sebastian Kratz, „wir hatten eben keine großen Schadensserien, der damalige Verbandsausschuss hat vielleicht die Notwendigkeit noch nicht so gesehen, wie wir heute.“ Ist das ein WVGN-Problem? Nein, sagen die Verbandsvertreter unisono. „Das Wassernetz ist Teil einer alten Infrastruktur, wie Straßen, Brücken und Abwasserkanäle – saniert wird überall in Deutschland“, sagt Schuhmüller. Und weil das so ist, verlangen Tiefbauunternehmen marktübliche, aber hohe Preise. Darum hat der Verband schon unter Reinhard Niemeyer seine Rohrverlegegruppen aufgestockt und Gerät gekauft – Insourcing, statt ausgliedern.

Zukunft: Die Qualität

Schumüller hat sein Amt angetreten, als in Neustadt die Debatte um erhöhte Nitratwerte im Trinkwasser aus Hagen schon kochte. Es ist das Nitrat, das vor rund 30 Jahren über Gülle auf die Äcker gefahren wurde und jetzt den Grundwasserspeicher erreicht. Schumüller wird das lösen müssen, obwohl alle gesetzlichen Grenzwerte eingehalten sind. „Wasser ist ein emotionales Lebensmittel, es ist alternativlos und nicht ersetzbar“, sagt der Ingenieur. An einer Lösung wird gearbeitet, „und es gibt wie immer verschiedene Ansätze mit unterschiedlichen Prognosen. Wir prüfen alles sehr gewissenhaft und entscheiden Mitte 2018, was wir am Wasserwerk Hagen tun. Es soll eine nachhaltige Lösung sein – gesundheitlich und finanziell“, sagt Schumüller. Ob er fremdes Wasser dazugekauft und mit Hagen-Wasser mixt, ob er neue Brunnen setzt oder eine teure Denitrifizierungsanlage baut, kann er noch nicht sagen.  

Der Risikofaktor Fracking ist vom Tisch, seitdem die Exxon-Probebohrungen in Neustadt eingestellt sind. Neue Sorgen machen ihm Windräder. Die modernen Anlagen führen bis zu einer Tonne Öl im Maschinenhaus. Ein Ölschaden im Grundwasser wäre irreparabel. „Wir haben einen intensiven Blick darauf“, sagt Schumüller. Er will mit Anlagenbetreibern reden, will wie beim Protest gegen das Fracking die Interessen des Wassers vertreten – „nicht konfrontativ, sondern im Dialog“, sagt Schumüller.   

Zukunft: Der Preis

Für den Wasserpreis gibt es angesichts der Investitionen, immer neuer Auflagen und Anforderungen an das Lebensmittel Wasser nur eine Richtung, sagt der gerade wiedergewählte Verbandsvorsteher Willfried Aick: Nach oben. Woher kommt das Geld?  Der Verband darf keine Gewinne erwirtschaften, er hat nichts auf der hohen Kante. Schumüller, Kratz und Aick halten nichts davon, den nächsten Generationen ein intaktes Netz zu hinterlassen, aber einen Berg von Schulden. Wenn Kredite ausscheiden und keine Gewinne da sind, kommt alles, was der WVGN investieren kann, aus dem Wassergeld der Kunden. Der Verband entscheidet am 5. Dezember über neue Wasserpreise.

Zukunft: Das Personal

Die Belegschaft ist über viele Jahre gewachsen. Die Fluktuation ist sehr gering. Der Verdienst kann „mit VWN oder Conti nicht mithalten“, sagt Chefkaufmann Sebastian Kratz, „im Moment auch nicht mit dem Lohnniveau in Tiefbauunternehmen.“ Entsprechend deutlich ist die Zahl der Bewerber auf Lehrstellen gesunken. Ersatz für ausscheidende Mitarbeiter zu finden, falle immer schwerer. „Aber anders als in Tiefbauunternehmen haben wir immer Konjunktur. Wer bei uns anfängt, kann sein Leben lang beim WVGN bleiben“, sagt Kratz. Der Verband schreibt demnächst zwei Lehrstellen aus – eine im kaufmännischen, eine im technischen Bereich.  

Lebensmittel für 115.000 Verbraucher

Der Wasserverband Garbsen-Neustadt wurde 1959 gegründet. Verwaltungssitz ist Garbsen. Das Versorgungsnetz verteilt sich auf eine Fläche von 624 Quadratkilometer. 115.000 Kunden sind an dieses Netz angeschlossen. Durch die Rohre strömen pro Jahr rund 5,4 Millionen Kubikmeter Wasser, das ist ein Verbrauch von 5,4 Milliarden Liter Wasser in Haushalten, Schwimmbädern, Landwirtschaft und Gewerbe. Im Durchschnitt kommen so auf jeden Einwohner 125 Liter pro Tag.

Der Verband bezieht das Wasser aus eigenen Brunnen in Hagen (Neustadt) und Forst Esloh (Dedensen).  Das weit verzweigte Rohrnetz hat eine Länge von 900 Kilometern. Im Osten sind die Ortschaften Engelbostel, Schulenburg und Resse angeschlossen. Im Norden reicht das Netz bis Lichtenhorst in der Gemeinde Steimbke und Nienhagen (Schwarmstedt). Neustadt und Garbsen werden komplett vom Verband versorgt. In Wunstorf sind es Luthe und Kolenfeld, in Seelze ist es Dedensen. Südlichste Kommune ist Holtensen (Barsinghausen). Der Verband beschäftigt 60 Mitarbeiter. Der Arbeitspreis liegt bei 1,29 Euro pro Kubikmeter Wasser. lz

Von Markus Holz

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