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Garbsen Unbekannte hängen Protest-Schilder Im Hespe auf
Aus der Region Region Hannover Garbsen Unbekannte hängen Protest-Schilder Im Hespe auf
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00:42 19.05.2018
Die Bauarbeiten für die Container-Siedlung an der Straße Im Hespe haben begonnen. Quelle: Gerko Naumann
Berenbostel

 In der Straße Im Hespe rollen die Bagger. Auf der Baustellen, auf der bis Sommer eine Container-Siedlung für Flüchtlingsfamilien entstehen soll, geht es voran. Seit einigen Tagen hängen am Bauzaun eng beschriebene Schilder: „Wir trauern um unser Biotop“ ist darauf zu lesen. An drei verschiedenen Stellen haben Unbekannte das in Plastik eingeschweißte Papier, das optisch an eine Traueranzeige erinnert, fest an den Bauzaun geschraubt. Von einer „unerklärlichen und selbstherrlichen Entscheidung des Garbsener Bürgermeisters“ ist die Rede. „Hier entsteht eine Containersiedlung für arabische Großfamilien“, ist weiter zu lesen. Mit vielen Ausrufezeichen beklagen die Verfasser die Tiere (unter anderem Fasane, Igel und Schmetterlinge), die ihre Heimat verlieren und die Pflanzen, die zerstört werden. „Unsere leider gewählten Entscheider interessieren sich nicht für die Belange der hier schon immer Lebenden.“

Die Bauarbeiten für die Container-Siedlung an der Straße Im Hespe haben begonnen. Quelle: Gerko Naumann

„Dauerthema in Berenbostel“

Über so viel Wut schüttelt ein Paar, das an der Baustelle vorbeigeht, nur den Kopf: „Die Aufregung ist unnötig. Die Container sind doch bald wieder weg.“ Und eine Radfahrerin steigt ab, liest und zuckt die Schultern: „Das ist hier ein Dauerthema in Berenbostel.“ An den Fomulierungen der unbekannten Schreiber scheint sich keiner so wirklich zu stören. „Das sind abfällige Äußerungen, die wir nicht ernst nehmen, weil sie anonym verfasst wurden“, heißt es aus dem Garbsener Rathaus.

In den drei Containern sollen bis zu zwölf Familien aus Syrien und dem Irak, die bereits in Berenbostel leben, unterkommen. Im Juli 2017 hatte die Stadt bekannt gegeben, dass durch die Siedlung Im Hespe überbelegte Wohnungen für Familien entlastet und die Menschen sozialverträglich untergebracht werden sollen. Betreiber der Wohnanlage wird das Unternehmen European Homecare sein, das bereits für andere Gemeinschaftsunterkünfte in Garbsen verantwortlich ist. 45 Stellen in Garbsen waren für das Vorhaben geprüft worden, der Standort an der Straße Im Hespe sei für ein solches Projekt der „einzig geeignete“, fand die Verwaltung. 

Schilder sind Einzelaktion

Die Entscheidung ist umstritten: Bereits im vergangenen Sommer hatte sich in Berenbostel die Bürgerinitiative (BI) Grüne Lunge formiert, die die Grünfläche Im Hespe als Naherholungsgebiet erhalten will. Ihre Sorge ist, dass das Gebiet dauerhaft bebaut wird. „Diese Baumaßnahme bedeutet das Aus für ein Kleinod der Natur und das Aus für die grüne Lunge Berenbostels“, hieß es damals. „Die Schilder am Bauzaun sind eine Einzelaktion“, sagt BI-Sprecher Carsten Münx. Allerdings würden dadurch die Anliegen der Anwohner deutlich auf den Punkt gebracht: „Ich würde das alles so unterschreiben.“ 

Das schreiben die anonymen Verfasser

„Diese ehemalige Wiese wurde das Opfer einer unerklärlichen und selbstherrlichen Entscheidung des Garbsener Bürgermeisters Dr. Grahl. Hier entsteht eine Containersiedlung für arabische Großfamilien – versprochen war ein Stadtteilpark, für den die fertige Planung seit Jahren in den städtischen Schubladen liegt. Bürger werden nicht gefragt – sie sind nur Steuerzahler und vor Wahlen wichtig. Wo bleibt der Naturschutz, der stets gefordert und versprochen wird? Wo bleibt hier der NABU? Nur Spenden sammeln? Wozu? Weggeworfenes Geld?? 

Sie verloren ihre Heimat: Feldhasen, Fasane, Fledermäuse, Feldlerchen, Eulen, Nachtigallen, Kröten, Igel, Maulwürfe, Wildbienen, Hummeln, Schmetterlinge und zig Insekten sowie unzählige Pflanzen. Die Menschen der Nachbarschaft verlieren einen funktionierenden Sauerstoffspender und Staub/Abgasregulator. Doch unsere leider gewählten Entscheider interessieren sich nicht für die Belange der hier „schon immer Lebenden“, sie haben die Macht und genießen sie, zumal sie nicht in der Nähe wohnen.“

Im Hintergrund der Schilder bereiten Bauarbeiter mit Baggern die Fläche vor. „Wir rechnen damit, dass wir die Container im Sommer aufstellen können“, sagt Stadtsprecher Benjamin Irvin. Sieben Jahre sollen die Wohncontainer maximal auf der Fläche stehen. Solange hat die Stadt die Fläche gepachtet. Wie sie danach genutzt werden wird, ist offen. Allerdings hat die Stadt das Gebiet aus dem Wohnbauflächenprogramm herausgenommen. „Für den Wohnungsbau wird das Areal nicht mehr gebraucht“, sagt Irvin und verweist auf das neue Wohnquartier Berenbostel Ost, in dem bis zum Jahr 2035 knapp 1000 Wohnungen gebaut werden.

Die Bauarbeiten für die Container-Siedlung an der Straße Im Hespe haben begonnen. Quelle: Gerko Naumann

Von Linda Tonn

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