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Gehrden „Da werden Monster gebaut“
Aus der Region Region Hannover Gehrden „Da werden Monster gebaut“
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00:25 11.06.2018
Diskussion um den geplanten Bau von fünf Windrädern zwischen deister und Gehrdener Berg: Zahlreiche Bürger haben im Dorfgemeinschafthaus Redderse Fragen an die Experten. Quelle: Wirausky
Redderse

Fünf Windenergieanlagen mit einer Gesamthöhe von 240 Metern sollen zwischen Degersen, Egestorf, Langreder und Redderse gebaut werden. Bei einer Informationsveranstaltung im Redderser Dorfgemeinschaftshaus hielt sich die Begeisterung über das Projekt, das die Bremer Firma wpd im Deistervorland umsetzen will, in überschaubaren Grenzen. Die Angst vor Lärmbelästigung und Schattenwurf, vor Wertverlust von Immobilien, vor der Zerstörung von wertvollem Ackerboden, gesundheitliche Schäden durch Infraschall und eine große Belastung in der Bauphase treibt zahlreiche Bürger in Redderse und Umgebung um. „Da werden Monster gebaut“, schimpfte einer von rund 60 anwesenden Bürgern.

Da nutzen auch die beschwichtigenden Worte der wpd-Projektleiter Daniel Kurreck und Horst Herbort wenig. Sie machten mehr als einmal deutlich, dass der Windpark, der auf einer Fläche von 107 Hektar entstehen soll, einem strengen Genehmigungsverfahren unterliege. „Und wenn wir wirtschaftlich sein wollen, brauchen wir hohe Windräder“, sagte Kurreck. Wichtig sei dem Unternehmen, die nötige Akzeptanz in der Bevölkerung zu haben. Unter anderem deshalb sei der Abstand zu Wohnsiedlung von 800 auf 1000 Meter erhöht worden. Und auch ein Bürgerwindpark oder ein Windsparbrief mit einer garantierten Verzinsung von 3,5 Prozent wurden angeboten. „Wir suchen die Kooperation mit den Bürgern, örtlichen Firmen und Kommunen“, betonte Kurreck.

Doch von der gewünschten Akzeptanz ist wpd noch weit entfernt. Die Bürgerinitiative Gegenwind ist fest entschlossen, das Projekt zu stoppen. „Es werden die größten Windräder der Welt gebaut“, sagte Peter Best. Das werde die BI nicht hinnehmen. „Wir sind nicht generell gegen Windkraft, aber wir schauen uns genau die Standortqualität an“, sagte Best. Seine Kritik richtet sich auch weniger an wpd, sondern vielmehr an die Region. Es sei eine eklatante Fehlplanung der Region gewesen, die Fläche als Vorranggebiet im Raumordnungsprogramm einzustufen. Der Klage der Stadt Barsinghausen räumt Best deshalb gute Chance ein. Sie will mit einem Normenkontrollverfahren das Windpark-Projekt verhindern.

Naturschützer Olaf von Drachenfels gab zu, dass sich der Naturschutzbund nicht ganz wohl fühle bei der Ablehnung des Windparks. „Weil wir auch für die Energiewende sind“, sagte er. Aber der Nabu prüfe alle Schutzgebiete. Und in dem Planungsbereich seien das intakte Landschaftsbild sowie Vogel- und Fledermausarten durch die Windenergieanlage gefährdet.

Rechtsanwalt Christian von Waldthausen machte deutlich, dass es sich bei Windkraftanlagen um privilegierte Vorhaben handele. „Es müssen sehr gute Gründe vorliegen, um solch ein Projekt zu verhindern“, sagte er. Grundsätzlich empfahl er der Kommune, ein Normenkontrollverfahren durch eine Änderung Flächennutzungsplan zu begleiten. Grundsätzlich müssten aber Alternativen aufgezeigt werden. „Nur ablehnen reicht nicht“, sagte von Waldthausen. Der Windkraft müsse substantiell Raum gegeben werden.

Kritik aus dem Publikum, die Stadt Gehrden habe sich bislang nicht gerührt und die Besorgnis in Redderse stiefmütterlich behandelt, wies Holger Spohr, Fachdienstleiter Umwelt, zurück. „Wir beobachten erst einmal, wie sich die Dinge entwickeln“, sagte er. Die Stadt wolle begründet vorgehen. In den nächsten Wochen soll eine Änderung des Flächennutzungsplans geprüft und vorbereitet werden. Redderses Ortsbürgermeister Christian Felsen fordert von der Stadt, künftig die Informationspolitik zu verbessern.

Von Dirk Wirausky

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