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Mit dem Spitzgraben die Feinde abgewehrt

Wilkenburg Mit dem Spitzgraben die Feinde abgewehrt

Wie war das damals, als die Römer ihr Marschlager in Wilkenburg aufschlugen? Seit Sonntag können sich das viele Besucher der Fundstätte auf einem Acker besser vorstellen. Sie haben an Ort und Stelle an den Vorträgen und Vorführungen am Tag des offenen Denkmals teilgenommen.

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Quelle: Andrea Weber

Wilkenburg. So hatte Henning Haßmann, Ärchäologe beim Niedersächsischen Landesamt für Denkmalschutz, einen typisch römischen Spitzgraben ausgehoben, um die Bauweise anschaulicher zu machen. Der echte Spitzgraben liegt etwa 100 Meter entfernt und ist durch Flatterband abgegrenzt. Der Flugbildarchäologe Otto Braasch hatte erstmals 1990 auf Luftbildern sogenannte positive Bewuchsmerkmale erkannt, die auf einstige Grabenstrukturen hindeuteten. 2015 war das Gelände anhand von Luftbildauswertungen als archäologisch bedeutende Fundstelle erkannt worden. Haßmann sagte: „Nichts hält länger, als ein Loch. Und wenn da ein Loch war, finden wir es auch.“

Das Feldlager wurde Haßmann zufolge zwischen einem Tag und höchstens einer Woche genutzt. Die Römer kamen aus südlicher und westlicher Richtung nach Niedersachsen, um die Provinz Gallien zu sichern, die immer wieder von den Germanen überfallen und verwüstet wurde. Eine Vorhut zog vor den eigentlichen Legionen durch das Gebiet und hielt Ausschau nach einem geeigneten Lagerplatz. Wenn dieser gefunden war, wie in Wilkenburg, wurden als erstes Spitzgräben zum Schutz und zur Befestigung rund um den Lagerplatz angelegt. Sie waren 1,20 Meter tief und wurden keilförmig in den Boden gegraben. Der Aushub wurde hinter dem Graben mit Grassoden, das sind ausgestochene Grasstücke, bedeckt in Richtung Lagerplatz aufgehäuft und mit Spitzspeeren gespickt. Drumherum wurde Tauwerk gewickelt, was wie ein moderner Stacheldraht wirkte. Diese Gräben konnten bis zu 500 Meter lang sein. Griffen die Germanen das Lager bei Dunkelheit an, rutschten sie auf den Grassoden aus und fielen in die Gräben, wo sie von den Römern leicht abgewehrt werden konnten.

Wurde das Lager wieder aufgegeben, sammelten die Römer die Spitzspeere ein und schüttete die Gräben wieder zu, damit die Germanen sie nicht beim Rückweg der Römer als Verteidigungsgräben nutzen konnten. Diese Lagerplätze wurden beim Verlassen komplett abgeräumt, alles wurde noch gebraucht und wiederverwendet. Deshalb fällt es den Archäologen schwer dort Funde zu machen.

Haßmann erklärte weiter: „Gefunden wird nur, was aus Versehen verloren wurde.“ Das seien meist metallene Einzelteile aus dem Pferdegeschirr oder Münzen. „Die Römer saßen abends beim Lagerfeuer und haben gezockt.“ Zu bedenken sei auch, dass die Lagerstätten rund 2000 Jahre alt und die Landwirte auch nicht gerade zimperlich mit den Böden umgegangen seien. Haßmann sagte, er gehe davon aus, dass zwei bis drei Legionen, also rund 20.000 Legionäre, mit Pferden in Wilkenburg waren. Vieles deutet sogar darauf hin, dass der spätere Kaiser Tiberius den Tross anführte.

Dr. Robert Lehmann, er befasst sich mit der Archäometallurgie, lobte die vorbildliche Zusammenarbeit verschiedener naturwissenschaftlicher Fraktionen. Seine Metallanalysen lassen es zu einen „Fingerabdruck der Legionen“ auszuarbeiten, wie er sich ausdrückt. Die Legierungen weisen darauf hin, dass die Römer weite Märsche hinter sich hatten und aus dem Rheinland kamen, bevor sie nach Niedersachsen weiterzogen. So wurden beispielsweise keltische Münzen gefunden, die dies belegen. Die hohe Qualität der Metalle weise außerdem darauf hin, dass es sich um besondere Truppen handelte, etwa Garden und Paradetruppen.

Die Besucher aus fast allen Altersgruppen zeigten sich von den Schilderungen angetan. Der Pattenser Karl Karberg aus Pattensen ist geschichtlich interessiert und sammelt Literatur zu diesem Thema. Der 77-Jährige möchte, dass die Grabungsstätte erhalten bleibt. Hans-Jürgen Thiemann ist Obmann der Jägerschaft Hannover-Land. Wenn tatsächlich Kies abgebaut werde, sollte das Gelände ökologisch nachgenutzt werden, sagte der 62-Jährige. Vorrang habe aber der Erhalt der Fundstelle. Eva Koestner aus Hemmingen-Westerfeld ist mit ihren beiden Söhnen Fiete (9) und Gustav (9 Monate) zum Tag des offenen Denkmals gekommen. Sie interessiert sich für Archäologie. Koestner fordert ebenfalls den Erhalt der Anlage. Bei einem Kiesabbau gibt es zwar eine sogenannte Rettungsgrabung, doch dabei wird das Gelände geflutet und alles wäre unwiederbringlich verloren.

Von Andrea Weber

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