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Isernhagen Abwasser: Gemeinde muss kräftig investieren
Aus der Region Region Hannover Isernhagen Abwasser: Gemeinde muss kräftig investieren
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00:19 08.10.2018
Von der alten Kläranlage am Hainhäuser Weg in H.B. wird ein Teil des Isernhagener Abwassers zur Kläranlage nach Langenhagen gepumpt. Quelle: Frank Walter
Isernhagen

Die Übertragung des Isernhagener Abwassernetzes an den Wasserverband Peine ist per Ratsbeschluss vom Tisch, das Kanalnetz bleibt auch künftig in der Verantwortung der Gemeinde. Auf 4,1 Millionen Euro hat Bürgermeister Arpad Bogya das Investitionsvolumen bis 2022 beziffert. Über das Wie und Warum und die Frage, was das für die Gebührenzahler bedeutet, hat Bogya jetzt gemeinsam mit Bauamtsleiterin Heike Uphoff Stellung bezogen.

In welchem Zustand befindet sich das Kanalnetz?

Der Bürgermeister vergibt eine Schulnote: „3-“. Vor fünf Jahren habe der Standard noch deutlich über dem anderer Kommunen gelegen. Doch dann hätten sich beim Personalbestand in der Tiefbauabteilung massive Lücken aufgetan – durch langfristige Ausfälle wegen Krankheit und Abgänge. Dies habe man angesichts des Fachkräfte-Mangels auch nicht kompensiert können. Deshalb habe die Sanierung in den vergangenen Jahren gestockt. „Wir haben nur vorfallsbedingt arbeiten können“, so die Bauamtsleiterin.

Wie passt das geplatzte Abwasserrohr am Rischteich zur Schulnote?

„Ich hoffe, das bleibt ein Einzelfall“, kommentiert Heike Uphoff den Vorfall, bei dem im Januar eine Leitung unterhalb eines Wohnhauses geplatzt war. Die Bewohner hatten aus Sicherheitsgründen ausziehen müssen, die Leitung soll lahmgelegt und verfüllt werden. Spontanschäden seien im Abwasserbereich nie völlig auszuschließen, sagt die Bauamtschefin. Doch normalerweise verliefen Abwasserleitungen nicht unter Gebäuden, und Kanaleinbrüche seien so schnell zu reparieren. Mit einem Gebäude darüber sei das leider nicht möglich gewesen.

Wie will die Gemeinde künftig vorgehen?

Geplant sind regelmäßige Untersuchungen der Abwasserkanäle mittels kleiner Kameras, die auf Schlitten durch einzelne Abschnitte geschickt werden. So können Schäden an den Rohren beispielsweise durch Baumwurzeln erkannt werden. Für diese Zustandsermittlung sind ab 2019 jeweils 100.000 Euro im Haushalt angemeldet. Weitere 210.000 Euro jährlich sind für die Kanalsanierung vorgesehen. Meist wird dabei das Inliner-Verfahren angewandt. Dabei wird ein Schlauch in das schadhafte Rohr eingeführt, der dann zu einer neuen Leitung aushärtet.

Und wenn die Schäden massiver sind?

Kann das Inliner-Verfahren nicht angewendet werden, dann wird diese Summe nicht reichen. „Müssen wir Betonleitungen ersetzen, wird das richtig teuer“, sagt Bürgermeister Bogya – teuer für die Gebührenzahler, denn auf diese werden die Kosten umgelegt. Der Wasserverband Peine (WVP) rechnet in einem Bericht zum Isernhagener Abwassernetz mit einem Wert von 90 Euro pro Meter Kanalsanierung. Bei 220 Kilometern Länge kommen die Fachleute so auf 19,8 Millionen Euro. Genauer wissen wird die Gemeinde dies erst nach der Kamerabefahrung. Bogyas Sorge: In den Siebziger- und Achtzigerjahren war die Gemeinde massiv gewachsen, viele Abwasserleitungen stammen aus dieser Zeit – und könnten jetzt ihr Lebensalter erreicht haben.

Wo muss die Gemeinde noch investieren?

Am meisten drängt laut des WVP-Berichts die Aktualisierung des Prozessleitsystems für die 64 Pumpwerke, die das Abwasser zur Kläranlage nach Langenhagen transportieren. Die neue Technik soll die Pumpwerke vernetzen und ermöglichen, Störfälle schnellstmöglich zu erkennen. Kosten wird dies rund 150.000 Euro. Weitere 90.000 Euro sind 2019 für die Instandsetzung von Schacht- und Sonderbauwerken vorgesehen. Ein Ingenieurbüro soll zudem helfen, den Fremdwasseranteil im Abwassernetz von rund 20 Prozent weiter zu senken. Das Wasser stammt aus Fehlanschlüssen von Grundstücken, die so Regenwasser in die Kanalisation einleiten, statt dass dieses im Boden versickert. Das treibt die Stromkosten für die Pumpwerke in die Höhe. Angesetzt für die Untersuchung sind 50.000 Euro pro Jahr.

Wer soll die Arbeit leisten?

Einerseits externe Unternehmen. Mittlerweile hat die Gemeinde aber auch zwei neue Ingenieure und einen neuen Mitarbeiter für den Kanalbetrieb gefunden – die Stellen waren mehrfach ausgeschrieben. Der Arbeitsmarkt sei zwar leergefegt, doch man habe diesmal Glück gehabt, so die Bauamtsleiterin. Und das, so der Bürgermeister, obwohl kleine Gemeinden bei der Stellendotierung nicht mit größeren Kommunen konkurrieren könnten.

Und wer bezahlt die Rechnung?

Da es sich beim Abwasserbereich rechtlich um einen Gebührenhaushalt handelt, gehen die Kosten zu Lasten aller Gebührenzahler. Derzeit liegt die Schmutzwassergebühr in Isernhagen bei 2,55 Euro je Kubikmeter Abwasser. Bürgermeister Bogya rechnet damit, dass die Gebühren „moderat“ ansteigen werden – auf einen Wert von „unter 3 Euro“. Dies liege zum Teil aber auch an den allgemein steigenden Preisen bei Ausschreibungen. Aus Bogyas Sicht stellt der Abwasserbereich für die Gemeinde aber kein „Sonderarbeitsfeld“ dar wie beispielsweise der Bau des Schulcampus’. „Der Abwasserbereich braucht im Moment nur wieder mehr Aufmerksamkeit.“

Von Frank Walter

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