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Laatzen Bundeswehr-Wetterballon segelt in die Masch
Aus der Region Region Hannover Laatzen Bundeswehr-Wetterballon segelt in die Masch
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00:15 12.11.2018
Der rote Wetterballon ist in etwa fünf Meter Höhe in einem Baum hängen geblieben (Bildmitte). Die Radiosonde hat Siegfried Guder auf einer gegenüberliegenden Wiese gefunden. Quelle: Stephanie Zerm
Alt-Laatzen

Als Siegfried-Karl Guder die roten Fetzen im Baum hängen sah, dachte er zuerst an eine Hochzeit. „Ich ging davon aus, dass das die Reste eines Luftballons sind, der am Standesamt fliegen gelassen wurde“, berichtet der Feld- und Forsthüter. Denn gut zu erkennen sind die roten Überbleibsel nicht, die sich in etwa fünf Meter Höhe in den Ästen eines Baumes am Badeteich am Wiesendachhaus verfangen haben.

Die Radiosonde misst unter anderem Luftdruck, Luftfeuchtigkeit und Lufttemperatur. Quelle: Stephanie Zerm

Erst einige Tage später schöpfte Guder den Verdacht, dass am Bemeroder Bleek weit mehr als die Reste eines Luftballons im Baumwipfel flattern. „Ein Spaziergänger wies mich darauf hin, dass ein paar Meter weiter auf der Wiese seltsame Bänder liegen“, berichtet der Grasdorfer. Doch als er den vermeintlichen Müll aufsammeln wollte, entpuppte er sich als kleiner grauer Kasten, der an einer 30 Meter langen Strippe hing. Ein am Kasten befestigter Zettel löste das Rätsel um dessen Herkunft: Es handelt sich um ein „aerologisches Aufstiegsgespann“ der Bundeswehr, das mit einer Radiosonde meteorologische Daten in der Erdatmosphäre misst.

Messwerte dienen Wetterprognosen

„Mit einem mit Helium gefüllten Wetterballon wurde die Sonde mit ihren Messgeräten 20 bis 30 Kilometer hoch in die Stratosphäre gebracht“, erklärt Oberregierungsrat Stefan Koller vom Zentrum für Geoinformationswesen der Bundeswehr in Euskirchen, das für die Starts der Radiosonden zuständig ist. „Die Sonden hängen an einer 30 Meter langen Leine, damit die Messwerte nicht durch den Ballon beeinflusst werden.“ Da sich das Gas in dem Wetterballon sehr stark ausdehne, platze dieser in einer gewissen Höhe wegen des abnehmenden Luftdrucks.

  

Auf einem beigefügten Zettel erklärt die Bundeswehr, wozu das "aerologische Aufstiegsgespann" genutzt wird. Quelle: Stephanie Zerm

Mit einem kleinen Fallschirm gleitet die Radiosonde dann auf die Erde zurück. Während sie zur Erde sinkt, misst die Sonde Luftdruck, Luftfeuchtigkeit und Lufttemperatur. „Durch einen GPS-Sensor können auch Höhe, Windgeschwindigkeit und Windrichtung berechnet werden“, sagt Koller. Mit den Daten können anschließend Wetterprognosen erstellt werden. Alle Messwerte werden über Funk in ein globales Netz eingespeist, wo sie allen Wetterdiensten weltweit zur Verfügung stehen.

Bundeswehr schickt pro Tag zwei Wetterballons auf die Reise

An ihren Standorten im niedersächsischen Bergen und im bayerischen Kümmersbruck schickt die Bundeswehr jeden Tag mindestens jeweils zwei Sonden auf die Reise. Weit mehr lässt laut Koller jedoch der Deutsche Wetterdienst in die Stratosphäre steigen: An neun Stationen startet dieser laut Koller täglich jeweils zwei Sonden, also insgesamt 6570 im Jahr. Die Bundeswehr stellt ihre Wetterdaten aber nicht nur anderen Wetterdiensten zur Verfügung, sondern verwendet sie vor allem selbst. Unter anderem versorgt sie das Heer, die Luftwaffe, die Marine und die Streitkräftebasis mit den neuesten Wetterberichten.

Dies lässt sich die Bundeswehr einiges kosten. Allein der Aufstieg einer Radiosonde liegt laut Koller bei rund 300 Euro. Den Betrag kann Guder vielleicht etwas reduzieren: Anstatt die Sonde, wie auf dem beigelegten Zettel empfohlen, zu entsorgen, will er sie an die Bundeswehr zurückschicken. Vielleicht kann sie so ja recycelt und noch einmal in die Stratosphäre geschickt werden.

Bundeswehr betreibt Wetterdienst seit den Fünfzigern

Einen eigenen Wetterdienst hat die Bundeswehr seit Ende der Fünfzigerjahre. 2003 ist er mit dem Militärgeographischen Dienst zum Geoinformationsdienst der Bundeswehr fusioniert, dessen zentrale Dienststelle das Zentrum für Geoinformationswesen der Bundeswehr in Euskirchen ist. Dieses gehört seit vergangenem Jahr zum neuen Organisationsbereich Cyber- und Informationsraum (CIR). Neben der Meteorologie sind dort 17 weitere geowissenschaftliche Fachdisziplinen wie Biologie, Geologie und Hydrologie angesiedelt, die für die gesamte Bundeswehr die sogenannte GeoInfo-Unterstützung leisten und neben Wetterbereichten unter anderem auch Karten erstellt. zer

Von Stephanie Zerm

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