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Laatzen Stadt will mobilen Deich anschaffen
Aus der Region Region Hannover Laatzen Stadt will mobilen Deich anschaffen
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00:16 27.10.2018
Vorbild für Laatzen? Um das Weserwasser während der Bauarbeiten am Wehr zurückzuhalten, werden in Hameln mobile Barrieren eingesetzt. Quelle: Philipp Killmann
Grasdorf

Das nächste Hochwasser kommt bestimmt. Auf das Befüllen und Schleppen von Sandsäcken will die Stadt Laatzen künftig jedoch verzichten: Stattdessen plant die Verwaltung, einen mobilen Hochwasserschutz anzuschaffen, der vor Ort mit Wasser statt mit Sand befüllt wird.

Bürgermeister Jürgen Köhne stellte die Idee jetzt im Zuge der Haushaltseinbringung für 2019 vor. „Wir sind vom großen Hochwasser im Sommer 2017 weitgehend verschont geblieben“, sagte Köhne. Dennoch hätten die städtischen Mitarbeiter auch damals Sandsäcke am Deich nahe der Leinebrücke an der Grasdorfer Ohestraße auftürmen müssen. „Es gibt eine Möglichkeit, das zu beschleunigen.“ Anstelle von Sandsäcken will die Stadt mit mobilen Elementen eine Barriere aufbauen. Bei der dort notwendigen Länge von 400 Metern lasse sich das System in drei bis vier Stunden aufbauen.

Welches System die Stadt genau anschafft, hängt vom Ergebnis der Ausschreibung ab. Als mögliches Beispiel nennt die Stadtverwaltung Boxen, wie sie die Würzburger Firma Flexibox Container anbietet. Die rund fünf Meter langen und einen Meter hohen Elemente bestehen aus einer in fünf Kammern unterteilte Außenhülle und besonders festen Folien im Inneren. Die Elemente werden in normalen Zeiten gelagert, bei Hochwasserlagen könnten sie zum Grasdorfer Deich transportiert und dort mit Wasser gefüllt werden. Per Klettverschluss miteinander verbunden, können sie in beliebiger Menge aneinandergereiht werden.

Der wichtigste Vorteil gegenüber dem klassischen Sandsacksystem ist der relativ einfache Aufbau. Nach Angaben der Herstellerfirma lässt sich mit sechs Personen und drei Pumpen ein 100 Meter langer Wall in einer Stunde errichten. „Bei Sandsäcken werden etwa 80 bis 120 Personen bis zu acht Stunden lang benötigt“, wirbt das Unternehmen für das System.

Für Grasdorfer würde dies bedeuten, dass sich der Wall dort mit sechs Mitarbeitern in drei bis vier Stunden aufbauen ließe, führte Köhne im Rat aus. „Damit sind wir besser gerüstet, um auf solche Situationen zu reagieren.“ Zumal die Einsätze eher häufiger als seltener werden: „Die Regenereignisse werden immer heftiger, kommen immer schneller und werden unberechenbarer“, stellte der Bürgermeister fest.

Die Neuanschaffung ist Teil der Etatplanung für 2019, die noch vom Rat der Stadt beschlossen werden muss. Die Kosten dafür schätzt die Stadt auf 65.000 Euro. Weitere 45.000 Euro plant die Stadt dafür ein, hinter dem Sommerdeich einen weiteren Hochwasserschutz zu planen. Dabei soll anhand von Vermessungen und Bodenproben geprüft werden, ob der Pattweg erhöht werden kann, der am Siedlungsrand parallel zur Leinstraße/Am Südtor verläuft.

System wird auch in Hameln eingesetzt

Mit mobilen Kunststoffelementen gegen Hochwasser? Was ungewöhnlich klingt, hat sich in der Praxis bereits bewährt. Zum Einsatz kommen Hochwassersperren, die auch für Laatzen infrage kommen, bereits in einigen anderen Kommunen. Aktuelles Beispiel ist Hameln, wo das Wasser- und Schifffahrtsamt eine solche mobile Sperre an der Weser hat aufbauen lassen, um das Weserwehr auszubessern. Um das Wasser in dieser Phase zurückzuhalten, hatte das Amt zunächst Sandsäcke aufgeschichtet, die jedoch weggespült wurden. Jetzt behalf man sich mit den mit Wasser gefüllten mobilen Elementen – mit Erfolg. Auf dem Markt sind in Hameln verwendeten Elemente seit sechs bis sieben Jahren, schätzt Christian Orth, Geschäftsführer der Herstellerfirma Flexibox Container in Würzburg, der das System erfunden hat. Zum Erfolg der Erfindung trug auch bei, dass die Sicherheitsstandards für Atomkraftwerke nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima erhöht wurden: Seitdem seien etwa am bayerischen Kraftwerk Isar 2 solche Hochwasserschutzelemente eingelagert.

Die von Hochwasser gefährdete Stadt Olching bei München halte gemeinsam mit anderen Gemeinden Elemente mit einer Länge von 1,6 Kilometern vor. Die Stabilität sei durch Material und Aufbau gewährleistet, versichert Orth: Die Innenfolie bestehe aus dehnbarer, aber reißfester Polyethylen-Folie. Umgeben ist diese von strapazierfähigem Polypropylen-Gewebe, das auch bei Bauschuttsäcken (Bigbags) verwendet wird. Und: Bei einzelnen Beschädigungen falle nur eine einen Meter breite Zelle aus. „Die Zelle würde dann von den anderen gestützt“, sagt Orth.

Von Johannes Dorndorf

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