Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Laatzen „Die Kunst ist, den Schmerz wegzudrücken“
Aus der Region Region Hannover Laatzen „Die Kunst ist, den Schmerz wegzudrücken“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:17 03.09.2018
Michael Stolper läuft jubelnd in das Ziel. Quelle: Albert Gasser
Grasdorf

Wenn der Grasdorfer Michael Stolper von seinen Ultraläufen erzählt, klingt das teilweise wie aus einem dramatischen Hollywood-Film. „Wer wie ich als Kind viel Zeit in den Bergen verbracht hat, weiß, dass diese bei Gewitter verlassen werden sollten. Wir sahen bei diesem Rennen die Blitze am Himmel zucken und sind direkt hinein gelaufen“, sagt der 35-Jährige. Und damit beschreibt er erst den Beginn des Ultra Skyrace in Südtirol, an dem Stolper dieses Jahr teilgenommen hat.

Insgesamt 199 Männer und Frauen sind bei der Veranstaltung Ende Juli zu der 121 Kilometer langen Strecke mit 7500 Höhenmetern gestartet. Das Ziel erreichten 127 Läufer. Stolper kam nach 24 Stunden und 45 Minuten als 26. ins Ziel. „Für mich ein unbegreifliches Super-Resultat“, sagt er. Das Rennen begann um 20 Uhr. Gleich die ersten 19 Kilometer gingen 2200 Meter in die Höhe. Dabei begann es dann auch zu regnen. Das Feld verteilte sich, so dass Stolper bald allein lief. „Nur mit meiner Stirnlampe durch das Nachtgewitter zu laufen, war schon ein ganz besonderes Gefühl“, sagt Stolper.

Der 35-Jährige hat bereits viel Erfahrung mit langen Läufen gesammelt. Mit 19 ist er seinen ersten Halbmarathon gelaufen. Der Begriff Ultralauf bezeichnet Strecken, die länger als die Marathondistanz von 42 Kilometern sind. 2016 lief Stolper den gut 100 Kilometer langen Ultra Trail rund um die Zugspitze. In dem Jahr wurde er von der Stadt Laatzen auch als Sportler des Jahres ausgezeichnet. Im vergangenen Jahr nahm er am Ultra Trail Lago d'Orta (UTLO) in der Region am Lago Maggiore in Italien teil, der 120 Kilometer lang ist und über 7400 Höhenmeter führt. „Für mich spielt die Landschaft bei den Läufen auch immer eine große Rolle. Deshalb suche ich mir immer Strecken in den Bergen aus“, sagt er.

Beim Sonnenaufgang steigt die Motivation

Seine Erfahrung hilft Stolper bei der außergewöhnlichen Belastung. Dazu gehört auch das Wissen, dass nach dem Regen nasse Kleidung unbedingt gewechselt werden muss, auch wenn es wegen der nächtlichen Kälte widerstrebt, sie einmal komplett abzulegen. Beim diesjährigen Lauf ging nach rund 40 Kilometern langsam die Sonne auf. „Das ist immer etwas Besonderes und steigert die Motivation enorm“, sagt Stolper. Die Temperaturen stiegen bis 10 Uhr auf mehr als 30 Grad. Alle 20 Kilometer gab es Verpflegungspunkte. Stolper hat an allen zumindest kurz angehalten. „Nach der Hälfte der Strecke habe ich mir dann auch die Zeit genommen, ohne Hast etwas Warmes zu essen“, sagt er.

Lange Pausen habe er aber nie eingelegt. „Das würde mich aus dem Lauferlebnis herausbringen“, sagt Stolper. Für ihn habe so ein langer Lauf auch den Charakter einer Meditation. „Wenn ich mich nicht gerade mit den Herausforderungen der Strecke beschäftigen muss, schalte ich meinen Kopf einfach aus und genieße den landschaftlichen Kick.“ Die letzten 35 Kilometer der Rundstrecke, die in Bozen beginnt und endet, waren noch einmal besonders herausfordernd. „In meinen Trainingsläufen habe ich 35 Kilometer locker bewältigt. Doch hier steckten schon 90 Kilometern in den Knochen und die Strecke führte teilweise steil bergab“, sagt Stolper. Die besondere Kunst dabei sei es, „den Schmerz einfach wegzudrücken.“

Der Grasdorfer wollte allerdings vermeiden, noch einmal in die Dunkelheit laufen zu müssen, was ihm zusätzliche Motivation gab. Besonders schwierig sei es gewesen, wenn nach einem steilen Abschnitt wieder für ein für ein paar Meter eine gerade Strecke kam. „Du musst dich dann dazu zwingen, aus dem langsamen Tempo wieder in einen schnellen Lauf zu kommen“, sagt Stolper. Die letzten Kilometer lief er gemeinsam mit einem Italiener. „Wir haben uns dann gegenseitig motiviert. Wenn einer wieder schnelleres Tempo aufgenommen hat, ist der andere gefolgt.“

Nach 121 Kilometern warten die Kamerateams

Schließlich konnte der Grasdorfer jubelnd in das Ziel laufen. „Dort wartet dann meist auch immer gleich ein Kamerateam und will ein Interview führen. Ich glaube, die wenigsten von uns geben in der Situation wirklich sinnvolle Antworten“, sagt Stolper. Anschließend rief er seine Frau an, die mit dem im vergangenen Jahr geborenen Sohn in Grasdorf geblieben ist. Und dann endlich die Ankunft in der Pension: „Die haben mir dort netterweise um 22 Uhr noch ein warmes Essen gemacht. So konnte ich langsam herunterkommen“, sagt Stolper.

Welche sportliche Herausforderung sich der Grasdorfer als nächstes vornimmt, steht noch nicht fest. „Ich gehe das ganz locker an. Wichtig ist, dass meine Familie und meine Arbeit nicht unter den Läufen und Trainingseinheiten leiden und sich alles gut kombinieren lässt“, sagt Stolper. Seine Frau Stephanie unterstützt ihren Mann in seiner Leidenschaft. „Wenn Michael in seinem Training mal wieder auf einen 30-Kilometer-Lauf geht, nimmt er unseren Sohn in einer Tragehilfe vor der Brust auch gerne mit. Dann kann ich mich ein wenig entspannen“, sagt sie augenzwinkernd.

Gewonnen hat den diesjährigen Ultra Skyrace der 42-jährige Alexander Rabensteiner mit einer Zeit von 18 Stunden und 33 Minuten. Angst vor dem Alter muss der 35-jährige Stolper also offensichtlich noch nicht haben und kann sich in den nächsten Jahren noch einigen Herausforderungen stellen.

Von Tobias Lehmann

Geld abheben am Automaten kann für Blinde zum Problem werden. Die Gruppe der Sehbehinderten in Laatzen sucht Teilnehmer für Kurse bei der Sparkasse, wo der Umgang mit den Geräten gezielt geübt wird.

31.08.2018
Laatzen Gutenbergstraße in Laatzen-Mitte - Verkehr wird künftig im Kreis geführt

Laatzen hat einen neuen Kreisel: Straßenarbeiter sind derzeit dabei, ein Rondell auf der Kreuzung Gutenbergstraße/Mergenthalerstraße anzulegen. Bis Dienstag sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.

03.09.2018
Laatzen Laatzen/Hemmingen/Pattensen - Arbeitslosenquote sinkt auf 5,9 Prozent

Mit Beginn des Ausbildungsjahres im August ist die Arbeitslosenzahl in dem auch Hemmingen und Pattensen umfassenden Bezirk Laatzen leicht auf 2293 gesunken. Die Arbeitslosenquote beträgt 5,9 Prozent.

30.08.2018