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Laatzen Bundesamt sieht kaum Chancen für weitere Lärmschutzwand in Laatzen
Aus der Region Region Hannover Laatzen Bundesamt sieht kaum Chancen für weitere Lärmschutzwand in Laatzen
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18:56 05.02.2019
Mit jährlich 130.000 Züge gehört das Schienennetz in Laatzen zu Deutschlands Hauptverkehrsstrecken. Viele Bürger fühlen sich durch den Bahnlärm gestört. Quelle: Dorndorf (Archiv)
Gleidingen/Rethen

Züge und vor allem der Güterverkehr bleiben die Lärmquelle Nummer eins und ein wichtiges Thema in Laatzen. 258 Bürger, darunter viele Gleidinger, haben sich an der jüngsten Befragungsrunde des Eisenbahnbundesamtes zum Thema Lärm beteiligt. Ein Vertreter der Aufsichtsbehörde aus Bonn bescheinigte der Kommune bei der Vorstellung der Lärmaktionsplanung vor den Ortsräten Gleidingen und Rethen zwar mit 130.000 Zügen im Jahr eine hohe Belastung, machte zugleich aber auch wenig Hoffnung auf eine zusätzliche Lärmschutzwand.

Gleidingen bilde einen Beteiligungsschwerpunkt, sagte Tobias Leuning vom Eisenbahnbundesamt bei der Sitzung in der örtlichen Grundschule. Diese zeige wie belastet die Menschen sich fühlten. Insgesamt gaben bei der Befragung 249 Laatzener Fahrgeräusche als störend an, 220 fühlten sich beim Schlafen und Entspannen gestört. Die Gleidinger wiesen – auch in der Sitzung – wiederholt auf den von der Schallschutzmauer der ICE-Strecke reflektierten Lärm des Güterverkehrs hin. Bei geöffnetem Fenster sei nachts kaum Schlaf zu finden.

"Das Interesse und die Beteiligung in Laatzen ist ziemlich groß": Tobias Leuning vom Eisenbahnbundesamt (EBA) stellte den Ortsräten Gleidingen und Rethen die Lärmaktionsplanung vor. Quelle: Astrid Köhler

Tatsächlich sind auf der Lärmkarte im sogenannten Tag-Abend-Nacht-Index nennenswerte Teile im Stadtgebiet und besonders der Bereich um die freiliegende Güterverkehrsstrecke bei Gleidingen in lila und blau eingezeichnet, was einem Dezibelwert von mehr als 70 und sogar 75 entspricht.

Auch bei den reinen Nachtwerten liegen Teile Laatzens im kritischen Bereich: 220 Betroffene sind den Berechnungen für den Lärmaktionsplan nach hohen Pegelbereichen von 70 und mehr Dezibel ausgesetzt. Das entspricht der Lautstärke eines Staubsaugers aus einem Meter Entfernung. Damit zähle Laatzen genauso viele von Schienenverkehr belastete Menschen wie die Ruhrpottmetropole Bochum, betonte Leuning.

Lärmaktionsplanung nicht einklagbar

Trotz der hohen Lärmpegel habe die Kommune keinen Anspruch auf einen sogenannten aktiven Lärmschutz, wie er bei Streckenneubauten oder wesentlichen Änderungen vorgeschrieben ist, betonte Leuning. In Laatzen sei dies mit dem Ausbau der ICE-Trasse geschehen. Wo darüber hinaus Lärmschutzwände entstünden und wann entscheide die Bahn selbst. „Die Lärmaktionsplanung ist zumindest zurzeit nicht einklagbar“, bestätigte der Laatzener Stadtplaner Berthold Gruben.

Die Deutsche Bahn habe mögliche Maßnahmen geprüft aber derzeit nichts für Laatzen angekündigt, teilte der Vertreter der Aufsichtsbehörde Leuning weiter mit. Das Gesamtkonzept zur Lärmsanierung werde einer neuen Prioritätenliste folgend nach und nach abgearbeitet. „Es gibt keinen Zeithorizont.“ Wenn überhaupt sei die für Gleidingen gewünschte Lärmschutzwand nur in Kooperation mit der Deutschen Bahn zu bekommen.

Stadt will mit Bahn sprechen: „Müssen Chance haben“

"Wenn wir so vom Bahnlärm betroffen sind, müssen wir eine Chance auf aktiven Lärmschutz haben": Stadtrat Axel Grüning bei der Sitzung in Gleidingen. Quelle: Astrid Köhler

Stadtrat Axel Grüning verwies auf die seit Langem von Bürgern geschilderten Belastung durch den von der Wand der ICE-Strecke reflektierten lauten Güterverkehr. Außerdem gehöre Laatzen zu den bundesweit am viertstärksten von Bahnlärm betroffene Mittelstädten, sagte der Stadtrat mit Verweis auf die Lärmaktionsplanungen: „Wir müssen eine Chance haben.“

Der Vertreter des Eisenbahnbundesamtes wies auf weitere Möglichkeiten der Lärmreduzierung hin, darunter den Einbau neuer Bremstechnologien, die wiederum die Räder weniger aufrauen und die Laufgeräusche von Zügen und Waggons vermindern. 45 Prozent der Güterwaggons seien bereits umgebaut, so Leuning. Bis 2021 solle diese Maßnahme abgeschlossen sein.

Anspruch auf Schallschutzfenster

Eine weiter Möglichkeit sei der von der Bahn finanzierten Einbau von Schallschutzfenstern. Der Grenzwert in Wohngebieten sei erst kürzlich um 8 auf 57 Dezibel abgesenkten worden und kombiniert mit der Tatsache, dass die Bahn inzwischen auch ältere (vor 1974) errichteten Gebäude nachrüstet, rechne er mit vielen Anspruchsberechtigten in Gleidingen und Rethen, so Leuning. Die Eigentümer müssten diesbezüglich nichts machen. Sie würden nach der noch ausstehenden schalltechnischen Untersuchung automatisch von der Bahn angeschrieben.

Der Lärmaktionsplan wird am Dienstag, 12. Februar, ab 18 Uhr ein weiters Mal vorgestellt – dann mit dem Schwerpunkt in den nördlichen Stadtteilen bei der Sitzung des Ortsrates Laatzen in der AES-Mensa, Wülferoder Straße 46.

Von Astrid Köhler

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