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Laatzen Waschbären erobern sich die Stadt
Aus der Region Region Hannover Laatzen Waschbären erobern sich die Stadt
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00:16 29.10.2018
Im Laatzener Stadtgebiet werden immer mehr Waschbären gesichtet. Quelle: Paul Zinken/dpa
Alt-Laatzen/Grasdorf

Im Laatzener Stadtgebiet werden immer mehr Waschbären gesichtet. „Die Anzahl nimmt seit ungefähr zehn Jahren zu“, sagt Jagdpächter Siegfried-Karl Guder. Mitterweile würden sich die Tiere nicht mehr nur in der Leinemasch aufhalten, „sie sind vermehrt auch in den Wohngebieten anzutreffen.“ Seit drei Jahren werde er immer häufiger von Alt-Laatzener und Grasdorfer Bürgern angesprochen, bei denen sich die Tiere auf den Grundstücken aufhalten, sagt Guder. „Insbesondere nahe der Leinerandstraße werden vermehrt Waschbären gesichtet.“ Sie plünderten Gärten, verursachten teils hohe Schäden an Häusern und machten mitunter erheblichen Lärm.

Vor zehn Jahren noch habe er die Tiere nur vereinzelt ausgemacht, sagt Guder. „Ich habe pro Jahr vielleicht mal ein oder zwei Waschbären in der Leinemasch gesehen.“ Als Jagdpächter für Laatzen ist er dafür verantwortlich, den Bestand einzudämmen. „Im vergangenen Jahr habe ich 66 Waschbären in der Masch geschossen, in diesem Jahr waren es schon 43.“

Mittlerweile haben sich die Tiere in ganz Niedersachsen stark ausgebreitet. „Die Zahlen steigen nahezu jährlich“, bestätigt auch Regionssprecher Klaus Abelmann. In der Region Hannover hätten Jäger im vergangenen Jahr mehr als 639 Waschbären erlegt, in ganz Niedersachsen etwa 12.000.

Die Europäische Union stuft Waschbären als sogenannte „invasive Art“ ein – das bedeutet, dass sie eine Gefahr für die natürlichen Ökosysteme, Biotope und Arten darstellt. „Vor allem die Plünderung von Greifvogelnestern werden vom Artenschutz als Problem angesehen“, sagt Abelmann. „Bei den Singvögeln und beim Niederwild sind zunehmend Verluste von Gelegen und Jungtieren zu befürchten.“

Dies hat auch Guder beobachtet. „Es gibt kaum noch Jungtiere in der Masch.“ Waschbären und auch Marder würden die Gelege von Enten, Gänsen, Teichhühnern, Blässhühnern und anderen Tieren ausrauben. Er bemerke in der Masch einen allgemeinen Artenschwund, der Guder, der auch Feld und Forsthüter für Laatzen und Grasdorf ist. „Der einzige, der sich gegen die kleinen Räuber behaupten kann, ist der Schwan“, sagt er. „Andere Arten haben gegen den Waschbären keine Chance.“ Baumhöhlen, die von dem Tier aufgesucht werden, würden von Vögeln im Anschluss nur selten wieder als Nisthöhle genutzt.

Laut Regionssprecher Abelmann hätten sich Waschbären sogar eine eine ganz neue Nahrungsquelle erschlossen: „Sie leeren die Fangeimer entlang der Krötenzäune.“ Denn die Tiere sind typische Allesfresser, besonders gerne fressen sie Kleinsäuger und Fische. Die Anzahl der Tiere wird nach Regionsangaben bundesweit auf rund eine halbe Million geschätzt. Eine Reduzierung der Bestände sei nur mittels Bejagung durch Abschüsse oder Lebendfallen möglich. „Vor dem Hintergrund des Arten- und Naturschutzes unterstützt die Region die Bejagung der Tiere mit Lebendfallen“, sagt Abelmann. „In Bereichen wie etwa der Südlichen Leineaue, dem Hastbruch oder im Bissendorfer Moor sollen die heimischen Arten vor den Beutegreifern so besser geschützt werden.“ Den Fang übernehmen die Jägerschaften Hannover-Land, Springe und Burgdorf. Im vergangenen Jahr habe die Behörde dafür 40.000 Euro ausgegeben.

Die Region hofft, die Anzahl der Tiere durch die Bejagung zumindest reduzieren zu können. „Eine Ausrottung ist illusorisch“, sagt Abelmann. Was es besonders schwierig macht: Die Tiere sind in der Lage, hohe Todesraten durch hohe Geburtenraten zu kompensieren.

Waschbären kommen vom amerikanischen Kontinent, das Verbreitungsgebiet erstreckte sich ursprünglich von Mittelamerika bis nach Kanada. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts sind die Tiere auch in Europa vertreten. Als sogenannte Neozoen wurden sie vom Menschen eingeschleppt. Waschbären wurden früher häufig in Pelztierfarmen gehalten. Einige von ihnen sind ausgebrochen oder wurden freigelassen. Seit rund 80 Jahren breiten sich Waschbären vermehrt in Europa aus, da sie auf dem Kontinent kaum natürliche Feinde haben.

Region gibt Tipps für Haus- und Gartenbesitzer

Um über die Ausbreitung der Waschbären zu informieren, hat die Region im vergangenen Jahr ein Faltblatt über den „Problembär“ aufgelegt. „Die Tiere sind inzwischen nicht nur in der freien Natur ein Problem“, sagt Regionssprecher Klaus Abelmann. „Inzwischen haben sich Waschbären auch in der Nähe der Menschen neuen Lebensraum erschlossen. Dachböden, Kaminschlote, Schuppen, verfallene Gebäude oder Gartenlauben bieten komfortable Quartiere.“ Nahrung stehe in Gärten, Komposthaufen und Mülleimern im Überfluss zur Verfügung.

Die Region rät dazu, Zugangsmöglichkeiten zu Wohnhäusern, Gartenlauben oder Schuppen möglichst zu verschließen. Damit Waschbären solche Quartiere gar nicht erst erreichen, könnten die Äste der nebenstehenden Bäumen großzügig gekürzt werden. Die Region rät zu einem Abstand von mindestens einem Meter. Da sich die Tiere auch an Regenrinnen emporhangeln können, könnten die Fallrohre mit einer etwa einen Meter hohen und ebenso breiten glatten Metallmanschette versehen werden. Diese verhindere das Aufsteigen auf das Dach. Solche Manschetten schützen auch Obstbäume, von deren Früchten sich Waschbären ernähren.

Laatzens Feld- und Forsthüter Siegfried-Karl Guder rät dazu, Mülleimer geschlossen zu halten und Müll zur Abholung erst möglichst spät auf die Straße zu stellen. Und: „Wenn man Futter für Igel, Katzen oder andere Tiere in den Garten stellt, lockt das auch Waschbären an.“

Das Faltblatt der Region ist auf der Internetseite der Region Hannover herunterladen.

Von Daniel Junker

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