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Laatzen Hotel wird für 1,1 Millionen Euro zwangsversteigert
Aus der Region Region Hannover Laatzen Hotel wird für 1,1 Millionen Euro zwangsversteigert
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00:16 05.02.2018
Millionenobjekt: Das Hotel Opal an der Kronsbergstraße in Laatzen wechselte am Mittwoch beim Zwangsversteigerungstermin im Amtsgericht Hannover für 1 111.000 Euro den Eigentümer. Quelle: Astrid Köhler
Alt-Laatzen/Hannover

 Die Menschentraube im Flur des Amtsgerichtes Hannover lässt es erahnen: Der Termin zur Zwangsversteigerung des Laatzener Hotels Opal ist kein gewöhnlicher. Rund 120 Menschen warten größtenteils schweigend und in kleinen Grüppchen darauf, in den noch verschlossenen Vollstreckungssaal 2048 zu kommen. Um kurz vor 10 Uhr bahnt sich ein Zweimetermann im Anzug mit Krawatte den Weg durch die Menge – vor ihm eine Frau mit Aktenstapel im Arm. Es sind der Rechtspfleger und die Protokollführerin. Sie werden die folgende fast zweistündige Versteigerung leiten und begleiten, in der das Ende einer einzelnen Hoteliersgeschichte besiegelt und ein außergewöhnlicher Kaufpreis erzielt wird.

Ob die Vertreter der Gläubiger schon da seien, fragt der Zweimetermann mit einem suchenden Blick über die vielen Köpfe. „Ja, hier“, ruft eine Frau, die sich sogleich mit ihrem Anzug tragenden Nebenmann von der Holzbank erhebt und auf die dunkle Saaltür zusteuert. Als der Name des Eigentümers durch den Gerichtsflur hallt, bleibt es hingegen still. Der Mann, der seinen finanziellen Verpflichtungen über einen längeren Zeitraum nicht nachgekommen ist, hat offenbar kein großes Verlangen, bei der Versteigerung seines Hab und Gut dabei zu sein. Nach einer kurzen Pause verschwinden die Gerichts- und Bankvertreter im Saal 2048. Einige Minuten später öffnet sich die Tür auch für die Wartenden, die im langsamen Wippgang in den Raum strömen. Wer keinen der dort in engen Reihen zusammengeschobenen 50 Stühle ergattern kann, macht es sich an Heizungen, Fensterbänken und Wänden bis kurz vor den Richtertisch so gut es geht bequem. Nach einigem Geschiebe und Gerücke geht es schließlich los.

Gedränge im Amtsgerichtssaal: Ein Großteil der 120 Interessenten für die Zwangsversteigerung des Hotel Opal ist bis zum Ende in Saal 2048 geblieben. Quelle: Astrid Köhler

Das Hotel auf dem 1025 Quadratmeter großen Grundstück werde auf Antrag der Volksbank Hameln-Stadthagen zwangsversteigert, erfahren die Zuhörer. Sie hat seinerzeit 885.000 Euro beigesteuert, als der Eigentümer das Hotel an der Kronsbergstraße 53 vor knapp zehn Jahren erwarb. Bereits seit 2016 läuft das Verfahren zur Zwangsversteigerung. Als weitere Gläubiger werden angeführt: das Finanzamt mit einem hohen fünfstelligen Betrag und die Stadt Laatzen mit einem mittleren vierstelligen Betrag. 

Der geschätzte Verkehrswert der etwa 22 Jahre alten Hotelimmobilie inklusive Zubehör beträgt 244.160 Euro. So steht es in der zehn Zeilen langen Zeitungsannonce und in dem schriftlichen Gutachten, das Interessierte vor dem Zwangsversteigerungstermin einsehen konnten. Die Immobilie selbst haben die Wenigsten besichtigt.

Rechtspfleger Gebhardt – seinen Vornamen will er nicht in der Zeitung sehen – trägt Details zu den Verfahren vor und erläutert den weiteren Ablauf. Die Bieterzeit sei auf 30 Minuten beschränkt, erklärt er. Dabei glaubt niemand ernsthaft, dass die Zeitvorgabe an diesem Vormittag einzuhalten sein wird. Allein bis alle Bietinteressenten namentlich erfasst und ihre Ausweise und Banksicherheiten geprüft sind, wird fast eine halbe Stunde vergehen. 

Um 10.18 Uhr hebt der Vollstreckungsbeamte das nächste Mal die Stimme und das leise Gemurmel im Saal ebbt ab. „Wir haben ein erstes Gebot: 300.000 Euro. Sicherheit ist in ausreichender Höhe und formgerecht erbracht“, ruft Gebhardt, ehe er die nächsten Ausweise und Unterlagen zur Hand nimmt. Wer mitbieten will, muss dem Gericht vorab knapp 25.000 Euro als Sicherheitsleistung überwiesen haben oder als Bankbürgschaft vorlegen können: zehn Prozent des Verkehrswertes des zu versteigernden Objektes. Die beiden Bankvertreter sitzen quer zum Richtertisch und verfolgen ruhig das Treiben. 

In den nächsten Minuten steigt der potenzielle Kaufpreis in Schritten von 1000 bis 9000 Euro langsam an. Um 10.38 Uhr erhebt sich ein großer, sportlich aussehender Mann – Typ Surfer – mit Dreitagebart und blondem Zopf. Er schlendert ans Ende der Schlange mit den potenziellen Bietern. Die Gebote haben inzwischen die 500.000-Euro-Marke durchbrochen. Das entspricht dem Doppelten des Experten zufolge eher niedrig angesetzten Verkehrswertes. Hinter dem Surfertyp stehen noch zwei weitere Männer. Als der Blonde an der Reihe ist, stockt es am Richtertisch. „Das geht so leider nicht“, sagt Gebhardt nachdem er die Unterlagen in Augenschein genommen und erste Nachfragen gestellt hat. Nach einem leisen Wortwechsel und Zettelgeblätter darf der Mann schließlich doch sein Gebot abgeben: 530.000 Euro. Um 10.45 Uhr ist das Ende der Schlange mit den potenziellen Bietern erreicht. Beim Stand von 605.000 Euro geht es auf kurzen Zuruf und per Handzeichen weiter.

Die längste Zeit ist – wenn überhaupt – nur die Stimme des Versteigerungsleiters zu hören, der die jeweiligen Zwischenstände für die Zuhörer und das Protokoll wiederholt. „Die Bietzeit ist überschritten, aber wir machen auch bis 12 Uhr durch“, kündigt Gebhardt an. In den Saal kommt Bewegung: Einige gehen hinaus – manche nur um sich die Beine zu vertreten oder telefonieren zu können, anderen ist der Preis inzwischen zu hoch. Vereinzelt treten neue Interessenten an den Richtertisch, darunter eine Dreiergemeinschaft, die das Hotel samt Grundstück für 625.000 Euro ersteigern will.

Um kurz vor 11 Uhr erscheint ein Mann mit dunklem Jackett und grauen Haaren vor dem Registriertisch, der die folgenden 45 Minuten maßgeblich mitbestimmen wird. Sein erstes Gebot: 700.000 Euro. Von da an lichtet sich die Reihe der Bieter merklich, bis sie nur noch aus vier Parteien bestehen: eine Frau mit blauer Jacke und gefärbtem Pelzkragen und deren Ehemann, ein Glatzköpfiger mit Brille, der eine GbR vertritt, ein leger mit Pulli und Jeans bekleideter Mann, der an der Heizung lehnt und stets 1000 Euro auf das Höchstgebot der Anderen draufschlägt, und der Mann mit dem dunklen Jackett. Die Bankvertreter wirken zufrieden.

Die Versteigerung nimmt Fahrt auf. Im Sekundentakt steigen nun die Gebote, die bald das Dreifache des Verkehrswertes erreicht haben, und fallen die Namen der Bieter. „Moment, so schnell kann ich nicht mitschreiben“, ruft die Protokollführerin. Dann wird zum ersten Mal angezählt. „831.000 zum Ersten, ...“ – doch es geht weiter: 835.000 Euro, 836.000 Euro, .... „Ich hoffe, sie haben das alles mit ihrer Bank abgeklärt“, sagt Gebhardt beim Stand von 940.000 Euro.

Den Sprung über die Millionengrenze gehen nur noch drei Bieter mit: der GbR-Vertreter, der Mann mit den 1000er-Schritten und der Graumelierte mit der dunklen Jackettjacke. Die Luft ist zum Schneiden. Ein Millionengebot jagt das nächste, jetzt verlässt keiner mehr den Raum. Eine Zuhörerin pustet unter dem Millionen-Stakkato laut Luft aus. Bei 1,089 Million Euro steigt der GbR-Vertreter aus. Das verbliebene Duo treibt den Preis weiter hoch. Das Rennen scheint schließlich der Mann an der Heizung zu machen. „1,110.000 Euro zum Ersten, ... zum Zweiten ... “, sagt Gebhardt und kaum einer scheint noch zu atmen in Saal 2048. Die Zeiger der Uhr stehen auf 11.37 Uhr. Dann hebt der Graumelierte die Hand und legt noch einmal drauf: Für 1 Million und 111.000 Euro wird er der neue Eigentümer des Hotels Opal.

Ausgelegt ist der Sitzungssaal 2048 im Amtsgericht Hannover für etwa 50 Zuhörer. Am Mittwoch strömten rund 120 dort hinein. Quelle: Astrid Köhler

Beobachter werden anschließend sagen, der Preis sei sehr gut für den Eigentümer. Er komme womöglich schuldenfrei aus allem heraus. Andererseits sei der Preis, der mehr als dem Vierfachen des Verkehrswertes entspricht, so hoch, dass schon wieder Sorge angebracht sei. Versteigerungen entwickelten ihre eigene Dynamik. Nicht selten, das zeige die Erfahrung, würden sich Bieter im Wettstreit übernehmen.

Der neue Eigentümer, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, strahlt nach der Versteigerung Ruhe und Zufriedenheit aus. Ihm gehören nach eigenen Angaben bereits drei Hotels in Hannover. Unter anderem ist er der Geschäftsinhaber von zwei 2012 und 2016 neu eröffneten Hotels in der List und am Steintor. Ein Hotel direkt an der Messe passt offenbar gut in sein Konzept. Wie er auf Nachfrage erklärt, wolle er den Hotelbetrieb an der Kronsbergstraße erhalten. 

Von Astrid Köhler

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