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Laatzen Wohnscheibe: Ortsrat stellt Eigentümer zur Rede
Aus der Region Region Hannover Laatzen Wohnscheibe: Ortsrat stellt Eigentümer zur Rede
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00:19 16.02.2019
"Wir sind für eine Weiterentwicklung offen": Jeanette Pietsch (mit Mikrofon), Leiterin des Service Point der Deutschen Wohnen in Hannover, spricht vor dem Ortsrat Laatzen. Neben ihr sitzen als weitere Unternehmensvertreter Marko Rosteck (von rechts), Oliver Voigt und Svenja Tönspeterotto. Quelle: Astrid Köhler
Laatzen-Mitte

Die von Bewohnern geschilderten Zustände in der Wohnscheibe am Marktplatz sorgen seit Monaten für Negativschlagzeilen: Dreck, Müll, illegale Partys, technische Probleme mit dem Fahrstuhl und das Fehlen eines Hausmeisters vor Ort sind nur einige der wiederholt vorgebrachten Kritikpunkte. Am Dienstag haben Vertreter der Deutschen Wohnen im Ortsrat Laatzen Stellung bezogen. Ihre Botschaft, die von weiteren Vertretern des eigenes gegründeten Runden Tisches bestätigt wurden: Vieles wurde bereits unternommen und habe sich schon verbessert.

Das Problem mit der Kelleretage und den Partys habe deutlich abgenommen, berichtete Maren Quell, die neue Quartiersmanagerin im Stadtteilbüro. Von den Bewohnern, die 22 Nationalitäten angehören, habe es zuletzt positive Rückmeldungen auf die getroffenen Maßnahmen des Eigentümers gegeben. Auch der Leiter des Kriminal- und Ermittlungsdienstes der Laatzener Polizei, Stefan Schwarzbard, zeigte sich „erfreut“ über die Veränderungen, zu denen auch eine bessere Reinigung des Hochhauses, der neu beauftragte Sicherheitsdienst sowie das niedrigschwellige Eingreifen bei Vandalismus und anderen Fällen zählen. Seit Dezember habe es nur eine Handvoll Straftaten gegeben, was vergleichsweise wenig sei bei einem derartigen Gebäudekomplex, sagte Schwarzbard.

„Wenn ich bei Ihnen arbeiten würde, müsste ich mich schämen“

Wenig begeistert äußerte sich Petra Herrmann (SPD), die auf das schlechte Erscheinungsbild der Anlage mit in Bäumen flatternde Plastiktüten verwies. „Geht da keiner rum und kann nicht mal einer mit der Leiter das Plastik herunterholen?“, wollte die Ortsrats- und Ratspolitikerin von den Vertretern der Deutschen Wohnen wissen. „Wenn ich bei Ihnen arbeiten würde, müsste ich mich schämen, dass ich nicht Maßnahmen ergreife, um das Erscheinungsbild zu verbessern“, legte Herrmann nach. „Wenn Sie nicht zeigen, dass Sie das Objekt schön haben wollen, werden wir mit Ihnen nicht glücklich werden in Laatzen“. Britt Wischhusen (Grüne) regte mehr Farbe oder Pflanzen an dem „deprimierend grauen“ Gebäuderiegel an.

Der Bestand am Marktplatz sei wichtig und die Deutsche Wohnen grundsätzlich bereit zu investieren, entgegnete Unternehmenssprecher Marko Rosteck. Solange Menschen aber Müll aus dem Fenster werfen, ins Treppenhaus spucken, urinieren und koten würden, brächten Farbe und andere Einzelmaßnahmen nichts. Erst wenn Sicherheit und Ordnung hergestellt seien, sei es Zeit für den nächsten Schritt.

Wird die Galerie am Marktplatz abgerissen?

Seit 2013 ist die Deutsche Wohnen Eigentümerin der Wohnscheibe am Marktplatz und seit einigen Jahren mache sich das Unternehmen auch Gedanken über eine Umgestaltung des Hochhauses, erklärte Jeanette Pietsch, Leiterin des Service Points der Deutschen Wohnen in Hannover, am Dienstag im Ortsrat. Tatsächlich gebe es schon mehrere Architektenpläne mit verschiedenen Gestaltungsvarianten – mit und ohne Galerie und den dazugehörigen Treppenaufgängen. Die künftige Gestaltung des Bereiches solle eng mit den Plänen der Stadt Laatzen abgestimmt werden, betonte Pietsch. Die Stadt selbst arbeitet an einem Entwurf für den Marktplatz, auf dem der Neubau des Rathauses entstehen soll. In etwa drei bis vier Jahren könnten die ersten Pläne fertig sein und öffentlich diskutiert werden, sagte Stadtrat Axel Gürning auf Nachfrage dieser Zeitung. Das Rathaus, so viel ist jetzt schon klar, hat dabei Priorität vor der Umgestaltung des Marktplatzes. akö

Um diesen zu erreichen, habe die Deutsche Wohnen unter anderem die Nummer des Sicherheitsdienstes an alle Mieter geschickt und lasse sie regelmäßig die Treppenhäuser und Wände säubern. Von März an werde die Reinigungsfrequenz auf dann dreimal wöchentlich erhöht. „Normal ist einmal in der Woche“, betont Rosteck.

Baum wird gefällt, weil verstärkt Müll darin hängt

Ernstes Gelächter und Nachfragen folgten auf die Mitteilung, das Unternehmen habe jüngst einen Baum nahe dem Müllplatz auf der Westseite fällen lassen, in dem zuletzt immer wieder Windeln hingen. Es irritiere ihn, dass deshalb ein Baum gefällt werden müsse, sagte Andreas Quasten (Grüne). „Wir sind offen für Vorschläge, wie man Leute dazu bringt, nicht mehr ihren Müll aus dem Fenster zu werfen“, erwiderte Rosteck: „Es ist erschreckend, dass solche Maßnahmen nötig sind, aber leider Realität.“ Ähnlich wie bei dem Sanierungsobjekt der Deutschen Wohnen am Sahlkamp in Hannover sei mitunter ein hartes Vorgehen nötig.

Ausgelöst worden war die Diskussion in Laatzen nach einer Befragung des Stadtteilbüros im Sommer 2018. Fast die Hälfte (46 Prozent) der Bewohner hatten angegeben, unzufrieden mit der Wohnsituation am Marktplatz zu sein. Kritisiert wird seitdem unter anderem, dass kein Hausmeister vor Ort ist und die Deutsche Wohnen am Prinzip ihrer Servicehotline in Berlin festhält. Bei dieser gehen alle Anrufe und Störungsmeldungen ein, ehe sie an die zuständigen örtlichen Stellen weiter verwiesen werden. „Der Vorteil liegt in der 24-Stunden-Erreichbarkeit“, sagte Rosteck. Die Deutsche Wohnen, zu der bundesweit rund 160.000 Wohnungen „vom Unesco-Weltkulturerbe bis zum Plattenbau in Berlin-Marzahn“ gehörten, habe damit gute Erfahrungen gemacht.

SPD-Ratsfrau Herrmann hingegen verwies noch einmal auf die Sprachschwierigkeiten: „Ich habe auch eine Zeit lang im Ausland gelebt und weiß, wie hoch die Hürde ist zu telefonieren.“ Besser sei es, wenn Mieter persönlich mit jemandem sprechen könnten – notfalls auch „mit Händen und Füßen“. Angesichts der Situation in Laatzen wären es gut, wenn das Unternehmen seine Entscheidung für die Servicehotline und gegen einen Hausmeister daher noch einmal überdenken würde.

Von Astrid Köhler

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