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Laatzen Bist Du auch für Deutschland?
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00:19 01.07.2018
In der Gemeinschaftsunterkunft Rethen schauen Bewohner und Betreuer gemeinsam das Spiel Deutschland gegen Südkorea. Quelle: Katharina Kutsche
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Rethen

Als die Südkoreaner in der 18. Minute aufs deutsche Tor stürmen, schaut Özil vor dem Fernseher zu. „Ooohhh“, hallt es durch den Raum, Torwart Manuel Neuer hat den Ball gerade noch gerettet. Es sieht nicht gut aus für die deutsche Mannschaft, da sind sich hier, in der Rethener Gemeinschaftsunterkunft an der Hildesheimer Straße 305 A alle einig.

Es ist Mittwochnachmittag, die Bewohner schauen bei Knabberzeug, Cola und Apfelschorle das Vorrundenspiel der Nationalmannschaft gegen das Team aus Asien. Özil ist natürlich nicht persönlich anwesend, ein irakischer Junge trägt sein Trikot. Er ist nicht der einzige Deutschland-Fan im Raum, Trikots und aufgemalte schwarz-rot-goldene Streifen auf den Wangen tragen einige. Seit dem Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft ist der Gemeinschaftsraum der Unterkunft das WM-Zimmer, hier hängen Deutschland-Wimpel neben Fanschals von Hannover 96 und Eintracht Frankfurt. „Bist Du auch für Deutschland?“, fragt Hristiyana, 10, aus Bulgarien.

Seit Anfang des Jahres leben in dem Heim in Rethen geflüchtete Familien mit Obdachlosen zusammen. Die vorherige Unterkunft für die Obdachlosen wurde abgerissen, nachdem die Betriebserlaubnis erloschen war. Die gemeinsame Unterbringung hatten manche kritisch beäugt, genau wie das Heim an sich – es fehle an Offenheit gegenüber Ehrenamtlichen, hieß es. Heute, sechs Monate später zeigt sich: Es funktioniert.

Heimleiter Sebastian Schäfer ist für die Verwaltung der Unterkunft verantwortlich, die Platz für 130 Menschen bietet. Das Verhältnis beider Bewohnergruppen ist gut, sagt Schäfer: „Gerade letzte Woche haben zwei der Obdachlosen gemeinsam mit den Kindern Blumen gepflanzt. Das war schon ein anrührender Moment.“ Schäfer kümmert sich zusammen mit Sozialarbeiter Mikael Seeman um die Bewohner, dazu hilft ein Hausmeister bei allem Technischen. Alle 29 Wohneinheiten sind belegt, rund drei Viertel der Bewohner sind Flüchtlinge. Gesprochen wird Kurdisch und Arabisch, es sind viele Nationen vertreten.

Khudher Khalaf Abdo etwa ist aus Irak geflohen. Er ist Jeside, wird wegen seiner Religion verfolgt. In seiner Heimat wurden mehr als 5000 Menschen getötet, darunter sein „Opa“, sagt er. Abdo, 40, verließ das Land über die Türkei, mit seiner Frau und den zwei Töchtern. Im Irak unterrichtete er Englisch, nun lernt er an der Volkshochschule Deutsch, möchte im September die B1-Prüfung ablegen. Um auf dem Arbeitsmarkt eine Chance zu haben, bräuchte er B2, das zeigen die Erfahrungen von Schäfer und den Ehrenamtlichen vom Laatzener Netzwerk für Flüchtlinge.

Das Netzwerk kümmert sich unter anderem um die Sprachförderung. Gabriele Hecht und Vera Viebrans sind zum Fußballschauen ins Heim gekommen, sonst arbeiten sie mit dem Bewohnern oder helfen den Kindern bei ihren Hausaufgaben. Das funktioniere vorbildlich, das Heim sei gut organisiert, sagen beide. Generell bestimmt das Lernen den Tagesablauf. Die Erwachsenen sind in Integrationskursen, die Kinder gehen in Schule und Kindergarten. „Es ist ganz wichtig, dass sie lernen, dass es Schulpflicht gibt in diesem Land“, so Schäfer. Die Pflicht hilft, die Kinder sprechen erstaunlich gut Deutsch.

So wie Jolyan, 13, Jesidin aus dem Irak. Sie ist etwas traurig, dass sie die siebte Klasse wiederholen muss, aber sie ist erst seit zehn Monaten in Deutschland. Auch Samir, 15, stammt aus dem Irak, flüchtete mit der Familie aus denselben Gründen wie die anderen. An die Heimat denkt er nicht zurück: „Warum sollte ich, dort gibt es immer nur Krieg“, sagt Samir. Bei Germania Grasdorf steht er selbst auf dem Fußballplatz, professioneller Spieler zu werden ist ein Traum von ihm. Wenn das nicht klappt, möchte er Polizist werden.

Doch nun sind erstmal Ferien, Heimleiter Schäfer musste sich am Mittwoch die Zeugnisse der stolzen Kindern ansehen, sagt er. Das WM-Zimmer wird jedenfalls weiter für Ablenkung sorgen, wenn auch ohne die deutsche Mannschaft.

Von Katharina Kutsche

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