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Laatzen Leser erinnern sich ans Schneechaos 1978/79
Aus der Region Region Hannover Laatzen Leser erinnern sich ans Schneechaos 1978/79
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18:03 30.12.2018
In der Straße An der Masch in Alt-Laatzen türmen sich im Winter 1978/79 die Schneeberge. Quelle: Gerhard Junge
Laatzen/Pattensen

Frostbeulen und Doktor-Schiwago-Stimmung in Laatzen: Extreme Schneefälle führten im Winter 1978/79 zu einer Schneekatastrophe. Leser berichten, wie sie den Winter vor 40 Jahren in Laatzen erlebten.

„Wir hatten gerade ein schönes harmonisches Weihnachtsfest mit unserer damals eineinhalbjährigen Tochter verlebt und genossen die ruhige Zeit zwischen den Jahren“, erinnert sich die Laatzenerin Ingrid Pawelczak. Doch am 29. Dezember brach sich Tochter Sylvia den Arm. Da alle Arztpraxen zwischen Weihnachten und Neujahr geschlossen hatten, fuhr das Ehepaar in die damalige Kinderheilanstalt an der Ellernstraße in Hannover. Nachdem ihre Tochter dort versorgt worden war und die Familie mit dem Auto nach Hause fahren wollte, hatte es begonnen zu schneien. „Der Schneefall nahm im Laufe der nächsten Stunden zu und ganz Laatzen versank im Schnee“, weiß Pawelczak noch. Als die Familie am nächsten Tag zur „Gipskontrolle“ erneut nach Hannover musste, staunte sie nicht schlecht. „Alles war schneeweiß.“ Die Fahrt zur Kinderheilanstalt dauerte mehrere Stunden. Aus der Hin- und Rückfahrt wurde eine Tagesfahrt.

Fakten zum Schneechaos 1978/79

Am 1. Januar 1979 herrschten in Hannover eisige Minusgrade. Die Tiefsttemperatur lag bei Minus 19,7 Grad, die Höchsttemperatur bei Minus 7,6 Grad. Im Vergleich zum Wetter in Russland waren diese Temperaturen jedoch noch geradezu tropisch. Dort wurden am 31. Dezember 1978 in Ust-Schtschuger im Uralvorland im Nordosten des Kontinents Minus 58,1 Grad gemessen, die bisher tiefste registrierte Temperatur in Europa.

Am 28. Dezember fror die Ostsee vor Sassnitz innerhalb weniger Stunden vollständig zu. Meterhohe Schneewehen brachten in Norddeutschland den Straßen- und Eisenbahnverkehr zum Erliegen. Viele Ortschaften und auch die ganze Insel Rügen waren von der Außenwelt vollständig abgeschnitten. Eine Versorgung der Einwohner aus der Luft war wegen des starken Sturmes vorerst nicht möglich. Erst nach mehreren Tagen konnten die wichtigsten Verkehrswege notdürftig befahren werden.

Hinzu kam, dass an vielen Orten die Strom- und Telefonnetze ausfielen, da sich bis zu 30 Zentimeter dicke Eispanzer um die Leitungen legten und viele Masten unter dem Gewicht zusammenbrachen. Räumfahrzeuge konnten die Schneemassen nicht mehr bewältigen, so dass die Bundeswehr eingesetzt wurde, um liegengebliebene Fahrzeuge und Züge zu erreichen. zer

In ihrem Auto kämpfte damals auch Helga Eichinger gegen die extremen Wetterverhältnisse. Am Freitag, 8. Dezember, wurde sie vom Eisregen überrascht, als sie im achten Monat schwanger ihre Schwester in Pattensen besucht hatte. Die Heimfahrt nach Laatzen war auf der spiegelglatten Straße kaum zu bewältigen. In der eisüberzogenen Scheibe ihres Autos bekam sie lediglich ein kleines Guckloch freigekratzt. Doch da die Heizung in ihrem VW Käfer nicht richtig funktionierte, musste sie mit ihrem Baby-Bauch immer wieder aussteigen und das Guckloch freikratzen. Bei Koldingen wurde ihr schließlich Angst und Bange. „Die Straßen waren komplett leer, weder ein Auto, ein Taxi noch ein Bus fuhren und auch Fußgänger sah man nicht. Was sollte ich tun? Im Auto sitzen bleiben? Dazu war es viel zu kalt, da würde ich ja mit meinem Baby im Bauch fast erfrieren.“ Also fuhr sie weiter, im Schritttempo und mit viel Herzklopfen. Zuhause sorgte sich ihr Mann um sie. Als er nach einem Schäfchen aus dem Fenster sah, glaubte er zu träumen. „Es fuhren keine Straßenbahnen und Autos. Nur Menschen mit Schlittschuhen und Gleitschuhen waren auf der Straße zu sehen.“ Wie durch ein Wunder kam Helga Eichinger heile zu Hause an. „Wie ich es geschafft habe, weiß ich bis heute nicht“, sagt sie. Ein paar Wochen später, Ende Januar 1979, brachte sie ihren Sohn zur Welt. Die ersten Ausfahrten mit ihm machte sie in hohem Schnee.

Auch Brigitte Urban, die im Sommer 1978 nach Laatzen gezogen war und mittlerweile in der Uetzer Ortschaft Dollbergen lebt, erinnert sich noch gut an die Schneemassen, die den Straßenverkehr zum Erliegen brachten. Die geplante Fahrt zur Silvesterfeier in Hannover musste sie absagen. Stattdessen blieb sie im Fahrstuhl stecken, als sie den Müll runterbringen wollte. Glücklicherweise konnte sie der Hausmeister schnell befreien. „Termine einzuhalten oder pünktlich am Arbeitsplatz zu erscheinen, war ein Lotteriespiel“, sagt Urban. „Bei meinen Straßenbahnfahrten nach Hannover habe ich mich an den Film ‚Doktor Schiwago’ erinnert. Vereiste Fenster, verschneite Straßen und Personen mit Schnee an Schuh und Kleidung.“ Immer wieder habe es glimpfliche Situationen für Autofahrer gegeben. „Bei einem Ausweichmanöver fuhren auch wir in eine Schneewehe - ein Schreck, aber kein Schaden.“

Bei Rosemarie Stümpel aus Ingeln-Oesselse wirkten sich die starken Schneefälle unmittelbar auf ihren Hausbau am Hirtenweg aus. Das Haus, das auf einem Gelände mit zwei Quellen errichtet wurde und bei dem die Bauleute sowieso mit Wasserprobleme zu kämpfen hatten, war Ende 1978 im Rohbau schon halbfertig und auch das Kellergeschoss mit dem 5000-Liter-Tank für die Ölheizung bereits eingebaut. Dicht war der Keller aber noch nicht - und dann kam der Schnee. Durch die Fenster- und Treppenöffnungen wehten die Massen hinein, und als es wenig später zu Tauen begann, hob das einen halben Meter hoch stehende Wasser den leeren Tank aus der Verankerung, sagt die Seniorin. „Der Tank hing unter der Decke.“ Immerhin: Nachdem das Wasser abgepumpt war, konnte der Öltank wieder verankert werden, und er speicherte zuverlässig den Brennstoff für die Heizung.

Aber die Schneemassen hatten nicht nur negative Folgen. Viele Kinder genossen die Winterfreuden in Laatzen und unternahmen Schlittenfahren wie ein Foto zeigt, das Helga Johannsen von ihrem damals eineinhalbjährigen Sohn gemacht hat. Außerdem gab es oft schulfrei, wie Wiebke Henoch berichtet, die damals 15 Jahre alt war. „Das war natürlich klasse.“ Nicht so klasse waren dagegen die Erfrierungen, die sich die Laatzenerin bei bis zu Minus 19,5 Grad zugezogen hat. „In diesem Winter hatte ich das erste und letzte Mal Frostbeulen an den Füßen.“

Von Stephanie Zerm

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