Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 8 ° Regenschauer

Navigation:
Osterkamp mahnt: Jeder Mensch hat eine Geschichte

Laienkanzel in Laatzen Osterkamp mahnt: Jeder Mensch hat eine Geschichte

Die Laatzener Tafelvorsitzende und Leiterin des Jobcenters Dietlind Osterkamp hat beim Neujahrsempfang der Kirchenregion gesprochen. Von der Laienkanzel aus warb sie dafür, bei jedem Menschen genau hinzusehen und niemanden pauschal zu verurteilen.

Voriger Artikel
Sternsinger starten ihre diesjährige Sammeltour
Nächster Artikel
Doppelausstellung beim Laatzener Kunstkreis

Rolf Pätzold, Vorsitzender des Regionskirchenvorstands überreicht Dietlind Osterkamp einen Bildband als Dankeschön

Quelle: Andrea Weber

Rethen.  Beim 21. Neujahresempfang der Kirchenregion Laatzen hat am Montag Dietlind Osterkamp das Wort auf der Laienkanzel ergriffen. Im Zentrum der Ansprache der Laatzener Tafelvorsitzenden und Jobcenter-Leiterin stand die Jahreslosung aus der Offenbarungsgeschichte: „Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.“ (Offenbarung 21,6)

Der Alt-Laatzener Pastor Matthias Freytag begrüßte rund 100 Besucher in der St.-Petri-Kirche in Rethen, darunter Bürgermeister Jürgen Köhne und sein Stellvertreter Ernesto Nebot Pomar. Christian Ganswindt begleitete die Andacht auf Orgel und Geige.

Osterkamp hinterfragte sodann die Bedeutung der Begriffe ,Durst’ und ,umsonst’. Mit Ersterem sei sowohl Wissensdurst und Lebenshunger zu bezeichnen, aber auch Hunger und Durst im wahrsten Sinne. Die gelernte Sozialarbeiterin erzählte aus ihrem Berufsalltag als Vorsitzende der Tafel für Laatzen, Hemmingen und Pattensen (seit 2013) und Bereichsleiterin des Jobcenters in Laatzen und des Standortes Freundallee (seit 2012).

Ihr sei es schon immer auf den Menschen angekommen, betonte Osterkamp. Als Bereichsleiterin sei sie zwar zunehmend mit organisatorischen Aufgaben befasst, dennoch seien ihre persönliches Gespräche wichtig: „Wer mit mir ein Gespräch führen möchte, wird auch einen Termin bekommen!“ Hinter jedem ,Vorgang’ stünde schließlich ein Mensch und hinter diesem eine Familie.  

Ähnliches gilt für ihren Einsatz bei der Laatzener Tafel, die Osterkamp 2007 mit zwei Kollegen gründen, unter dem Motto: Helfen, zu helfen. Aktuell nutzen mehr als 1000 Bedürftige das wöchentliche Angebot der Essensausgabe. Mehr als die Hälfte davon sind Kinder. 220 Ehrenamtliche sind in den drei Kommunen für die Tafel engagiert – vom Abholen der Lebensmittel bis zur Ausgabe. 

Obwohl die Tafel hoch angesehen ist und von vielen Supermärkten, Geschäfts- und Privatleuten unterstützt wird, sei auch immer wieder Kritik zu hören. Die Menschen sollten sich eine Arbeit suchen und sich selbst versorgen heißt es. Osterkamp berichtete von dem Beispiel eines jungen, zuvorkommenden Mannes. Obwohl dieser eine Förderschule besucht hatte, reichten seine geistigen Fähigkeiten nicht für eine Ausbildung. Zugleich wurde aber auch seine Lernbehinderung nicht anerkannt. So bliebe ihm nur der Weg zur Tafel. „Sagen Sie mir, wer gibt ihm eine Arbeit, die es ihm ermöglichte, für seinen Lebensunterhalt aufzukommen und nicht mehr auf Transferleistungen angewiesen zu sein?“, fragte Osterkamp. 

Die Tafelvorsitzende und Jobcenterleiterin kam erneut auf die Jahreslosung 2018 zu sprechen, wonach dem Durstigen von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst gegeben werden solle: „Wir dürfen nicht pauschal urteilen, sondern sollten genau hinsehen: Welcher Weg hat den Einzelnen hierher geführt?“ 

Abschließend dankte Rolf Pätzold, Vorsitzender des Regionskirchenvorstandes, Osterkamp für ihre Ansprache und überreichte einen großformatigen Bildband mit dem Titel „Stadt, Land, Gott“.

Die Kirchenregion Laatzen besteht aus den fünf evangelischen Gemeinden Immanuel, St. Marien, Thomas, St. Petri und St. Gertruden. Seit mehr als zehn Jahren lädt die Kirchenregion zu einem besonderen Neujahrsgottesdienst ein, bei dem Personen des öffentlichen Lebens predigen. 

Auf der Laienkanzel standen zuletzt der Autor und HAZ-Redakteur Imre Grimm, Laatzens Bürgermeister Jürgen Köhne und die Direktorin des Landesmuseums Hannover Katja Lembke. Die erste Referentin bei einer Laienkanzel, die Anstöße für das neue Jahr geben sollte,  war im Januar 1998 die damalige niedersächsische Umweltministerin Monika Griefahn.

Von Andrea Weber

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben
Mehr aus Laatzen

Tauchen Sie ein in ca. 33° warme Natursole, angereichert mit Inhaltsstoffen aus vielen Gesteinsschichten. Fühlen Sie sich wohl, lassen Sie sich in diesem Energiemeer treiben, entspannen Sie und lassen Sie positiven Gedanken freien Raum. mehr